Für das Engineering im 21. Jahrhundert führt das Zusammenwirken von mehreren Faktoren zu erhöhten Risiken für Qualität und Produktivität: – Steuerungsaufgaben werden komplexer durch zunehmend flexiblere Automatisierungssysteme – Die technische Komplexität der Lösungen selbst steigt, da leistungsfähigere Automatisierungsplattformen die Bewältigung immer ambitionierterer Anforderungen an Qualität und Effizienz des automatisierten Prozesses ermöglichen – Engineering-Aktivitäten erfolgen zunehmend verteilt, auch über Zeitzonen hinweg – Insgesamt erfolgen Engineering-Aktivitäten verstärkt parallel durch kürzere Entwicklungszyklen, um schneller auf Änderungen zu reagieren \’One for all\‘ oder \’Best of Breed\‘? Dem Bedarf nach einer durchgehenden Unterstützung eines Engineering-Projekts bzw. Prozesses durch Softwarewerkzeuge stehen i.A. zwei praktische Lösungsansätze für die Entwicklungsumgebung gegenüber. One for all: Ein umfassender Softwarewerkzeugkasten von einem Hersteller, der alle Bedürfnisse abdecken soll. In den allermeisten Automatisierungsprojekten bleiben auch bei diesem Ansatz Lücken, die mit ergänzenden Softwarewerkzeugen zu schließen sind. Best of Breed: Die Zusammenstellung einer Menge von heterogenen Softwarewerkzeugen, die jeweils Spezialanforderungen besonders gut abdecken, führt oft zu einem Engineering-Polynesien – viele Inseln von Softwarewerkzeugen sind nur wenig systematisch und fragil verbunden, um das gesamte Engineering-Projekt zu unterstützen. Neben den bedeutenden Vorteilen des Best of Breed-Ansatzes bestehen dabei zwei zentrale Herausforderungen: Einerseits wird durch die Verteilung der Daten über eine heterogene Menge von Softwarewerkzeugen und Kommunikationsanwendungen (etwa E-Mail, Weitergabe von Listen, Intranet-Lösungen) der Engineering-Prozess oft nur unzureichend sichtbar, analysierbar und verbesserbar. Dadurch ist für Manager und Domänenexperten im Projekt nicht leicht überschaubar, wie der aktuelle Projektfortschritt aussieht bzw. wo konkrete Risikosymptome auftreten und Verbesserungen sinnvoll wären. Andererseits besteht für den zwischen den Domänen erforderlichen Austausch von Daten weder organisatorisch noch von der Datenstruktur her eine systematische, qualitätsgesicherte und revisionierte Möglichkeit der gemeinsamen Nutzung von Daten. Diese Lücke wird häufig durch Behelfsimplementierungen und informell organisierten Datenaustausch nur unzureichend geschlossen. Änderungsmanagement und Fortschrittskontrolle Eine maßgebliche Herausforderung ist der Umgang mit Änderungen während der Entwicklungszeit und wie diese Änderungen in den jeweils involvierten Werkzeugen wahrgenommen und bearbeitet werden können. So kann die Änderung des Typs eines Sensors nach sich ziehen, dass auch die Kabelführung im Elektroplan und die Skalierung im Steuerungsprogramm angepasst werden müssen. Ein systematisierter Änderungsprozess erfordert die effiziente Erkennung von Änderungen und Konflikten sowie deren Lösung. Um den Engineering-Prozess sichtbar zu machen und systematischen Datenaustausch zu organisieren, wird derzeit auf der Basis Automation Service Bus (ASB) das web-basierte, sogenannte Engineering-Cockpit (siehe Bild 2) entwickelt. Es ermöglicht durch die systematische Integration der relevanten Datenmodelle aus den im Projekt verwendeten Softwarewerkzeugen eine Projekt- und Prozesssicht über Fachbereiche bzw. Domänen hinweg. Die Projektsicht im Engineering-Cockpit besteht aus der rollenorientierten Sicht des Benutzers, etwa als Manager oder Ingenieur mit bestimmtem Fachbereich. Dabei können Auswertungen zum Projektfortschritt nach Gewerk, Objekttyp oder Domäne etc. vorgenommen werden. Auch Risikoindikatoren, wie beispielsweise verspätete Änderungen an bereits freigegebenen Datenbeständen und der Status von Projektpartnern, die auch das Engineering-Cockpit verwenden, sind auf dieser Basis darstellbar. Die Prozesssicht im Engineering-Cockpit zeigt Status und Änderungshäufigkeit domänenübergreifender Daten. Dies sind etwa Signale, andere Engineering-Objekte oder auch offene Engineering-Tickets, die zur Nachverfolgung von Änderungen und Konflikten erzeugt und zugeordnet werden. Durch die rollenorientierte Sicht wird es den Ingenieuren vereinfacht, die für ihren eigenen Arbeitsbereich relevanten Aufgaben im Blick zu behalten. Darüber hinaus wird eine Kommunikationsschnittstelle zu Kollegen aus anderen Domänen geboten, die auf Daten und Informationen fokussiert, die beide Seiten interessieren. Systematischer Datenaustausch erhöht die Produktivität Der Datenaustausch sowie die