Agritechnica 2011: Wachsende Bedeutung für Mobile Automation

Die Messe Agritechnica ist eine der Messen, die stetig deutlich wächst. So sind in diesem Jahr 17% mehr Aussteller nach Hannover gekommen im Vergleich zur letzten Messe 2009. Die Internationalität der Messe wird durch die beeindruckende Zahl von 1.337 Ausstellern aus dem Ausland, die aus 48 verschiedenen Ländern kommen, aufgezeigt. Im Jahr 2009 hatte die Messe 355.118 Besucher, in diesem Jahr waren es 415.000 Besucher aus 83 Ländern. Außergewöhnlicher Erfolg für die Agrartechnikhersteller Laut einer Pressemeldung des Veranstalters DLG rechnet der VDMA mit einem weiteren Nachfrageschub im Nachgang der Messe. Gemäß einer repräsentativen Ausstellerbefragung des VDMA erwarten rund 85% der Agrartechnikhersteller in den kommenden sechs Monaten eine sehr gute bis gute Geschäftsentwicklung in Deutschland. VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer vom Fachverband Landtechnik bezeichnet die Entwicklung der Agrartechnikindustrie in diesem Jahr als außergewöhnlich dynamisch. Für das Jahr 2012 erwarten die VDMA-Statistiker weitere leichte Steigerungen. Es wird mit einem Umsatzniveau der deutschen Hersteller von 7,4Mio.E gerechnet. Deutschland behauptet nach VDMA-Angaben seine Position als konjunkturelles Zugpferd in Westeuropa mit einem Marktvolumen von 4,9Mio.E im Jahr 2011. Damit war der deutsche Markt noch nie so stark wie in diesem Jahr. Bis Ende 2011 werden beispielsweise ca. 35.000 Traktoren in Deutschland verkauft. Die Exporte steigen im Jahr 2011 gegenüber 2010 um ca. 33%. Frankreich und Russland sind die wichtigsten Märkte, Asien und Osteuropa gelten als Zukunftsmärkte. Die Agrartechnikhersteller bekommen das Problem des Fachkräftemangels sehr deutlich zu spüren. Agrarmaschinen werden doch noch sehr häufig mit \’einfacher Technik\’ in Verbindung gebracht, was definitiv nicht der Realität entspricht, wie dieser Beitrag deutlich zeigt. Der Elektronikanteil in den Maschinen steigt Die Elektronik setzt ihren Siegeszug in den landwirtschaftlichen Maschinen fort. Die Themen Isobus und elektrische Antriebstechnik haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies war an nahezu jedem der Messestände festzustellen, die irgendeinen Bezug zur Mobilen Automation aufzuweisen hatten. Auch viele Landmaschinenhersteller werben mit dem Isobus auf ihren Messeständen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Interview mit dem Leiter Elektronik der Firma Amazone in diesem Heft auf Seite 104. Im Folgenden zeigen wir Ihnen einige der Neuigkeiten im Bereich Mobile Automation und Elektronik vor. Neuheiten im Überblick Ag Leader hat ein Terminal mit einem 8,4\”-Display vorgestellt, das Isobus-kompatibel ist und sich nahtlos an die Steuerungen des Herstellers anbinden lässt. Es bietet vier Eingänge für Videokameras und kann als primäres Display für die Präzisionslandwirtschaft sowie als zusätzliches Display für andere Geräte zum Einsatz kommen. Die Firma Agrotronix hat eine ganze Reihe von Neuigkeiten rund um die Regelung von Streuersystemen vorgestellt. Das DPAE-Regelsystem für Streuer mit Rollboden Epandix 8700 kann jetzt mit Visual Agrotronix gekoppelt werden, um die generelle Abschaltung des Streuers vorzunehmen. Das GPS wird direkt mit dem Steuergerät verbunden, sodass kein großer Verkabelungsaufwand im Fahrerstand erforderlich ist. Diese Schaltung erlaubt auch die Anzeige von Betriebsdaten auf dem GPS-Bildschirm, wie Fahrgeschwindigkeit, Tonnage/ha oder bestreute Fläche. Epandix 6300 fasst die wesentlichen Steuerungsfunktionen eines Streuers mit Rollboden zusammen und integriert darin das für Agrotronix patentierte Wiegen beim Beladen. In einem kompakten Steuergerät werden somit die Bedienelemente zur Steuerung des Bands und seiner Geschwindigkeit, zum Öffnen und Schließen der Dosiertür und eine Zusatzfunktion kombiniert. Als neuartige Lösung zur Geschwindigkeitsmessung mit GPS-Technologie bietet ein neuer Sensor auch unter schwierigen Bedingungen eine hohe Messpräzision: etwa bei feuchten Oberflächen oder Vegetation auf der Fahrstrecke. Er vermeidet