Wenn man die Innovationen der letzten Jahre in der Automatisierungstechnik betrachtet, so entsteht der Eindruck, dass die Antriebstechnik deren Entwicklung treibt. Teilen Sie diesen Eindruck? Die Antriebstechnik hat eine sehr hohe Bedeutung für die Maschinenbauer und ist dementsprechend auch ein Treiber der Entwicklungen. Der Grund dafür ist klar, wenn man überlegt, dass unsere Kunden im Maschinenbau immer flexiblere, produktivere und kostengünstigere Maschinen bauen müssen. Auch die integrierte Sicherheitstechnik ist ein großes Thema für den Maschinenbau. Die Sicherheitstechnik war traditionell eine separate Infrastruktur in den Maschinen, die sehr kostenintensiv war. Jetzt kommt die Sicherheitstechnik in die Antriebstechnik. Daran sind unsere Kunden hoch interessiert, denn hier werden Komplexität und Kosten reduziert. Wie weit fassen Sie das Thema Safety im Hause Lenze? Zur Zeit konzentrieren wir uns auf das Themenfeld antriebsintegrierte Sicherheitstechnik, was wir unter dem Begriff Drive bades Safety zusammengefasst haben. Das Thema \“sichere Steuerungen\“ beobachten wir noch. Schaut man sich heute an, wie wenige Hersteller heute eine geprüfte Steuerung für die Sicherheitstechnik haben, dann stellt man fest, dass die integrierte Sicherheitstechnik im Antrieb deutlich schneller vorangekommen ist. Mittelfristig wird jedoch beides zur Verfügung stehen müssen, also integrierte Sicherheitstechnik im Antrieb und integrierte Sicherheitstechnik in der Steuerung. Wir sind vor fast zwei Jahren eine Produktpartnerschaft mit der Mercedes Car Group (DaimlerChrysler) eingegangen. DaimlerChrysler hat einen Standard für Produktionsanlagen entwickelt und da ist – was die Antriebstechnik betrifft – Lenze der Lieferant in diesen Standard hinein. Die integrierte Sicherheitstechnik ist ein wichtiger Bestandteil für die Automobilbauer, weil sie gesehen haben, dass dadurch u.a. eine Reduzierung von Kosten, Komplexität und Engineeringaufwand möglich ist. Wir haben die integrierte Sicherheitstechnik mit DaimlerChrysler in sehr enger Zusammenarbeit entwickelt und konnten dabei sehr von der Anwendungserfahrung und dem Know-how profitieren, das das Unternehmen als Anlagenbetreiber und teilweise ja auch als Anlagenhersteller hat. Diese Erfahrung kommt natürlich allen Anwendern zugute. Safety-Module (SM), wie das SM301, das sich derzeit in der Markteinführung befindet, sind ein wesentlicher Teil des skalierbaren Lösungsansatzes unseres L-force-Systems. Sie werden einfach in den Antrieb gesteckt und stellen dann die Sicherheitsfunktionen zur Verfügung. . Das SM301 ist eine Weiterentwicklung unseres SM300; und kommt zur SPS/IPC/ Drives mit deutlich erweitertem Funktionsumfang. Warum entwickelt Lenze das alles selbst? Wir haben als Antriebshersteller ganz bewusst sehr viel in die Sicherheitstechnik investiert, weil das für unsere Kunden einen großen Nutzen bedeutet. Wir haben die Entwicklung in der Hand, weil wir der Meinung sind, dass wir diese Thematik selbst beherrschen müssen. So können wir selbst bestimmen, wie die Sicherheitsfunktionen idealer Weise integriert werden und wie man das im Einzelnen realisiert. Immer alles selbst zu machen, ist nicht unbedingt die Philosophie von Lenze. Aber dort, wo es um unsere Kernkompetenzen geht, sehen wir das als sehr wichtig an. Daher müssen wir die sichere Antriebstechnik auch in eigener Regie realisieren. Sie haben im Bereich Ethernet sehr früh auf Ethernet Powerlink gesetzt. Werden Sie auch andere Ethernet-Derivate unterstützen? Hier haben wir einen ganz pragmatischen Ansatz: Das, was vom Markt gefordert wird, werden wir auch unterstützen. Als wir vor einigen Jahren angefangen