KI verlässt das Labor

 Als einen 'Leuchtturm für NRW' bezeichnet Ministerin Mona Neubaur das It's OWL Projekt Datenfabrik.NRW. Zusammen mit (von links): Dr. Arno Kühn (Leiter Strategie, FuE, erweiterte Geschäftsleitung It's OWL), Jan-Hendrik Mohr (CEO Claas) und Dr. Günter Schweitzer 
(COO Schmitz Cargobull) nahm sie an der 
Abschlussveranstaltung des Projekts teil.
Als einen ‚Leuchtturm für NRW‘ bezeichnet Ministerin Mona Neubaur das It’s OWL Projekt Datenfabrik.NRW. Zusammen mit (von links): Dr. Arno Kühn (Leiter Strategie, FuE, erweiterte Geschäftsleitung It’s OWL), Jan-Hendrik Mohr (CEO Claas) und Dr. Günter Schweitzer (COO Schmitz Cargobull) nahm sie an der Abschlussveranstaltung des Projekts teil.Bild: It’s OWL Clustermanagement GmbH

Der Spitzencluster It’s OWL setzte das Projekt gemeinsam mit Claas, Schmitz Cargobull, NTT Data Business Solutions, Duvenbeck, MotionMiners sowie den Fraunhofer-Instituten IEM, IML, IOSB-INA und IAIS um. Mit einem Gesamtvolumen von 14,5 Millionen Euro – davon 9,2 Millionen Euro Landesförderung – zählt die Datenfabrik.NRW zu den größten Initiativen für angewandte KI in Deutschland. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bezeichnet das Projekt als Leuchtturm für den Industriestandort: KI komme dort zum Einsatz, wo Wertschöpfung entstehe – in den Fabriken. Digitalisierung stärke den Mittelstand, erhöhe Wettbewerbsfähigkeit und mache Arbeit planbarer und sicherer.

 Jona Ostendorf, Industrial Engineer Schmitz Cargobull, präsentiert die im It's OWL Projekt Datenfabrik.NRW entwickelte digitale Fabrikplanung.
Jona Ostendorf, Industrial Engineer Schmitz Cargobull, präsentiert die im It’s OWL Projekt Datenfabrik.NRW entwickelte digitale Fabrikplanung.Bild: It’s OWL Clustermanagement GmbH

Industrie unter Druck: KI rückt in den Alltag

Auch die Industriepartner ziehen eine positive Bilanz. Für Schmitz Cargobull setzt das Projekt Maßstäbe in der datengetriebenen Produktionsplanung und -steuerung. Die entwickelten Lösungen dienen als Blaupause für weitere Smart-Factory-Initiativen im Unternehmen. Claas betont den konkreten Nutzen: KI-gestützte Prognosen ermöglichen vorausschauende Wartung, senken Ausfallzeiten und vernetzen Produktion und Logistik effizienter. Allein bei Claas wurden 30 Anwendungsfälle umgesetzt, die intern weiter skaliert werden. Für It’s OWL liegt der Kern des Projekts im Transfer: KI-Anwendungen funktionieren nicht nur in zwei Leuchtturmfabriken, sondern sind so strukturiert, dass sie von anderen Unternehmen übernommen werden können.

 Timo Westerbusch, Projektleiter Data-Driven-Manufacturing bei Claas, stellt das im Projekt entwickelte Werkerassistenzsystem vor.
Timo Westerbusch, Projektleiter Data-Driven-Manufacturing bei Claas, stellt das im Projekt entwickelte Werkerassistenzsystem vor.Bild: It’s OWL Clustermanagement GmbH

Cargobull denkt Produktionsplanung neu

Im westfälischen Vreden wird sichtbar, wie konsequent digitale Technologien und KI die industrielle Praxis verändern. Schmitz Cargobull investiert dort über 50 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten für Kühlauflieger und Kofferfahrzeuge – begleitet von einem umfassenden digitalen Innovationsschub. Im Rahmen der Datenfabrik.NRW hat das Unternehmen seine Fabrikplanung grundlegend neu aufgesetzt. Virtuelle Planung, KI-gestützte Analysen und intelligente Arbeitsplatzgestaltung greifen dabei ineinander. Kern ist ein digitales Fabrikmodell als ‚Single Source of Truth‘, das eine durchgängige Planung über verschiedene Tools hinweg ermöglicht. Ergänzend werden 3D-Punktewolken aus Scans KI-gestützt verarbeitet und direkt in bestehende Systeme integriert.

Auch die Arbeitsplatzgestaltung wurde digitalisiert: Statt physischer Cardboard-Workshops erfolgen Layout-Validierungen virtuell – schneller, kollaborativer und mit geringerer Fehlerquote. Intuitive Planungstools und Motion-Mining-Technologien zur Analyse von Bewegungsdaten helfen zusätzlich, bestehende Arbeitsplätze systematisch zu optimieren. „Die Ergebnisse zeigen, wie digitale Technologien industrielle Wertschöpfung praxisnah und skalierbar transformieren“, sagt Lukas Ptock, Projektleiter der Datenfabrik.NRW bei Schmitz Cargobull.

Claas setzt auf digitale Assistenz in der Montage

Die Mähdrescherproduktion bei Claas in Harsewinkel ist durch hohe Varianz bei geringen Stückzahlen geprägt. Mitarbeiter mussten komplexe Varianten bislang auf Papierlisten nachvollziehen, technische Änderungen wurden manuell eingepflegt – zeitaufwendig und fehleranfällig, insbesondere für neue Kollegen. Im Projekt Datenfabrik.NRW entstand daher ein skalierbares Werkerassistenzsystem. Zunächst digitalisierte es die Auftragsreihenfolge, inzwischen stellt es automatisch zusätzliche Informationen wie Produktaudit-Daten, 3D-Modelle, technische Änderungen und Montagehinweise bereit.

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