Mit der zunehmenden Dezentralisierung in der Automation steigt der Kommunikationsbedarf zwischen den Geräten, die sich sowohl in der geschützten Umgebung des Schaltschranks als auch – immer häufiger – im rauen Feld befinden. Bei der Entscheidung für ein industrielles Kommunikationssystem steht Industrial Ethernet heute im Fokus. Bei der Anlagenplanung sollte bereits frühzeitig eine Grundsatzentscheidung über das Medium der Datenübertragung getroffen werden. Neben dem neuen Medium Funk konzentriert sich die Auswahl auf die elektrische und optische Kommunikation (Tabelle 1). Für die Wirtschaftlichkeit der Gesamtlösung im Industriebereich spielen weitere Faktoren eine Rolle: Das System muss sich einfach installieren, in Betrieb nehmen, warten und im Fehlerfall reparieren lassen. Ein permanentes Monitoring kann zudem die Verfügbarkeit der Automatisierungslösung erheblich erhöhen. Aus diesen Gründen hat sich in vielen Bereichen die optische Datenübertragung durchgesetzt. Neben den anwendungsneutralen generischen Netzwerken im Unternehmen nach IEC11801/ 24702 gibt es auch anwendungsspezifische Netzwerke, und zwar innerhalb der Automation Islands gemäß IEC 61918. Die generische Verkabelung besteht aus einem topologisch starren und für die Gebäudeverkabelung optimierten System aus fest verlegten Leitungen und Patch-Kabeln. Ein einfaches Planungsmodell sowie vorkonfektionierte Leitungen sind die Folge. Schwachpunkte im industriellen Umfeld sind hingegen die fehlende Flexibilität und Anpassung an die spezifischen Anforderungen – etwa an Teilstrecken mit Schleppkettenleitungen – sowie der Verzicht auf aktive Komponenten. Daher eignet sich diese Verkabelungsart lediglich für eine anwendungsneutrale Infrastruktur in der Fertigung, jedoch nicht für die Kommunikation innerhalb von Maschinen und Anlagen. Im Gegensatz zum Büroumfeld mit seiner Glasfaser-Dominanz werden im Industrieumfeld je nach Streckenlänge verschiedene Fasertypen eingesetzt (Tabelle 2), deren deutlichster Unterschied der Durchmesser des lichtführenden Faserkerns ist. Dieser beträgt bei Singlemode-Glasfasern 9µm, bei Multimode-Glasfasern 50µm, bei PCF 230µm und bei POF 980µm. Dadurch werden die Auswahl des Steckverbinders, der Präzisionsanspruch sowie der Installationsaufwand entscheidend beeinflusst. Generell gilt: je länger die Übertragungsstrecke, desto geringer der Durchmesser des Faserkerns und desto größer der Installationsaufwand. Des Weiteren muss – insbesondere bei POF und PCF – das Bandbreitenverhalten der Fasern betrachtet werden. Der eingekoppelte Lichtstrahl besteht, wenn man von Singlemode-Systemen einmal absieht, aus vielen einzelnen Wellen, den sogenannten Moden. Die Strahlführung der Moden erfolgt über die Strecke nicht völlig parallel. Je länger die Übertragungsstrecke, desto mehr kommt es zur Verbreiterung des Signals, ähnlich eines Tiefpasses. Bei den höheren Frequenzen des Ethernets wird dadurch die Übertragungslänge geringer als bei Feldbussen. Auf der Geräteseite wandeln Transceiver die elektrischen Signale in optische Signale um. Je nach Fasertyp kommen verschiedene Wellenlängen in Betracht (Tabelle 2), sodass die verwendeten Geräte und Fasertypen zueinander passen müssen. Die Systeme sind außerdem von der jeweiligen Feldbusorganisation so gestaltet, dass die Ausgangsleistung der Sendediode, die zulässige Faserdämpfung sowie die Empfindlichkeit der Empfangsdiode aufeinander abgestimmt sind. Der Anwender muss lediglich einfache Regeln beachten. Vorteilhaft ist es außerdem, wenn der Transceiver bereits Diagnoseinformationen zur Verfügung stellt, die den Geräten und Steuerungen Maßnahmen zur zustandsbasierten Wartung erlauben. Bei Profinet werden zwei Diagnosestufen unterschieden: Die Stufe \’Maintenance Required\‘ gibt an, dass die optische Leistungsreserve einen Wert von kleiner als 3dB erreicht hat – ein Indiz für eine sich langsam verschlechternde Verbindung. Die Lichtleistung reicht noch für eine fehlerfreie Datenübertragung, jedoch sollte bei nächster Gelegenheit die Installation überprüft werden. Ist die Systemreserve verbraucht, wird ein \’Maintenance Demanded\‘-Alarm verschickt. Dadurch wird signalisiert, dass ein weiteres Absinken der Lichtleistung zu einer Erhöhung der