Die Suche nach Mitarbeitern mit der richtigen Einstellung ist eine permanente Aufgabe des Unternehmers. Jim Collins schreibt in seinem Buch \’Der Weg zu den Besten\‘ sogar, dass die besten Führungspersönlichkeiten die wirklich guten Mitarbeiter einstellen, bevor sie sie brauchen – wirklich gute Mitarbeiter finden immer einen Weg, sich bezahlt zu machen. Diese hoch motivierten Mitarbeiter findet man überall – an den Messeständen des Wettbewerbs, bei Weiterbildungen (vorausgesetzt, die Teilnehmer sind dort freiwillig und nicht durch Arbeitsamt oder Arbeitgeber zwangsrekrutiert), bei Netzwerktreffen usw. Das Geheimnis ist: Mindestens ein Jahr, bevor man wirklich jemanden braucht, Visitenkarten von allen tollen Leuten, mit denen man gerne irgendwann einmal zusammenarbeiten würde, sammeln. Dann hat man, wenn man wirklich Mitarbeiter benötigt, einen Pool und muss nicht im Bodensatz der Jobmärkte suchen. Das gilt auch für Gründungsteams in der Start-up-Phase. Wobei die Gründung im Team gar nicht unbedingt zu empfehlen ist. Meine eigene Erfahrung aus 15 Jahren Unternehmertum ist: Die ersten zwei bis drei Jahre läuft es im Team besser als alleine. Aber dann gibt es fast immer Streit – meist deshalb, weil sich einer der Partner als Ente entpuppt oder schlicht zufrieden mit dem Erreichten ist. In Unternehmerseminaren erzählt regelmäßig die Hälfte der Teilnehmer von ihrem jahrelangen Kleinkrieg mit ehemaligen Geschäftspartnern. Auswahlkriterium: Leuchtende Augen Wenn man einen Pool an möglichen Kandidaten gesammelt hat, sollte man im nächsten Schritt ein strukturiertes, mehrstufiges, schriftlich fixiertes Auswahlverfahren schaffen. Das kann Tests (zum Beispiel die verbreiteten, aber auch etwas angestaubten DISG- oder HDI-Tests), Probearbeit, Einstellungsgespräche und Beurteilungen durch die zukünftigen Kollegen umfassen. Wichtig ist, sich im Vorfeld über die eigenen Kriterien im Klaren zu sein und die Kandidaten bei der Probearbeit unter Strom zu setzen, wenigstens ein klein wenig mehr als in der eigenen Firma allgemein üblich ist: Bei Schönwetter kann jeder segeln! Der Unternehmensberater, Gründer und Autor Klaus Kobjoll achtet im persönlichen Gespräch vor allem darauf, ob die Augen leuchten, wenn potenzielle Mitarbeiter über die zukünftige Aufgabe sprechen. Eine schöne Übersicht zu den Unterschieden zwischen Adlern und Enten bietet auch Bodo Schäfer in seinem Buch \“Gesetze der Gewinner\“. Darin geht es um diejenigen, die eine Aufgabe wollen, und diejenigen, die nur einen Platz zum Ausruhen oder Jammern suchen. Deshalb sollten Unternehmer in die Probearbeit Tests einbauen, auf die Adler und Enten unterschiedlich reagieren. Anziehungskraft für Adler: Herausforderung und Eigenverantwortung Adler suchen im Gegensatz zu Enten eine Aufgabe – also sollte man sie ihnen auch geben! Mit anderen Worten: Nur wenn man eine Aufgabe anzubieten hat, die herausfordernd und sinnvoll ist, zieht man die richtigen Leute an. Ansonsten kommen die Enten. Wer aktuell mit einem Ententeich zusammenarbeitet, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Dies entspricht der Geschichte mit den Steinmetzen: Ein Passant fragt die Steinmetze, was sie tun. -Der erste Steinmetz räumt mürrisch Steine zusammen und sagt: \“Ich verdiene meinen Lebensunterhalt\“. -Der zweite Steinmetz klopft mit wichtiger Miene auf seinen Stein: \“Ich liefere die beste Steinmetzarbeit weit und breit.\“ -Der dritte Steinmetz schaut den Fragenden mit glänzenden Augen an und sagt: \“Ich baue eine Kathedrale\“. -Nicht in dieser Geschichte ist der vierte Steinmetz. Der schaut den Fragenden ebenfalls mit glänzenden Augen an und sagt: \“Wir bauen eine Kathedrale für die Gemeinde\“. Und alle nicken.
(Teil 2) Mitarbeitersuche: Von der Kunst, Adler statt Enten einzustellen
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