Wenn Heidi Klum nach Deutschlands \’Next Topmodel\‘ Ausschau hält, geben junge Mädchen alles: Sie hungern sich halb zu Tode, färben ihr Haar, frieren sich bei winterlichen Temperaturen in einem Bikini ab und stecken bissige Kommentare der Jury ein. Wofür? Dafür, dass von ursprünglich (angeblich) 18.000 Bewerberinnen letztendlich 50 über den Laufsteg staksen dürfen. Wenn aber die Wirtschaft nach Technikerinnen verlangt und diesen wirklich gute Karrieremöglichkeiten mit einer fairen Entlohnung bietet, sieht es in punkto Bewerbungen düster aus. Laut Ex-Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat entscheiden sich die meisten Mädchen nach wie vor für die typischen Frauenberufe wie Verkäuferin, Friseurin oder Restaurantkauffrau sprich Köchin oder Kellnerin. Warum? Gute Frage. Eine mögliche Antwort darauf liefert Gloria Steinem, eine amerikanische Feministin. Sie meinte einst: \’Die Biologie spricht den Frauen das rationale Denken ab, um sie aus Männerberufen fernzuhalten.\‘ Das funktioniert aber auf Dauer nicht, die Statistik hat etwas dagegen. Mittlerweile absolvieren nämlich mehr Mädchen höhere Schulen sowie ein nachfolgendes Studium als Burschen. Das heißt hier bildet sich im wahrsten Sinne des Wortes eine wertvolle Ressource heran, auf die die Wirtschaft in Zeiten eines teilweise bereits bestehenden und laut Prognosen sogar noch viel schlimmer werdenden Fachkräftemangels nicht mehr verzichten kann. Lange Zeit wurde das weibliche Geschlecht von den Firmenchefs mitunter vielleicht ganz gern angesehen, aber mit ziemlicher Sicherheit nicht in verantwortungsvolle Positionen erhoben. Zu groß war die Angst vor einer plötzlichen Schwangerschaft. Jetzt wo in manchen Sparten tatsächlich Not am Mann herrscht, werden dringend Frauen gesucht. So auch in der Technik. In einer Welt, in der Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts trotz aller Emanzipation nach wie vor eine Minderheit bilden. Fragt sich jetzt bloß wie lange es dauert bis das plötzliche Werben um Frauen in angestammten Männer-Berufen Früchte trägt und ob dieses auch langfristig anhält. Denn eines steht fest: Frauen können manche Dinge sogar besser. Das sollte den vorwiegend männlichen Chefs in der Zwischenzeit auch bewusst sein. (Sandra Winter)
Technik sucht Frauen
\’Ohne Frauen geht es nicht. Das hat sogar Gott einsehen müssen.\‘
Elenora Duse (1858 – 1924), italienische Schauspielerin
Sandra Winter – Edelfeder
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