Bitfehlerrate führen kann. Eine sofortige Überprüfung der Übertragungsstrecke ist ratsam. Da die industrielle Kommunikation oft unter rauen Einsatzbedingungen erfolgt, muss der Anwender neben den übertragungstechnischen Eigenschaften also zusätzlich die Umgebungsbedingungen bei der Komponentenauswahl beachten. Eine systematische Beschreibung der Umweltbedingungen erfolgt mit dem Mice-Modell nach IEC TR 29106. Es berücksichtigt die Belastungen Mechanik, Fremdstoffe, Klima und EMV sowie die Schärfegrade 1, 2 und 3 für Büro, leichter und schwerer Industriebereich. Feldbusorganisationen haben oft ihre eigenen Definitionen – etwa für inner- und außerhalb des Schaltschranks. Schock, Vibration und Temperatur-Unterschiede können in optischen Steckverbindern eine axiale oder radiale Verschiebung der Ferullen zur optischen Achse verursachen, sodass die Übertragung des Lichtstrahles am Übergang der optischen Medien gestört ist. Hierdurch wird eine unzulässige Dämpfungserhöhung an der Steckverbindung verursacht (Bild 2), wodurch die übertragene Lichtleistung sinkt und die Datenübertragung unterbrochen wird. Steckverbinder aus dem Büroumfeld eignen sich daher oft nicht für die spezifischen Anforderungen der Industrie. Der robuste SCRJ-Steckverbinder hingegen hat sich auch in der Industrie etabliert und ist für mehrere Systeme des Industrial Ethernet spezifiziert. Seine kompakte Bauweise als SFF-Steckverbinder (Small Form Factor) ermöglicht die leichte Integration in Geräte. Die federnd gelagerten Ferrulen mit einem Durchmesser von 2,5mm gleichen Toleranzen aus und können die Faser bequem aufnehmen. Daraus resultiert ein robuster optischer Steckverbinder, der alle Fasertypen unterstützt. Auch hier ist die Möglichkeit einer schnellen und komfortablen Konfektionierung im Feld oft von großem Vorteil. Phoenix Contact bietet für jeden Fasertyp eine entsprechende Schnellanschlusstechnik. So ist etwa bei der POF-Faser lediglich das Schneiden der Faser sowie die Fixierung in einer Schnellspannhülse erforderlich. Vorteilhaft bei Inbetriebnahme und Diagnose ist außerdem die Kompatibilität des genormten SCRJ-Steckverbinders zum weit verbreiteten SC. Für den Bereich der Schutzart IP67 ist das Push-Pull-Steckverbindersystem für die Übertragung optischer und elektrischer Signale die beste Lösung. Dabei wird – wie im IP20-Bereich – als elektrische Schnittstelle der RJ45 und als optische Schnittstelle der SCRJ eingesetzt. Dieses Konzept ist damit kompatibel zur IP20-Lösung, und es ermöglicht ein durchgängiges System von Gerätegehäusen bis hin zum Leiterplatten-Design. Fazit Ob Schaltschrank oder Gerät, Schweißbereich oder Chemieanlage – industrielle Kommunikationssysteme mit Lichtwellenleitern lassen sich in der Automatisierungstechnik sinnvoll einsetzen. Mit durchdachten Systemlösungen von der Diagnose bis zur Installation lassen sich flexible und zuverlässige Strukturen im Maschinen- und Anlagenbau leicht realisieren. Kasten 1: LWL-Syteme nutzen unterschiedliche Fasertypen Leitungen für die LWL-Datenübertragung per Lichtwellenleiter erfüllen in unterschiedlichen Ausprägungen optimal die Bedürfnisse der Industrie. Die Leitungen basieren auf wenigen Faser-Grundtypen, die umfassend in der IEC60793-2 genormt sind (Bild 3). Glasfasern werden danach unterschieden, ob sie lediglich eine Mode (Singlemode, GOF-SM) oder viele Moden (Multimode, GOF-MM) leiten. Fasern aus Kunststoff sind grundsätzlich vom Typ Multimode und werden als Polymer-Optical-Fibre (POF) bezeichnet. Sie existieren in verschiedenen Durchmessern, wobei die Ausführung 980µm die gängigste ist. Eine Mischform ist die kunststoffumhüllte Glasfaser – die Polymer-Cladded-Fibre (PCF). Alle Fasern besitzen aufgrund ihres mechanischen und optischen Aufbaus spezifische Vor- und Nachteile, weswegen meist all diese Fasertypern in den Systemen des Industrial Ethernets definiert sind. Im Maschinen- und Anlagenbau mit seinen oft kurzen Leitungslängen ist die POF-Faser meist die beste Wahl. Sie ist preisgünstig, robust und zudem einfach zu installieren. SPS/IPC/Drives: Halle 6, Stand 437
Lichtwellenleiter im Industrial Ethernet
-
Endress+Hauser eröffnet zwei neue Gebäude in den USA
Endress+Hauser hat zwei neue Vertriebsgebäude in den USA eröffnet.
