Privat- und Geschäftskunden können heute fast überall in Deutschland zwischen zahlreichen Anbietern wählen. Viele sind als Tochterunternehmen von Energiedienstleistern und Stadtwerken zeitgleich mit der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes 1998 gestartet. So auch die EWE Tel in Oldenburg, ein Tochterunternehmen der EWE AG. Am Firmensitz in Oldenburg nutzt das Unternehmen bis heute das Telekommunikationsnetz (TK-Netz), das die Muttergesellschaft über Jahrzehnte für die innerbetriebliche Kommunikation im Einsatz hatte. Seit Ende der 90er-Jahre baut EWE Tel die eigene TK-Infrastruktur für externe Kunden aus. Seit August 2008 wird in der Universitätsstadt an vielen Stellen gegraben: Bis 2013 will das Telekommunikationsunternehmen knapp 1.800km Leerrohre in den Fußwegen der Stadt verlegen, um später flexibel Glasfaserkabel für schnelle Internetanschlüsse einzuziehen. Dann sollen Glasfaserkabel bis ins Haus führen, wo bisher häufig noch Kupferkabel genutzt werden. Kommunikationsdienste Zum Portfolio des Telekommunikationsanbieters EWE Tel zählen Triple-Play-Angebote für Privatkunden, die das komplette Dienstepaket für Sprache, Internet und Fernsehen beinhalten. Dazu ist eine ständige Modernisierung der TK-Infrastruktur vonnöten. Dabei geht es insbesondere um den Aspekt der Konvergenz der Sprach- und Dateninfrastruktur, bei der alle Services über das Internet-Protokoll (IP) transportiert werden. Als die Erweiterung und Modernisierung der Sprach- und Dateninfrastruktur anstand, erstellte EWE Tel ein Anforderungsprofil für Zugangstechnik und holte Angebote von verschiedenen Herstellern ein. Dann fiel die Entscheidung für die Firma Keymile und ihre Multi-Service-Zugangsplattform MileGate. \“Mit Keymile konnten wir an verschiedenen Stellen individuelle Anforderungen, die sich aus unserer technischen Netzinfrastruktur ergeben, in die Weiterentwicklung der Produkte und Lösungen einbringen\“, sagt Frank Ruloffs, Leiter Netze bei EWE Tel in Oldenburg. TDM & IP wachsen zusammen Schwerpunkt war die Übertragung von Telefonie sowohl über traditionelle TDM-Technik und über paketbasierte IP-Technik mit einem Zugangssystem. Die Verarbeitung der Telefongespräche ist bei beiden Techniken verschieden: Bei der traditionellen TDM-Übertragung werden Telefongespräche an eine V5.2-Schnittstelle übergeben, bei VoIP werden sie in Signalisierungs- und Sprachdaten aufgeteilt und an einen Softswitch weitergeleitet. Beide Wege müssen für eine Migration zur Verfügung stehen. Mit der parallelen Verwendung dieser beiden Übertragungstechniken kann EWE Tel flexibel auf die Gegebenheiten am Zugangspunkt reagieren. Existiert dort bereits eine Ortsvermittlung, kann diese über die V5.2-Schnittstelle weiter genutzt werden. Wird hingegen ein neues Gebiet erschlossen, muss keine neue Ortsvermittlung mehr aufgebaut werden. Die Sprachdaten werden in VoIP für den Transport über den IP-Datenstrom gewandelt und an den zentralen Softswitch übergeben. Existierende Ortsvermittlungen kann EWE Tel dann zu einem beliebigen Zeitpunkt schließen, die installierte TDM-Technik abbauen und die darüber angeschlossenen Teilnehmer in das IP-Netz integrieren – damit steht ein einheitliches Netz für Sprache und Daten zur Verfügung. Dafür eignete sich die Multi-Service-Zugangsplattform MileGate. Die hybride Backplane der MileGate-Subracks kann native TDM-Daten und mit dem GbE-Star auch IP-Daten weiterleiten. Den Anschluss der Telefonie-Teilnehmer an das Netz realisiert MileGate über ein Gateway. Es kann über ein Firmware-Update von einer reinen V5.2-Schnittstelle zu einem SIP- oder H.248-Voice-Media-Gateway erweitert werden. Dadurch stehen alle gewünschten Funktionen in MileGate zur Verfügung – ohne dass Hardware ausgetauscht werden muss. Durch die Integration des Voice-Gateways in den Zugangspunkt bleibt beim Teilnehmeranschluss alles wie gehabt. Alle angeschlossenen Teilnehmer können ihre Endgeräte weiter nutzen. Für die bereitgestellten analogen oder digitalen Telefonanschlüsse müssen im Gegensatz zu einer reinen Triple-Play-Lösung keine weiteren Geräte gekauft werden. Das reine IP-Netz wird durch MileGate erweitert, indem auch traditionelle Dienste bereitgestellt und später mit geringem Aufwand umgestellt werden können. Und der Betreiber kann sein Sprachangebot auf VoIP-Technik migrieren. Harmonisierung der Netze Eine redundante Auslegung der Zentralbaugruppen und der Media-Gateways schützt das System vor Ausfällen und erhöht die Verfügbarkeit, die EWE Tel benötigt, um dem Endkunden Dienste in \’Carrier-Grade-Qualität\‘ (99,999% Verfügbarkeit) anzubieten. Die Multi-Service-Fähigkeiten ermöglichen es, alle Teilnehmerdienste über einen Netzknoten zur Verfügung zu stellen. Netzbetreiber benötigen weniger Zugangsplattformen, wodurch sich der betriebliche Aufwand reduziert. Neben den traditionellen Sprachdiensten ist die Bereitstellung traditioneller Datendienste wichtig – gerade für Geschäftskunden, die ihr bestehendes TK-Equipment, beispielsweise Telefonanlagen, weiterhin nutzen wollen. Die in MileGate integrierte CESoP-Funktionalität (Circuit Emulation Services over Packet) macht die herkömmliche SDH-Netztechnik im Backbone und TDM-Technik im Zugangsnetz überflüssig und ermöglicht den Einsatz einer einheitlichen Ethernet-Technologie. Dabei setzt die CESoP-Gateway-Karte einen traditionellen TDM-Datenstrom in Ethernet-Pakete um und transportiert die TDM-Daten durch ein paketbasiertes Netz. Netzbetreiber können dadurch auf den Parallelbetrieb von Ethernet- und TDM-Transportnetzen verzichten und trotzdem weiterhin traditionelle Dienste über ein einziges All-IP-Netz anbieten. Die klassischen Dienste stehen wie gewohnt zur Verfügung, netzintern setzt EWE Tel jedoch moderne IP-Infrastruktur ein. Mit den umfassenden Multi-Service-Fähigkeiten der MileGate-Plattform lässt sich eine komplette Migration des Zugangsnetzes zu einem All-IP-Netz durchführen. Der Betreiber kann für jeden Zugangsknoten individuell festlegen, ob und wenn ja bis wann er traditionelle Dienste anbietet – und zwar nicht nur Sprach-, sondern auch Datendienste.
Lichtwellenleiter & Ethernet für die Telekommunikation: Einheitliche Infrastruktur für Sprache und Daten
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