haben, uns mit dieser Thematik zu beschäftigen, war Ethernet Powerlink eigentlich das einzige System, das verfügbar war. Wir haben daher damals mit der Entwicklung begonnen, und es in die nächste Generation der Antriebe integriert. Das heißt natürlich nicht, dass wir einzig und allein auf Powerlink setzen. Heute unterstützen wir alle wesentlichen vom Markt geforderten offenen Standards. Wir sind ein breit aufgestellter Antriebshersteller und müssen auch die regional unterschiedlichen Gegebenheiten berücksichtigen und dort die jeweils geforderte Technologie anbieten. EtherCAT beispielsweise ist ein gutes System und auch sehr gut umsetzbar. Es hat sich sehr gut entwickelt und ist sehr offen. Profinet wird durch Siemens natürlich eine sehr große Rolle spielen. Ganz konkret schauen wir gerade, was unsere Kunden fordern und werden vermutlich schon in Kürze Kommunikationsmodule für Profinet und EtherCAT anbieten. Es wird derzeit viel über mechatronische Einheiten geredet (obwohl wir in der Redaktion den Begriff \“funktionale Einheiten\“ bevorzugen, weil er einerseits die Software nicht ausgrenzt und sich andererseit von dem Mechatronikbegriff anderer Branchen unterscheidet). Denkt der Maschinenbau aus Ihrer Erfahrung heraus schon mechatronisch? Ich stimme Ihnen vollkommen zu: Wenn man von mechatronischen Einheiten spricht, ist darunter eine Kombination aus Mechanik, Hardware und Betriebssoftware zu verstehen. Lenze versteht darüber hinaus notwendiger Weise noch das Engineering, also die Ausrichtung der Engineering-Werkzeuge auf mechatronische Einheiten bzw. deren Anwendung. Die modulare Denkweise ist deutlich im Kommen und wird zukünftig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Maschinenbauer müssen standardisieren. Sie können es sich im Wettbewerbsumfeld schlichtweg nicht leisten, jede Maschine neu zu entwickeln sondern müssen Module konstruieren, die sie dann in unterschiedlichen Typen einsetzen können. Aus diesem modularen Denken kommt dann auch der mechatronische Ansatz. Heute stellt sich die Situation so dar, dass es weiterhin Verfechter des eher traditionellen Ansatzes gibt, nämlich der rein mechanischen Konstruktion, sich daneben die übergreifende Sichtweise, also das Einbeziehen von Mechanik, Elektronik und Software, immer mehr durchsetzt. Wie unterstützen Sie den Maschinenbauer bei der Auswahl der \“richtigen\“ Automatisierungskomponenten? Wichtig ist, dass wir bei uns im Vertrieb den Anspruch haben, uns sehr intensiv mit dem Produktions- oder Bearbeitungsprozess der Maschine auseinanderzusetzen und mit unserem Maschinenbaukunden sehr genau zu überlegen, wie das Maschinenkonzept für diesen Prozess aussieht. Daraus entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden das optimale Antriebskonzept aus einem wirklich breiten Produktportfolio, das Lenze hat. Also aus dem Produktions- oder Bearbeitungsprozess leiten wir als Antriebsspezialisten dann das Antriebskonzept ab. Das funktioniert sehr gut in einem intensiven Dialog mit den Maschinenkonstrukteuren unserer Kunden. Lenze hat vor einiger Zeit das Unternehmen Digitec übernommen. Was waren die Gründe für diese Unternehmens-Akquise? Wir bieten Drive-based Automation an und haben schon Ende der 90er Jahre sowohl Motion Control-Funktionen als auch die Logik-Steuerung in den Antrieb integriert. Es ist natürlich der nächste logische Schritt, die PC-basierte Achitektur auch in unsere Antriebssysteme einzugliedern. Viele Kunden haben uns gefragt, ob wir für ihre komplexeren Maschinen Controller oder PC-basierte Steuerungen anbieten können. Dementsprechend haben wir agiert und die Firma Digitec übernommen. Deren vorzügliche