-
Neue Doppelspitze am Fraunhofer FKIE
Prof. Christoph Igel ist mit Wirkung zum 15. August zum Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE berufen worden.
-
Maschinenbau Ost mit kräftigem Auftragsplus im zweiten Quartal
Nach einem schwachen Jahresauftakt hat der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau im zweiten Quartal deutlich mehr Aufträge verzeichnet, real 27% über dem Vorjahresniveau.
-
Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe +3,1%
Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni gegenüber Mai saison- und kalenderbereinigt um 3,1% gestiegen.
-
Intelligente Antriebslösungen für Pressen
Die leistungsstarke Servopressen-Systemlösung von Baumüller besteht aus einem DST2-High-Torque-Motor, einem B Maxx-Netzwechselrichter, einem B Maxx-Servoumrichter, Steuerungstechnik sowie einem umfangreichen Softwarepaket.
-
Erfolgreicher Pharma Tech Talk von Pepperl+Fuchs
Am 1. und 2. Juli brachte Pepperl+Fuchs in Mannheim Experten aus der Pharma-,…
-
Erfolgreiche Veranstaltung von Gemü, IHK & VDMA
Gemü setzte mit der IHK Heilbronn-Franken und dem VDMA bei einer gemeinsamen Veranstaltung…
-
Für Bahn-Anwendungen
Kabeldurchführungen aus TPE
Kabeldurchführungs-Systeme werden nach den strengen branchenspezifischen Normen geprüft und zertifiziert.
-
Bietet IE5-Wirkungsgrad
Induktionsmotor
WEG hat den W22 Prime auf den Markt gebracht, die nächste Generation seiner…
-
Mit 8-poligem M12-Anschluss
Not-Halt-Schalter
Georg Schlegel erweitert seine Baureihe Shortron Connect um drei neue Not-Halt-Geräte mit 8-poligen…
-
Schlüsselkomponente für IEC61800-5-2-konforme Antriebssysteme Sicherheitszertifizierte Drehgeber
Funktionale Sicherheit im Maschinenbau beginnt nicht im Antrieb, sondern am Sensor.
-
Für Rechenzentren, Edge-Umgebungen und Enterprise-IT
Gemanagte Rack-Stromverteilung
Panduit gibt den Produktlaunch der ES2P Power Distribution Unit bekannt, eine gemanagte Rack-PDU,…
-
Für 24V-Anwendungen
Unterbrechungsfreie Stromversorgung
Weidmüller erweitert das Portfolio um die unterbrechungsfreie Stromversorgung Duramax.
-
Steuerungstechnik
SPS ermöglicht dezentrale Echtzeitkommunikation über CAN UDS
Die Arcon-SPS ist eine IEC61131-kompatible Steuerung für räumlich verteilte Automatisierungssysteme.
-
Inlandsbestellungen ziehen kräftig an
Elektroindustrie mit Auftragsplus zur Jahresmitte
Im Juni verzeichnete die deutsche Elektroindustrie ein Plus von 13,3% gegenüber dem Vorjahr…
-
Auch Importe gestiegen
Exporte im Juni lagen bei +0,9%
Im Juni sind die deutschen Exporte gegenüber Mai kalender- und saisonbereinigt um 0,9%…
-
Neue Automation-Einheit bei Siemens
Rainer Brehm übernimmt Leitung
Siemens stärkt sein Automatisierungsgeschäft und bündelt dazu die bisher vier Geschäftsbereiche in einer…
-
Ifo-Umfrage
Unternehmen erwarten eher sinkende Löhne durch KI-Einsatz
Viele Unternehmen in Deutschland erwarten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz eher sinkende…
-
Zur Modernisierung von Werkzeugmaschinen
Bügelclips für Energieketten
Wollen Konstrukteure von Werkzeugmaschinen bei einer Modernisierung größere Schläuche einsetzen, erfordert das häufig…
-
Neuer Muttertyp sorgt für mehr Leistung
Bosch Rexroth erweitert die Performance Line seiner Kugelgewindetriebe um eine Lösung für vertikale…
-
Flexible Ethercat-Architektur
Der duale Ansatz von Dunkermotoren bei der Ethercat-Architektur ermöglicht es OEMs, die Antriebsarchitektur…
-
Physical-AI an der Edge
Das applikationsfertige Modul aReady.COM Conga-HPC/cRX1 mit AMD Ryzen AI Embedded X100 Series Prozessoren…
-
… den aktiven Verteilern und Passivverteilern von Bihl+Wiedemann?
Unter dem Titel ‚Sichere Sache‘ stellte Bihl+Wiedemann in der Titelstory der Ausgabe 7/2016…
-
Geschäftsführerwechsel bei Alphitan
Alphitan gibt im 25. Jubiläumsjahr der deutschen Tochtergesellschaft Antecs einen Wechsel bekannt: Geschäftsführer…
-
Neue Fachmesse: All About Electronic Solutions
Mit der All About Electronic Solutions startet Easyfairs eine neue Messereihe.
















