Vorbei sind die Zeiten, als man zum Konfigurieren und Parametrieren moderner Feldgeräte noch einen Schraubendreher brauchte. Vielleicht denken manche aber auch ein wenig wehmütig daran zurück, als sich alles noch mit einigen wenigen genormten Stellschrauben, unkomplizierten Werkzeugen und über eine intuitive Bedienung bewerkstelligen ließ. Was früher gut und selbstverständlich war, muss für die neuen PC-Technologien erst wieder neu geschaffen werden. Um ein Feldgerät bedienen zu können, benötigt der Anwender heute stets den passenden Gerätetreiber, der vom jeweiligen Feldgerätehersteller entwickelt und vertrieben wird. Diese hochfunktionalen Gerätetreiber (auch Device Type Manager, kurz DTM genannt) beinhalten alle wesentlichen Funktionen wie komplexe grafische Darstellungen, interaktive Einstellmöglichkeiten, Hilfefunktionen und bieten darüber hinaus Möglichkeiten der Simulation und Diagnose. Es gibt viele proprietäre Bediensysteme – fast so viele, wie es Hersteller von Feldgeräten und Anlagen gibt. Diese Bediensysteme sind durch unterschiedliche Bedienkonzepte geprägt, oft mit nahezu übermächtiger Funktionalität ausgestattet, wegen ihrer Komplexität und des damit verbundenen hohen Pflege- und Entwicklungsaufwands nicht immer am Puls der Zeit, und manchmal unterstützen sie sogar ganz eigenwillig nur bestimmte Systemumgebungen. Das bedeutet in der Praxis, dass eine Anlage mit vielen Geräten unterschiedlichster Hersteller einen \’Zoo\‘ von Bedien-Software benötigt – natürlich mit allem, was dazugehört: Lizenzierung, Versionsverwaltung und Schulung. In der Vergangenheit kämpften viele Gerätehersteller darüber hinaus mit dem Problem, dass die unbestreitbaren Vorteile einer neuen Gerätegeneration für den Kunden durch die Nachteile ungeeigneter \’Schraubendreher\‘ kaum zu erkennen, geschweige denn nutzbar waren. Ein Bediener will aber vor allem seine Aufgabe schnell und zügig erledigen und sich keinesfalls mit zig verschiedenen Werkzeugen beschäftigen. Und der Kunde ist bekanntlich König. Was also tun? Die Antwort auf diesen Missstand heißt Pactware – eine universelle, offene sowie feldbus- und herstellerunabhängige Lösung, die das Pactware Consortium den Gerätenutzern kostenfrei zur Verfügung stellt. Das Tool unterstützt moderne Geräte- und Bustechnologie und besitzt in der Grundausstattung nur wenige elementare Funktionen. Über die integrierte Schnittstelle können jedoch über so genannte Add-Ins Funktionalitäten eingespeist werden. Aber: Pactware ist kein Engineeringtool oder Asset-Management-System und will es auch nicht werden. Es ist ein PC-Programm, das, vergleichbar mit Windows in der Bürowelt, angeschlossene Geräte bereitstellt. Standards als Schlüssel zum Erfolg Pactware stellt seine ausgereifte Qualität mittlerweile tagtäglich in Anlagen rund um den Globus unter Beweis. So setzt Clariant die Bediensoftware z.B. in seiner von der Hart-Organisation als \’Plant of the year 2004\‘ gekürten Anlage in Gersthofen sehr erfolgreich ein. Das agile Bedienwerkzeug kann auch zur Installation und Parametrierung verwendet werden. Da Pactware eine offline-Konfiguration erlaubt, können sich die Anwender auch ohne Geräte einen ersten Eindruck von der Bedienoberfläche und den neuen Möglichkeiten verschaffen. Sind die Geräte dann angeschlossen, lässt sich durch den Anwender über die einheitliche PC-Bediensoftware die jeweilige Spezial-Bediensoftware seiner Geräte über die entsprechenden DTM modular einklinken. Eine solche Software bezeichnen Spezialisten als Rahmenapplikation (engl.: Frame Application) oder Containerprogramm. Die Software-Schnittstelle zwischen Pactware als Rahmenapplikation und den Geräten entspricht dem offenen Standard FDT 1.2 (Field Device Tool). Diese erlaubt es, Gerätetreiber unabhängig vom Bedienprogramm zu erstellen und zu erweitern. Eine neue DTM-Version eines Geräts wird dann – ähnlich wie ein Druckertreiber auf dem PC – einfach in Pactware installiert. Die FDT-Technologie, die in ihrem Kern nichts anderes ist als eine standardisierte Schnittstelle zwischen Bedienprogramm und Gerätetreiber, unterstützt den problemlosen Austausch der Gerätetreiber und führt damit die Flexibilität der Bustechnologie bis in die Bediensysteme fort. Ermöglicht haben dies erst die Microsoft-Technologien COM und XML, die FDT für innovative Softwarerealisierungen nutzt. Zukunftsweisende Technologien nutzen Diese beiden weit verbreiteten Basistechnologien sind Garanten für ein benutzerfreundliches und einheitliches \’Look and Feel\‘, das in der PC-Welt schon lange eine Selbstverständlichkeit ist: -Microsoft ActiveX- und Client/Server COM-Spezifikation (ab Pact-ware 3.0.NET): Modernste Technologie aus der Office-Welt vereinfacht und standardisiert Funktionen wie die DTM-Installation. -Der FDT-Standard legt die für die Erstellung der DTMs notwendigen Schnittstellen-Vorgaben eindeutig fest. Der bestechende Vorteil der FDT/DTM-Technologie besteht darin, dass sich durch das Zusammenstellen entsprechender DTMs jede vorhandene