Kurz vor der Hannover-Messe stellte Sigmatek der Presseöffentlichkeit ein neues echtzeitfähiges industrielles Kommunikationssystem auf Ethernetbasis vor: Varan. Varan steht für Versatile Automation Random Access Network. Am Anfang der Varan- Entwicklung standen Fragen, unter anderem: \“Welchen Kundennutzen bieten die derzeit propagierten Echtzeit-Ethernet-Lösungen wirklich?\“, \“Sind diese Lösungen schon verfügbar?\“, \“Ist die Implementierung ohne Erhöhung der derzeitigen Kostenstruktur möglich?\“, \“Wie ist das Systemverhalten im harten Industrieumfeld?\“ und schließlich \“Ist irgendeines dieser Systeme für jedermann offen?\“ Daraus wurden die Anforderungen an das neue System Varan abgeleitet. Harte Echtzeit Die Anforderungen der harten Echtzeitsteuerung wurden mit denen der Automatisierung kombiniert und mit Ethernet-Technologie umgesetzt. Dementsprechend ist auch der TCP/IP-Querverkehr im Varan-System integriert. Damit diese Technologie auch wirklich von allen eingesetzt werden kann, wird sie vollkommen offengelegt. Die Teilnehmer-Anschaltung ist in einem FPGA realisiert. Sie vereinigt alle Bus-Funktionen in einem Chip, wodurch die Integration in Peripheriegeräte ohne Softwareaufwand möglich wird. Dadurch kann in kurzer Zeit ein breiter Markt für busfähige Aktoren/Sensoren entstehen. Da der Bus-Manager zahlreiche Funktionen in einem Chip integriert, ist der Betrieb mit wenig Softwareeinsatz und CPU-Ressourcen möglich. Dadurch werden auch die Entwicklungsaufwendungen für Steuerungshersteller reduziert. Maximal ein Jahr haben sich die Verantwortlichen als Zeitrahmen von der ersten Vision bis zur spürbaren Marktdurchdringung gesetzt. Funktionsprinzip Das Grundprinzip von Varan ist einfach: Das Netzwerk erscheint als großer Speicher, in dem jede Adresse vom Master in beliebiger Reihenfolge schreibend und lesend angesprochen werden kann. Die Datenlänge eines Zugriffs ist auf max. 128Byte begrenzt. Alle Nachrichten werden vom betreffenden Empfänger rückbestätigt. Die kurzen Übertragungszeiten des Verfahrens ermöglichen die sofortige Wiederholung zerstörter Daten innerhalb desselben Bustakts. Am Ende eines Buszyklus sind daher alle Daten gültig. Varan ist hart echtzeitfähig. Ein 16Bit-Messwert – respektive 16 E/As – benötigt weniger als 2µs. Auf Adressschalter kann verzichtet werden, wodurch schwer zu lokalisierende Fehlerquellen vermieden werden können. Das Bussystem ist in der Lage, mehr als 30.000 Teilnehmer zu verwalten. Das Netzwerk kann in jeder beliebigen Mischung von Stern-, Baum- und Linientopologie aufgebaut werden. Alle Busteilnehmer werden vom Bus-Manager synchronisiert. Zusätzlich können alle Teilnehmer zueinander hart synchronisiert werden. Ethernet-Querverkehr wird in den freien Zeitschlitzen vom Bus-Manager abgewickelt. Der Bus-Manager Der Bus-Manager übernimmt die gesamte Koordination des Datenverkehrs. Das Interface zur CPU ist als RAM ausgeführt, in dem Datenobjekte zur Kommunikation mit den Clients angelegt werden. Jedes Datenobjekt besteht aus einem Descriptorfeld und einem Datenfeld. Der Bus-Manager verfügt über mehrerer, nach Prioritäten gestufte Bereiche zur Aufnahme solcher Objekte. Die oberste Priorität haben die Realtime (RT)-Objekte. Der Bus-Manager sendet am Beginn jedes Buszyklus zuerst einen SYNC Befehl und arbeitet anschließend die Liste der RT- Objekte ab. Eine Möglichkeit, die Abarbeitung der RT-Objekte zu unterbrechen, ist der asynchrone Direktzugriff. Das Aktivieren eines dafür vorgesehenen Objekts erlaubt den Zugriff auf Clients mit einer Latenzzeit von weniger als 11µs. Nach Abarbeitung der RT-Objekte werden die Objekte in der Liste für zyklische, jedoch nicht zeitkritische Datenübertragungen bearbeitet. In einem reservierten Restzeitfenster werden Aktivitäten wie das Abscannen auf neue Teilnehmer oder empfangene Querverkehrspakete aus der externen Ethernetwelt abgewickelt. Technik Die Realisierung von Varan erfolgt in FPGAs. Das bedeutet, die Verwendung gängiger Bauteile (Altera, Xilinx) konkurrierender Wettbewerber und nicht zuletzt Offenheit sowie Zukunftssicherheit. Für die Realisierung sind keine Asics erforderlich. Asic-Hersteller können Varan jedoch umsetzen. Das Protokoll ist komplett in Hardware realisiert. Der damit erreichbare günstige Preis, zusammen mit der einfachen Implementierbarkeit erschließt das breite Einsatzfeld der Aktoren und Sensoren. Der Physical Layer ist kompatibel zur IEEE802.3. Das heißt, es werden CAT5-Leitungen verwendet, die physikalische