schlupfbedingte Ungenauigkeiten. Dieser sehr leicht zu installierende neue Sensor benötigt keinerlei Kalibrierung, deckt einen Geschwindigkeitsbereich von 1 bis 130km/h ab und zeichnet sich durch sehr schelle Reaktionszeiten bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen aus. Die Firma Bogballe erweitert ihre gesamte Palette der Wiegetechnikstreuer um eine Isobus-Variante. Damit ist jeder dieser Streuer mit jedem beliebigen Isobus-Terminal kombinierbar und bedienbar. Bosch Rexroth stellt mit der Automatic Hitch Control AHC einen neuen Softwarebaustein für seine elektrohydraulische Hubwerksregelung EHR vor. Bei aktivierter AHC muss der Traktorfahrer die EHR während der Feldarbeit nicht mehr manuell an die sich ändernden Bodenbeschaffenheiten anpassen. Die als optionales \’Add-on\’ erhältliche AHC entlastet den Fahrer effektiv, indem sie selbstständig Lage und Zugkräfte entsprechend der unterschiedlichen Bedingungen regelt. AHC kann für alle Bodenbearbeitungsgeräte eingesetzt werden. Mit der Tractor Valve Control TVC präsentiert Rexroth ein fertiges Software-Paket, mit dem Hersteller elektrisch ansteuerbare Ventile einfach und kostengünstig in ihr System einbinden können. Sie übernimmt die zuverlässige Ansteuerung elektrohydraulischer Ventile und kann in Traktoren mit Konstant- und Verstellpumpen eingesetzt werden. Die Firma Grammer, Spezialist für Automobil-Interieur und Sitzsysteme, hat das belgische Unternehmen EiA ­Electronics übernommen. Dieses vertreibt seit 20 Jahren Displays, Steuerungen, Multifunktionsarmlehnen, elektrische Bedienelemente, Kommunikationsmodule und intelligente Sensoren. Lacos Computerservice hat mit \’FieldNav\’ nach eigenen Angaben das erste Navigationssystem für den Agrarbereich entwickelt, das alle befahrbaren Wege enthält und direkt zum Schlag oder anderen landwirtschaftlichen Zielen navigiert. MC Electronics hat Isobus-kompatible Terminals unterschiedlichster Größenordnung ausgestellt. Müller Elektronik ist einer der Anbieter, der gleich eine ganze Reihe von Neuigkeiten nach Hannover mitgebracht hat. Das neue Isobus-Terminal TouchME verfügt über ein 12,1\”-Display und lässt sich sowohl im Hoch- als auch im Querformat einsetzen. Ermöglicht wird dies durch einen neu entwickelten Layoutmanager. Es bedarf lediglich eines Knopfdrucks und eines Drehs am Halter, um das Format zu wechseln. In verschiedenen Layouts und Bedienoberflächen können bis zu fünf Precision-Farming-Funktionen oder Isobus-Jobrechner dargestellt werden. Das Terminal ist nach Herstellerangaben das erste Isobus-Terminal mit einem kapazitiven Dualtouch-Farbdisplay. Es bietet alle Basisfunktionen, um eine Isobus-Maschine bedienen zu können. Zusätzlich unterstützt TouchME Precision-Farming-Applikationen. Das Gerät bietet Funktionen wie GPS-gestützte Auftragsbearbeitung, parallele Spurführung, automatische Teilbreitenschaltung, Vorgewendemanagement und vieles mehr. Zwei Kameraanschlüsse gewährleisten die stetige Überwachung aller Prozesse. Der Datenaustausch mit dem Hof-PC erfolgt via USB-Stick oder drahtlos über das Mobilfunknetz. Zu diesem Zweck ist ein GSM-Modem standardmäßig integriert. Die Section-Control Box ist ein neu entwickelter Jobrechner von Müller-Elektronik. Die SC-Box ermöglicht die GPS-gesteuerte Teilbreitenschaltung für die Feldspritzensysteme Spraydos und Spray Control-S. Die VCS-Fahrzeugsteuerung (VehicleControlSystem) von Müller Industrie-Elektronik besteht aus einer VCS-TU-Bedieneinheit, die sich aufgrund ihrer kompakten, kleinen Bauart in jeden Autoradio-DIN-Schacht im Fahrzeug-Cockpit montieren lässt. Alternativ steht ein Bedien-Modul in einem robusten Heavy-Duty-Gehäuse mit kabelgebundener Anschlussmöglichkeit für das Handgerät VCS-RU als zusätzliche Fernbedienungseinheit zur Verfügung. Die Handgerät-Einheit VCS-RU kann aber auch als Steuerung von sieben unterschiedlichen Funktionen völlig eigenständig als Fahrzeug-Steuerungs-System genutzt werden. Die beiden Einbau-Bedieneinheiten VCS-TU-DIN und VCS-TU-HD sind kundenindividuell mit bis zu 19 Steuerbefehlen programmierbar. Die Programmierung