Anlagenstruktur mittels Software nachbilden lässt und sich dadurch selbst komplexe Kommunikationsstrukturen problemlos handhaben lassen. Wie das Windows-Betriebssystem übernimmt Pactware für alle Geräte die übergeordneten Funktionen – ein Muss für die grundlegende Bedienung und Navigation in jeder Anlage. Die hierzu notwendigen Informationen tauschen Bedienprogramm und Geräte-DTM über die gemeinsame FDT/DTM-Schnittstelle aus. Die Bedienung spezieller Gerätefunktionen ist im DTM des jeweiligen Geräts realisiert und wird in den Rahmen integriert. Voraussetzung dafür ist, dass die einzuklinkenden Geräte ihre eigene Bediensoftware in Form eines DTM für die Software-Installation bereithalten. Pactware ist ein modernes, PC-basiertes Bediensystem für alle Feldgeräte mit DTM, das busunabhängig z.B. über Hart oder Profibus angeschlossene Feldgeräte bereitstellt und deren Leistungsfähigkeit und Vorzüge nutzt. Dass jede Anlage anders aussieht, stört die vielseitige Software nicht, denn sie ist flexibel genug, um sie von der zentralen Engineering-Station bis hin zur Vor-Ort-Bedienung im Feld einzusetzen. Pactware ermöglicht es darüber hinaus erstmals, alle Feldgeräte und Feldbusse einer Anlage mit einer einzigen Software zu bedienen. Sie bietet eine anspruchsvolle, professionelle Menü-Oberfläche und mit dem neuen Release 3.0 auch Unterstützung für viele weitere Komfort-Funktionen. Die weiteren Beiträge in dieser Serie zeigen auf, welche Möglichkeiten z.B. bei der Diagnose in der Pactware-Software stecken. Wer steht dahinter? Das Pactware Consortium e.V. ist ein Verein aus 30 internationalen Herstellern und Dienstleistern der Feldgeräteindustrie. Das Consortium entwickelt und pflegt in enger Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern die Rahmenapplikation Pactware auf Basis der offenen FDT-Spezifikation. Die Verbreitung von Pactware erfolgt zusammen mit den DTMs durch die Mitgliedsfirmen. Im Interesse der Produkte und zur Qualitätssicherung ist die Software nur den Vollmitgliedern als Open-Source zugänglich. Firmen, die die Idee unterstützen und direkt informiert sein wollen, ohne aktiv am Entwicklungsprozess mitzuwirken, sind bei der kostengünstigeren OEM-Mitgliedschaft bestens aufgehoben. So können ihre Geräte zusammen mit der Bediensoftware Pactware und dem eigenen Firmennamen im Informationsfeld an die Kunden ausgeliefert werden. Das Programm steht zum freien Download auf den Web-Seiten vieler Mitgliedsfirmen bereit – ohne Bestellung und aufwendige Lizenzvereinbarungen. Kasten 1: Die führenden Köpfe Der Vorstand des Pactware Consortium e.V. setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Dr. Joachim Schullerer, Leiter Entwicklung bei der KSB AG in Frankenthal und Vorstandsvorsitzender bei Pactware, leitet die Aktivitäten des Vereins. Er ist von Anfang an dabei und treibt die Entwicklung der Software stetig voran. Rainer Waltersbacher, Leiter des Produktmanagement und Marketing der Vega Grieshaber KG in Schiltach, vertritt insbesondere die Interessen der mittelständischen Unternehmen. Engagiert in Entwicklungs- wie auch in Marketingaufgaben, trägt er maßgeblich zum Erfolg des Vereins bei. Michael Kessler, Leiter des Geschäftsfelds Komponenten und Technologie bei Pepperl+Fuchs in Mannheim, steht als Mitbegründer hinter dem Bedientool, seitdem Ende der neunziger Jahre der Grundstein dafür gelegt wurde. Frank Rohn, Leiter Produktmanagement Prozessautomation bei der Hans Turck GmbH & Co. KG in Mülheim, ist seit drei Jahren Mitglied des Pactware-Vorstands. Mit seiner Kreativität und seiner unkonventionellen Art sorgt er dafür, dass interessante Ideen und neue Marktanforderungen zielgerichtet umgesetzt werden. Kasten 2: Eine FDT-Rahmenapplikation -ist der Container für DTMs -benötigt keinerlei gerätespezifischen Informationen -übernimmt die Datenarchivierung -verwaltet Zugriffsrechte (Rollen) und Zugriffsprofile für Ihre Geräte -ermöglicht die logische Punkt-zu-Punkt-Kommunikation der DTMs mit \“Ihren\“ Geräten entsprechend der Netzwerktopologie (Routing) Pactware ist die am weitesten verbreitete FDT-Rahmenapplikation. Kasten 3: Was ist Pactware? Pactware ist eine Bedienoberfläche zur herstellerübergreifenden Parametrierung und Konfigurierung von Feldgeräten, Remote I/O-Systemen und Kommunikationsbaugruppen in Feldbussystemen und Netzwerken. Über die FDT-Schnittstelle lässt sich auf alle Komponenten eines Netzwerks zugreifen, sobald deren technische Beschreibungen als DTM vorliegen. Die Bedien-Software setzt auf bewährten Basistechnologien auf und kann universell eingesetzt werden. Über 26.000 Anwender nutzen weltweit bereits die Vorzüge der neuen Technologie. Dazu gehören auch die kostenfreie Beschaffung durch Download auf den Webseiten der Pactware e.V.-Mitgliedsfirmen, eine einfache Installation und eine intuitive Bedienung.
Sechs Jahre Pactware Die Rahmen-Applikation rund um FDT/DTM hat seine Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt
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