Übertragung erfolgt mit 125MBit mittels 4B/5B-Kodierung, womit sich ein Datenstrom von 100MBit ergibt. Die Übertragungstechnik 100BaseTX aus der Ethernetwelt bietet neben dem Vorteil der weltweiten Verbreitung zusätzlich die galvanische Trennung der Busteilnehmer. Die Leitungseinkoppelung erfolgt über Transformatoren (galvanische Trennung). Es werden Standard-Ethernet-PHYs und Transformatoren verwendet. Elektronisches Typenschild Jeder Busteilnehmer muss ein standardisiertes Typenschild enthalten. Das Typenschild dient dazu, einen Teilnehmer eindeutig identifizieren zu können. Hier werden Inhalte wie Bus-Version, Vendor ID, Device ID usw. verwaltet. Ausblick Das komplett offengelegte Verfahren kann, darf und soll von jedermann eingesetzt werden. Schon seit Ende März 2006 sind nicht nur FPGAs, sondern komplette Client-Submodule zur einfachen Integration in Aktoren und Sensoren lieferbar. Andere Firmen haben den von Sigmatek gelieferten VHDL-Code bereits in eigene Designs integriert. Derzeit arbeiten bereits mehrere Firmen an der Implementierung von Varan in Serienmaschinen. Kasten 1: Roadmap Januar 2006: Präsentation der Idee anlässlich einer VDMA-Veranstaltung Februar 2006: Aufgrund des starken Interesses des Maschinenbaus Entschluss zur Offenlegung März 2006: Erste Produkte fertig April 2006: Auf der HMI werden auf drei Messeständen die ersten Produkte ausgestellt November 2006: Bis zur SPS/IPC/Drives 2006 sollen die ersten Maschinen ausgeliefert sein Noch in diesem Jahr wird die Gründung einer unabhängigen Nutzer-Organisation erfolgen. Oktober 2007: Varan im Einsatz in der Kunststofftechnik auf der K 2007 in Düsseldorf Kasten 2: Die wichtigsten Vorteile im Überblick -Einfach, weil Protokoll komplett in #Hardware# gelöst wurde -Preiswert, dadurch auch in Aktoren/Sensoren einsetzbar -Sicher, weil alle wichtigen Nachrichten bestätigt und im Fehlerfall sofort wiederholt werden -Galvanisch getrennt durch die Übertrager-Technik des 100BaseTX -Schnell: < 2 µs für einen 16Bit-Messwert oder 16 E/A -Hart echtzeitfähig Jitter <100 Nano-Sekunden -Sehr großer Adressraum >30.000 Teilnehmer gleichzeitig in einem Netzwerk möglich -Benötigt keine Adressschalter, da die Adressen über den Bus zugewiesen werden -Erprobte Physik: 100BaseTX -Preiswerte Standard-Leitungen CAT5 -Lässt sich mit den gängigen Bauteilen von Altera und Xilinx realisieren -Keine Asics erforderlich, jedoch von Asic-Herstellern umsetzbar -Die Technologie darf von jedem eingesetzt werden -Das Verfahren wird komplett offengelegt -Standard-Ethernet-Telegramme können über das gleiche Netzwerk laufen -Bereits verfügbar
Varan – neue Ethernet-Variante Sigmatek hat eine eigene Industrial-Ethernet-Ausführung entwickelt
-
Bewegungsführung in der Verpackungsindustrie
Hochpräzise gestanzt
Jeder kennt sie, jeder nutzt sie: alltägliche Produkte wie Joghurtbecher, Dosen oder Getränkeflaschen. Doch ohne Etiketten und Deckel wüsste niemand, was sich in den Behältern eigentlich befindet. Und…
-
Manufacturing-X – ein Datenökosystem für die produzierende Industrie
Kollaboratives Engineering im Datenraum
Mit verschiedenen Teams und Unternehmen gleichzeitig an einem Engineering-Projekt zu arbeiten, verspricht viele Vorteile. Geringere Fehlerquoten, eine schnellere Entwicklungszeit und die höhere Effizienz sollten jedoch nicht auf Kosten…
-
Passgenaue Verbindungslösungen für die Wellpappenanlagen
Auf einer Wellenlänge
Bei der Fertigung komplexer Produktionsanlagen für Wellpappe setzt BHS Corrugated auf ein hohes Maß an Automatisierung und Modularität. Ein wesentlicher Bestandteil: zuverlässige Verbindungslösungen für Antriebs-, Steuerungs- und Schaltschranksysteme.…
-
Time-to-Market in der Automatisierung
Wie industrielle Kommunikation Entwicklungszeiten und Kosten beeinflusst
Kürzere Innovationszyklen, steigende Komplexität und Fachkräftemangel setzen Automatisierer unter Druck. Wer industrielle Kommunikation effizient integriert, gewinnt Zeit – und damit Wettbewerbsvorteile. Moderne Embedded-Plattformen helfen, Entwicklungsaufwände zu reduzieren, Risiken…
-
SPE und Ethernet-APL
Der letzte Meter wird digital –Standardisierung ebnet den Weg zur vernetzten Industrie
Single Pair Ethernet (SPE) und Ethernet Advanced Physical Layer (Ethernet-APL) bringen Ethernet-Kommunikation bis auf die unterste Automatisierungsebene. Dafür sind mittlerweile die Voraussetzungen in voller Weise erfüllt, durch die…
-
Was wurde eigentlich aus …
… den kapazitiven Füllstandsensoren von IFM?
