
Herr Pütz, bei Ihrem Auftritt auf der SPS IPC Drives 2016 haben Sie erstmals ein neues Transportsystem gezeigt, das in Zusammenarbeit mit APT GmbH entstanden ist. Was war die Initialzündung dafür, dass Mitsubishi Electric sich so konkret im Segment der Intralogistik engagiert?
Hartmut Pütz: Das ist schnell erklärt: Einige unserer Kunden sind sehr interessiert an einem intelligenten Transportsystem, wie wir es in Nürnberg vorgestellt haben. Bisher auf dem Markt verfügbare Lösungen sind jedoch eher eine Art Blackbox. Sie laufen für sich alleine bestimmt wunderbar, lassen sich aber weniger leicht in bereits bestehende Strukturen integrieren. Um diese Situation zu ändern, haben wir uns an den e-F@ctory-Alliance-Partner ATP GmbH gewandt, mit dem wir im Bereich Robotik und Handling schon einige Jahre zusammenarbeiten.
Und bei Ihnen, Herr Stahnke, ist die Idee gleich auf fruchtbaren Boden gefallen?
Malte Stahnke: So ist es. Das Ziel eines modularen und sehr flexiblen Transportsystems klang sehr gut. Schon in der ersten Diskussion war klar: Wir wollen auf keinen Fall in die Nähe dessen, was es schon auf dem Markt gibt. Im Ergebnis ist das Smart-Carriage-System letztendlich sogar eine Umkehrung davon. Unser erster technischer Proof of Concept hat einen guten Eindruck davon vermittelt, worum es geht und was das System leisten soll. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
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Durch welche Eigenschaften hebt sich das System denn von marktüblichen Lösungen ab?
Stahnke: Die Intelligenz der Transporteinheiten war von Beginn an ein zentraler Punkt. Denn bestehende Systeme mögen vielleicht zuverlässig und schnell sein, wirklich smart sind sie aber nicht. Auch die Möglichkeit, elektrische Energie auf den Laufwagen zur Verfügung zu stellen, ist außergewöhnlich.
Pütz: Neben der dezentralen Intelligenz in den Laufwagen liegen die zwei wichtigsten Designkriterien auf Offenheit und Skalierbarkeit: Unser neues System wird ausschließlich aus Standardkomponenten und -technologien aufgebaut. Die Antriebe und Steuerungen sind offen, wodurch sich andere Systeme problemlos anbinden lassen. Allein dass wir für das Smart-Carriage-System rund 20 Patente angemeldet haben, unterstreicht, wie ernst wir das Thema Alleinstellungsmerkmale nehmen. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
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Wie sind die Aufgaben in der Partnerschaft verteilt? Wer steuert was bei?
Pütz: Auch wenn das System später unter der Flagge von Mitsubishi Electric vertrieben wird, ist es tatsächlich eine gemeinsame Entwicklung. Alleine wären wir auch gar nicht in der Lage, ein solch komplexes System in solch kurzer Zeit marktreif zu machen. Darum wird der wesentliche Engineering-Aufwand von APT betrieben. Es gibt aber Backup von der Mitsubishi-Electric-Seite, sogar soweit, dass auch die Ingenieure im Entwicklungszentrum im japanischen Nagoya involviert sind.



