Produkte ergänzen unser Antriebsportfolio sehr gut. Das ist auch die Grundlage für unsere zukünftige Entwicklung der PC-basierten Steuerungen, mit denen wir dann eine skalierbare Steuerungsplattform anbieten können. Je nach Maschinenkonzept oder Komplexität können wir dann beides anbieten: Drive-based oder PC-based Automatisierungskonzepte – und zwar in einer durchgehenden Architektur. Derzeit läuft die Weiterentwicklung unserer PC-Steuerungen und damit die Integration in unsere L-force Architektur. Die dann durch ein System bestehend aus Steuerung, Visualisierung und Antriebstechnik komplettiert wird, gestützt durch einen durchgängigen Engineering-Ansatz mit unserem Engineeringtool L-force Engineer. Wird es auch eigene EAs geben von Lenze? Moderne EAs sind ein wichtiger Bestandteil der Steuerungswelt. Wir haben ja einiges in diesem Bereich, das wir unseren Kunden anbieten können. Das sind Brandlabel-Produkte (derzeit von Vipa, Anm. d. Red.). Wir neigen dazu, mit guten, langfristigen Partnern zusammenzuarbeiten. Was wir heute tun, ist in strategischen Partnerschaften gemeinsam etwas zu entwickeln. Aber ich würde es nicht ausschließen, dass Lenze auch eigene EAs entwickelt. Sie haben das Produkt schon angesprochen. Was verbirgt sich hinter dem L-force Engineer? Der L-force Engineer ist die zentrale Engineeringplattform für die Steuerungstechnik, die Visualisierung und die Antriebstechnik. Er unterstützt den Konstrukteur beim Aufbau modularer Maschinenkonzepte. Wiederverwendbarkeit steht hier im Vordergrund. Es muss uns klar sein, dass heute ein Großteil der Kosten im Maschinenbau bei den Engineeringkosten liegt und gerade deshalb Werkzeuge benötigt werden, die durchgängig von der Planung bis zum Service eingesetzt werden können und konsequent auf wieder verwendbare geprüfte Softwaremodule setzen. Auf eine Programmierung kann hierbei oft verzichtet werden. Ziel des L-force Engineer ist es generell, den Umgang mit komplexen Antriebs- und Automatisierungslösungen zu vereinfachen und die Planungs- und Inbetriebnahmezeiten dadurch deutlich zu reduzieren. Was ist in den kommenden Jahren an Entwicklungen in der Antriebstechnik noch zu erwarten? Zwei Dinge hatten wir ja bereits angesprochen, das waren Antriebsregler mit integrierter Sicherheitstechnik und Ethernet-Kommunikation. Wobei der eigentliche Trend der mit Ethernet verbunden ist, die weitere Zunahme der vernetzten Antriebe ist. Hierbei ist der Markttreiber nicht nur der verbesserte Austausch von Prozessdaten sondern auch die Möglichkeit, vollkommen neue Service- und Diagnosekonzepte zu realisieren. Wir selbst richten alle unsere Neuentwicklungen neben dem notwendigen Funktionsumfang konsequent auf Einfachheit in der Anwendung aus. Und dies nicht nur im Betrieb sondern beginnend von der Planung bis zu dem manchmal nicht zu vermeidenden Servicefall. Was wird Lenze auf der SPS/IPC/Drives vorstellen? Lenze erweitert seinen Messestand um 50%, um das erweiterte Produktprogramm bei den PC-basierten Steuerungen und Visualisierungssystemen zu präsentieren. Im Bereich der Antriebstechnik liegt unser Fokus auf der kontinuierlichen Erweiterung unserer Servobaureihe 9400, einer der ersten Baureihen unseres L-force Systems. Hier zeigen wir Erweiterungen in Hard- und Software. Neben unseren Produkten präsentieren wir ausgewählte Anwendungsbeispiele, um z.B. auch über mechatronische Lösungen anhand realer Exponate mit unseren Gästen sprechen zu können. Das Interview führte Kai Binder im Oktober 2006.
Sicherheit im Antrieb kommt deutlich schneller voran Das SPS-MAGAZIN im Gespräch mit Pekka Paasivaara von Lenze
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