gemeinsame Nutzung von Daten, die domänenübergreifende Konzepte wie Signale abbilden, wird durch den ASB umgesetzt und kann im Engineering-Cockpit gesteuert und kontrolliert werden. Zentrale Konzepte (etwa Signale oder Engineering-Objekte) können so systematisch revisioniert, qualitätsgesichert und bidirektional zwischen Werkzeugen ausgetauscht werden. Dadurch ist es möglich, frühzeitig Fehler zu erkennen, die sich aus Änderungen von Daten gemeinsamer Konzepte in unterschiedlichen Werkzeugen ergeben, etwa das Ändern von Signalen durch den Einsatz geänderter Typen oder Dimensionen von Bauteilen. Derartige Fehler sind in einem einzelnen Werkzeug nicht (bzw. nicht leicht) zu finden und erfordern die semantische Integration von Datenmodellen, um die gemeinsamen Daten in unterschiedlichen Werkzeugen automatisch überprüfen zu können. Mit dem Ansatz der semantischen Integration wird auch die Verfolgung von Änderungen an zentralen Konzepten über Werkzeuggrenzen hinweg unterstützt. Unter anderem wird es dadurch möglich, aus erfolgten Änderungen in einer Domäne die Notwendigkeit von Änderungen in anderen Domänen abzuleiten und dazu sogenannte Engineering-Tickets zu generieren, die entsprechend dem Rollenkonzept zugewiesen und verwaltet werden. Auch die Navigation zwischen Werkzeugen wird ermöglicht, etwa: Zeige im Elektroplan die Stelle an, wo das zu dieser Variable gehörende Signal verdrahtet wird! Umsetzung auf der Basis einer offenen Kollaborationsplattform Basis für die Funktionen des Engineering-Cockpits sind Plattformen für die technische Integration heterogener Softwarewerkzeuge und die semantische Integration der gemeinsamen Konzepte (wie Signale oder Geräte) in den Datenmodellen dieser Softwarewerkzeuge. Prototypen dieser Plattformen sind Ergebnisse der anwendungsorientierten Grundlagenforschung im Christian Doppler Forschungslabor für \’Software Engineering Integration für flexible Automatisierungssysteme\‘ (CDL-Flex; cdl.ifs.tuwien.ac.at) an der Technischen Universität Wien. Die technische Integration erfolgt durch die Integrationsplattform Engineering Service Bus (openengsb.org) und entsprechende Konnektoren zu den beteiligten Softwarewerkzeugen. Ein wesentliches Leistungsmerkmal besteht darin, dass dadurch auch vor Ort vorgenommene Änderungen erfasst werden können, sogar wenn keine direkte Verbindung zum Büro besteht. Die semantische Integration zur Abbildung von gemeinsamen Konzepten auf Projektebene, etwa Signalen, auf lokale Begriffe und Formate in unterschiedlichen Softwarewerkzeugen erfolgt durch die Plattform Engineering Data/Knowledge Base und ermöglicht den effizienten Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen. Kontinuierliche Evaluation Mit Industriepartnern werden die erreichten Ergebnisse laufend in konkreten Engineering-Projekten evaluiert. Dabei wird auf die spezifischen Bedürfnisse des Industriepartners eingegangen und gemeinsam mit kooperierenden Domänen-Werkzeugherstellern eine Lösung realisiert, durch die Produktivität und Qualität des kollaborativen Engineerings effektiv gesteigert werden. So wird beispielsweise derzeit vom österreichischen Wasserkraftspezialisten Andritz Hydro GmbH ein internationales Kraftswerksprojekt umgesetzt, in dem einzelne Leistungsmerkmale des ASB evaluiert werden. Aktuell wird u.a. an einer ersten Version des Engineering-Cockpits gearbeitet und auch hierbei Domänenexperten beigezogen, um die Praxis-Eignung sicherzustellen. Auch eine Unterstützung vom AutomationML, dem offenen XML-Datenformat zum Austausch von Anlagendaten, ist für 2011 geplant. Längerfristig sieht logi.cals Engineering-Environment-Integration auf der Basis des ASB als Dienstleistung, die es Anwendern ermöglicht, sowohl die für ihre Anwendung bestgeeigneten Domänen-Werkzeuge zu nutzen als auch die Kollaboration ihrer Ingenieure systematisch und qualitätsgesichert zu unterstützen. Neben dem an der Technischen Universität Wien betriebenen CD-Labor wurde Anfang des Jahres auch die Österreichische Gesellschaft für Softwarewerkzeug-Integration (ÖGSI) gegründet, um das Engineering komplexer Automatisierungssysteme im 21. Jahrhundert flexibler und zuverlässiger zu gestalten.
Integration heterogener Praxis kooperativen Engineerings
-
IIoT / Edge Computing
Edge-Modul für durchgängige IIoT-Daten
Turck erweitert seine IIoT- und Service-Plattform Turck Automation Suite um das Modul TAS Edge.
-
Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im April: +0,4% zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im April gegenüber März saison- und kalenderbereinigt um 0,4% gestiegen.
