
Time-to-Market ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor – wird jedoch häufig unterschätzt. Insbesondere die wachsende technologische Komplexität industrieller Kommunikation verlängert Entwicklungszeiten erheblich. Während klassische Feldbusse wie Profibus vergleichsweise überschaubar waren, bringen Ethernet-basierte Systeme wie Profinet zusätzliche Funktionalitäten, Profile und Integrationsanforderungen mit sich. Hinzu kommen IoT-Anbindungen, neue physikalische Infrastrukturen wie Single Pair Ethernet oder APL sowie steigende Anforderungen an Cybersecurity und vertikale Integration bis in Cloud- und MES-Ebenen. Parallel wächst die Zahl unterstützter Protokolle – oft mit projektspezifischen Varianten.
Das Ergebnis: mehr Möglichkeiten – aber auch deutlich höhere Integrationsaufwände, steigende Projektrisiken und eine langfristige Bindung von Entwicklungsressourcen. Zudem entstehen Abhängigkeiten zwischen Kommunikations-Stack, Hardwareplattform und Applikation, die Anpassungen im weiteren Projektverlauf zusätzlich erschweren. Auch der Betrieb wird komplexer: Wartung, Updates, Security-Patches und Zertifizierungen müssen über den gesamten Lebenszyklus hinweg berücksichtigt werden – ein nicht zu unterschätzender Aufwand.

Die unterschätzten Kosten der Verzögerung
Komplexität gezielt reduzieren
Um Entwicklungszeiten signifikant zu verkürzen, müssen Hersteller insbesondere Integrations-, Test- und Pflegeaufwände in der Kommunikationstechnik reduzieren. Genau hier setzen moderne Embedded-Plattformen an. Das aktuelle Anybus-Embedded-Konzept von HMS Networks basiert auf drei Säulen: Skalierbarkeit, Effizienz und Zukunftssicherheit. Ziel ist es, die Integration industrieller Kommunikationsschnittstellen zu standardisieren und gleichzeitig genügend Flexibilität für unterschiedliche Gerätekategorien bereitzustellen.
Skalierbarkeit zielt darauf ab, alle Kommunikationsanforderungen von Automatisierungsgeräten flexibel adressieren zu können. Effizienz wird dadurch erreicht, dass viele Gerätefunktionen konfiguriert werden können, statt programmiert werden zu müssen. Da das neue Anybus-Konzept auf den Einsatz offener und auf dem Markt verfügbarer Plattformen abzielt, sind Anwender nicht von einer spezifischen Hardware abhängig, was Zukunftssicherheit gewährleistet. Dieses 3-Säulen-Prinzip vereinfacht Herstellern alle Aspekte der Schnittstellenimplementierung bis hin zu Wartung und Pflege. Dadurch kann die Dauer von Projekten signifikant verkürzt werden und Entwicklungsressourcen bleiben nicht langfristig gebunden. Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt Kosten – für innovative Lösungen und nachhaltige Produktionsprozesse. ‣ weiterlesen
Vorsprung im Packaging
Eine verlängerte Time-to-Market verursacht nicht nur höhere Entwicklungs- und Projektkosten. Jeder zusätzliche Monat bindet Engineering-Kapazitäten und erhöht interne wie externe Kosten – etwa durch verlängerte Testphasen, Validierungsschleifen oder notwendige Zertifizierungen. Der eigentliche Hebel liegt jedoch im Markt: Ein späterer Ramp-up führt unmittelbar zu entgangenen Umsätzen. Gerade in frühen Marktphasen werden Projekte mit höheren Margen vergeben. Wer hier nicht präsent ist, verliert nicht nur Aufträge, sondern auch die Chance, sich technologisch zu positionieren. Zudem verschiebt sich die Wettbewerbsdynamik: Später eingeführte Produkte geraten schneller in Preisdruck und werden häufiger als austauschbare Lösungen wahrgenommen. Gleichzeitig profitieren First Mover von einem Imagevorsprung, der sich in Folgeprojekten und Kundenbindungen niederschlägt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind damit vielschichtig – und reichen von direkten Umsatzeffekten bis hin zu strategischen Marktpositionierungen.
Passgenaue Leistung statt Überdimensionierung
Kern der Lösung ist ein System-on-Module (SOM), das in verschiedenen Funktionsstufen verfügbar ist. Gerätehersteller können damit den benötigten Leistungsumfang exakt auswählen – von einfacher Konnektivität bis hin zu komplexen High-End-Geräten mit erweiterten Kommunikations- und Zusatzfunktionen. Dieses Baukastenprinzip erleichtert die Skalierung über ganze Produktlinien hinweg. Eine einheitliche API reduziert dabei den Entwicklungsaufwand zwischen verschiedenen Varianten erheblich. Regelmäßige Software-Updates stellen sicher, dass neue Ethernet-Standards, Security-Anforderungen sowie Edge- und KI-Anwendungen unterstützt werden. Gleichzeitig ermöglicht ein Dual-Core-Ansatz die Integration eigener Applikationen, wodurch zusätzliche Hardwarekomponenten eingespart werden können.
Effizient konfigurieren statt programmieren
Ein wesentlicher Hebel zur Beschleunigung der Entwicklung ist die Reduktion klassischer Programmieraufwände. Mit dem Anybus-Studio steht eine grafische Entwicklungsumgebung zur Verfügung, die Anwender strukturiert durch die Erstellung der Kommunikationsschnittstelle führt. Datenpunkte, Kommunikationsverhalten und unterstützte Funktionen lassen sich konfigurieren, ohne tief in Protokolldetails einsteigen zu müssen. Integrierte Validierungsmechanismen reduzieren Fehler und verkürzen Iterationsschleifen. Das Tool deckt den gesamten Entwicklungsprozess ab – von der Definition der Prozessdaten über Test und Validierung bis zur automatischen Erstellung der Dokumentation. Konfigurationen lassen sich versionieren, übertragen und auf weitere Geräte anwenden. Gerade bei Produktfamilien entsteht dadurch ein erheblicher Skalierungseffekt im Engineering und beim Rollout.
Entkopplung von Hard- und Software
Ein zentraler Ansatz ist die konsequente Trennung von Hardware und Software. Die bewährten Kommunikations-IPs bleiben erhalten, sind jedoch nicht mehr an eine spezifische Hardware gebunden. Das erhöht die Flexibilität bei Plattformwechseln, erleichtert den Einsatz alternativer Komponenten und verbessert die Resilienz gegenüber Lieferengpässen. Gleichzeitig reduziert sich der Aufwand für Re-Designs erheblich, da Anpassungen nicht mehr das gesamte System betreffen. Auch regulatorische Anforderungen lassen sich so einfacher umsetzen. Cybersecurity ist integraler Bestandteil der Lösung und wird kontinuierlich an neue Vorgaben angepasst – etwa im Kontext des Cyber Resilience Act oder vergleichbarer Regularien.
Fazit
Die steigende Komplexität industrieller Kommunikation wirkt sich über den gesamten Lebenszyklus eines Geräts aus – von der Entwicklung über die Integration bis hin zu Betrieb und Wartung. Wer diese Komplexität gezielt reduziert, gewinnt nicht nur Zeit, sondern auch strategische Handlungsspielräume. Skalierbare, konfigurierbare und hardwareunabhängige Kommunikationslösungen ermöglichen es, Entwicklungsressourcen effizienter einzusetzen und Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. Damit wird Time-to-Market vom Risiko zum Wettbewerbsvorteil.
Autor: Thierry Bieber, Business Development Manager, HMS Industrial Networks GmbH