‚Ohne Bedienungsanleitung‘ lautete das Versprechen für die kapazitiven Füllstandsensoren von IFM, die den…
-
Security by Design schützt vernetzte Automatisierungssysteme bereits in der Entwicklungsphase
Cybersicherheit beginnt im Maschinendesign
Industrieanlagen sind heute hochvernetzte Systeme – und damit potenzielle Ziele für Cyberangriffe. Klassische…
-
Wie offene Servosysteme Maschinenbau-Prozesse vereinfachen
Das richtige Maß entscheidet
Angesichts der zunehmenden Komplexität von Automatisierungssystemen überdenken viele Maschinenbauer die Gestaltung und Integration…
-
Intelligentes Monitoring identifiziert Instabilitäten
Qualitätssicherung – im Stromnetz
Spannungseinbrüche, Frequenzschwankungen und Oberschwingungen – häufig verursacht durch leistungselektronische Verbraucher – beeinträchtigen die…
-
Neue Sensorik-Gerätegeneration: Praxisbericht aus der Milchverarbeitung
Wie eine Molkerei Messaufgaben effizienter löst
Beengte Einbausituationen, Schaumbildung und strenge Hygienevorgaben stellen die Messtechnik in Molkereien vor besondere…
-
Igus steigert Umsatz um 4,4%
Igus konnte seinen Umsatz für das Jahr 2025 auf 1,155Mio.€ zu steigern –…
-
Igus steigert Umsatz um 4,4%
Igus konnte seinen Umsatz für das Jahr 2025 auf 1,155Mio.€ zu steigern –…
-
Mitsubishi Electric: neuer Präsident der deutschen Niederlassung
Mitsubishi Electric Europe gibt einen Wechsel in der Unternehmensführung bekannt: Mario Poltronieri übernahm…
-
Interoperabilität, Software-Engineering und KI prägen die Industrie 2026
Automatisierung wird neu programmiert
Das Jahr 2026 ist vier Monate alt – ein guter Zeitpunkt, um den…
-
Neuer Geschäftsführer bei Softing
Die Softing Industrial Automation stellt ihre Geschäftsführung neu auf: Wie das Unternehmen bekannt…
-
Ikeda wird Geschäftsführer bei Panasonic
Panasonic gab bekannt, dass Kentaro Ikeda (Bild) ab dem 1. April zum neuen…
-
Für souveräne Industrial AI und Edge-to-Cloud-Infrastrukturen
Kooperation von German Edge Cloud und Schwarz Digits
Durch eine Kooperation von German Edge Cloud (GEC) und Schwarz Digits soll eine…
-
Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026: Bruttoinlandsprodukts soll um 0,6% steigen
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die deutsche Konjunktur nach einem mehrjährigen Abschwung zwar in…
-
Importpreise im Februar -2,3%
Die Importpreise waren im Februar 2026 um 2,3% niedriger als im Februar 2025.
-
Bain-Studie
Umsätze in der industriellen Automatisierung zunehmend KI getrieben
Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung Bain & Company verschiebt sich Wertschöpfung in der…
-
Berührungslose Füllstandserfassung bei anhaftenden Medien
Die kapazitiven Füllstandssensoren von EBE sind für Medien mit geringen Leitwerten ebenso geeignet…
-
Endress+Hauser überschreitet 4Mrd.€-Marke
Endress+Hauser hat 2025 erstmals mehr als 4Mrd.€ Umsatz erwirtschaftet, damit stieg der Nettoumsatz…
das könnte sie auch interessieren
-
-
Dreiphasiges Monitoring elektrischer Lasten
Dreiphasiger Smart-Sensor-Strom mit IO-Link
-
Für Edge Computing
Lüfterloser Industrie-PC
-
Schnelle Reaktion auf Lastsprünge
2000W-DIN-Rail-Netzteil
