-
Best Managed Companies Award 2026: Schmersal mit Goldstatus geehrt
Die Firma K.A. Schmersal wurde erneut mit dem Best Managed Companies Award ausgezeichnet.
-
Smartes Engineering für funktionale Sicherheit
In der modernen Softwareentwicklung gehören Versionskontrolle mit Git, mehrsprachige Codebasen, KI-gestützte Assistenten, Extensions statt monolithischer Toolchains mittlerweile zum Standard.
-
Auftragseingang im Maschinenbau: Keine Belebung in den Mai-Orderbüchern
Der Maschinenbau wartet weiter auf eine Belebung ihrer Orderbücher.
-
Leitungstechnik
Torsionsfeste Devicenet-Leitung für Roboter
Igus erweitert seine Roboterleitungsserie CFRobot8.Plus um eine Devicenet-Leitung für hochdynamische Anwendungen mit Torsionsbewegungen…
-
Ringsensoren liefern Prozess- und Diagnosedaten
Induktive Ringsensoren mit IO-Link
Turck erweitert sein Portfolio um induktive IO-Link-Ringsensoren für die zuverlässige Erfassung kleiner metallischer…
-
Maschinenbau rechnet für 2026 nicht mehr mit Wachstum bei der Produktion
Die Produktion im Maschinenbau in Deutschland sank von Januar bis April um real…
-
Technische Beschaffung
B2B-Katalog als Brücke zur digitalen Beschaffung
Conrad Electronic erweitert seine B2B-Strategie um einen neuen, 960 Seiten starken Katalog.
-
AC/DC-Hochleistungssicherungen
Mersen präsentiert seine neue Generation von Hochleistungssicherungen.
-
Cybersicherheit
Sicherer Entwicklungsprozess zertifiziert
Moxa hat gleich zwei Zertifizierungen nach IEC62443-4-1 Maturity Level 3 (ML3) erhalten –…
-
Industrie-PCs
Panel-PCs für HMI und Maschinensteuerung
Gett erweitert sein HMI-Portfolio um eine neue Serie industrieller Panel-PCs der Marke InduSmart.
-
Ormazabal baut neue Deutschlandzentrale
Ormazabal hat den offiziellen Spatenstich für seine neue Deutschlandzentrale in Krefeld gesetzt.
-
Analogmodul für Fußschalter
ASA Schalttechnik erweitert sein Portfolio um ein Analogmodul für Fußschalteranwendungen.
-
Potentiometer
Präzisionspotentiometer individuell angepasst
Megatron bietet Präzisionspotentiometer für Anwendungen in Medizin-, Labor-, Industrie- und Messtechnik an und…
-
Hima wächst in schwierigem Marktumfeld
Hima, Anbieter sicherheitsgerichteter Automatisierungslösungen, ist im Geschäftsjahr 2025 in einem anspruchsvollen Marktumfeld gewachsen.
-
Deutsche Elektroexporte bleiben vorerst auf Wachstumskurs
Im April entwickelten sich die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie weiter beschleunigt…
-
Vorstandswahlen bei PLCopen
PLCopen hat einen neuen Vorstand gewählt, nachdem drei Mitglieder zurückgetreten sind.
-
R&M stärkt Produktmanagement und Marketing
Dr. Hannes Grubinger hat die Position des Chief Product & Marketing Officers bei R&M…
-
Linearführung für Extrembedingungen
Bosch Rexroth erweitert sein Portfolio an Kugelschienenführungen um den Führungswagen NRTVG für Anwendungen…
-
Prozessautomatisierung
Ethernet-APL-Switches verbinden bis zu zwölf Feldgeräte direkt mit dem Ethernet-Netzwerk
Phoenix Contact erweitert sein Ethernet-APL-Portfolio um zwei Managed-Switch-Varianten mit zwölf Ports für die…
-
Elektromechanischer Fügemodule
Kistler präsentiert elektromechanische Fügesysteme, die Messdaten mittels weiterentwickelter Telemetrie kabellos übertragen.
-
Neue Funktionen für Siemens KI-Agent
Siemens hat zwei neue Funktionen für den Eigen Engineering Agent, eine speziell für…
-
Antriebstechnik
Motor und Umrichter zu einer kompakten Antriebseinheit kombiniert
Mit Nordac Fusion stellt Nord Drivesystems ein integriertes Antriebssystem vor, das Motor und…
-
Steckverbinder – Docking-Systeme
Erweiterte Docking-Lösungen für automatisierte Andockprozesse und hohe Steckzyklen
Odu bietet mit seinen Docking-Lösungen auf Basis der Odu-Mac Silver-Line eine modulare Schnittstellenplattform…
das könnte sie auch interessieren
-
Kommunikationsfreudige Switches erleichtern die Modernisierung von Schaltanlagen
Weniger Kosten und Konfigurationsaufwand
-
SE Tylose setzt auf SAP PM und Argvis als durchgängige CMMS-Plattform
Schluss mit Insellösungen in der Instandhaltung
-
Kreislaufwirtschaft in der Robotik
Ein zweites Leben für Industrieroboter
-
Neue IO-Link-Komponenten bringen Innovationen in die Automation
Mehr Flexibilität auf den letzten Metern
