kann entweder über eine externe speicherprogrammierbare Steuerung oder über die im Lieferumfang enthaltene Software in Verbindung mit der Müller-Leistungseinheit ohne Programmierkenntnisse frei parametriert werden. Pepperl+Fuchs hat kapazitive, induktive, mit Ultraschall arbeitende und weitere Sensoren entwickelt, die speziell auf die harten Anforderungen der Landtechnik zugeschnitten sind. Die Neigungssensoren der Serie F99 sind prädestiniert zur stetigen Überwachung und Nivellierung von Fahrzeugen, Anbaugeräten, Fahrerkabinen usw. Sie erfassen Neigungswinkel zwischen 0 bis 360° bei Auflösungen von = 0,1° und sind in ein- und zweikanaligen Ausführungen erhältlich. Auf Wunsch werden sie mit einer kundenspezifischen Parametrierung der Messbereiche und Ausgänge ausgeliefert. Neben Modellen mit 4…20mA-Stromschnittstelle, 0…5V-Spannungsschnittstelle und CANopen-Busanschluss ist der F99-Neigungssensor nun erstmals auch mit J1939-Protokoll verfügbar. Eng verwandt sind die Beschleunigungssensoren aus derselben Baureihe, mit denen sich kurzfristige dynamische Einflüsse und Kräfte auf die Fahrzeuge oder Anbaugeräte detektieren lassen. Ultraschall erweist sich durch den Schallkegel mit Mittelwertbildung als ideal, wenn es um die Messung von Abständen oder Beladungszuständen von inhomogenen nicht glatten Oberflächen wie Ackerböden, Flüssigkeiten oder mit Saat- und Erntegut beladenen Anhängern, Speichern oder Silos geht. Ein Beispiel ist der Ultraschallsensor MetalFace Sensor UMC3000. Er ist in einem Edelstahlgehäuse untergebracht und ermöglicht tastenden Betrieb ohne separates Empfängermodul. OPTYload & ISOlog von Reichhardt ist eine Neuheit für Hersteller von Ernte- und Verlademaschinen. Damit wird der Ladevorgang einer Erntemaschine in ein Transportfahrzeug automatisiert, die Identität des zu beladenden Fahrzeuges festgestellt und die Daten an einen nach ISO11783 arbeitenden Taskcontroller gesendet. Die Transportfahrzeuge werden kostengünstig mit einer Markierung versehen und damit von der Erntemaschine identifiziert. Für den Fahrer des Transportfahrzeuges wird an der Erntemaschine ein optisches Informationssystem so angebracht, dass es von ihm eingesehen werden kann. Zusätzlich können ihm weitere Informationen, wie Füllstand, Identifikationsnummer und ähnliches angezeigt werden. Die Daten, welche die Erntemaschine im ISO-XML-Format sammelt, werden zur Auftragsverwaltung dokumentiert und im Zuge von Precision Farming abgerufen, exportiert und weiterverarbeitet. Per Echtzeit-Kommunikation wird der Zielort auf das Eintreffen des Transportfahrzeuges vorbereitet. Das erweitert die Möglichkeiten der Auftragsverwaltung nach ISO11783. Die Firma RM Michaelides präsentierte die nächste Generation robuster GSM-Modems, die in Kombination mit Telematik-Lösungen von Proemion den weltweiten Zugriff aus Maschinenparameter und umfassendes Management über einen herkömmlichen Webbrowser ermöglichen. Mit den Produkten CANlink WLAN und CANlink Bluetooth lassen sich eine einfache und zuverlässige Datenübertragung ohne Kabel realisieren. Die Geräte können entweder zur Datenübertragung zwischen einem CAN-Netzwerk und einem PC verwendet werden oder als CAN-Brücke Daten zwischen zwei verschiedenen CAN-Netzwerken übertragen. Als Drittes hat das Unternehmen neue Geräte der RM Display-Familie mit höherer Bildschirmauflösung, mehr Speicherplatz und neuen Funktionalitäten vorgestellt. Sensor Technik Wiedemann hat u.a. die neue Steuerung ESX-3XL vorgestellt. Diese ist insbesondere für den Einsatz in modernen mobilen Arbeitsmaschinen, auch für sicherheitsgerichtete Anwendungen nach SIL2, konzipiert. Mit 32Bit Microcontroller (Tricore TC 1796, 150MHz), 6MB Flash, 4MB Ram und 32kB EEprom-Speicher gehört es zu den leistungsfähigsten, frei programmierbaren Steuergeräten am Markt. Topcon Precision Agriculture (TPA) und der Landmaschinenhersteller Amazone haben eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Darin wird TPA Hardwarekomponenten liefern und das Know-how im Bereich automatischer Lenksysteme und der Abschnittskontrolle bieten. Das erste Projekt der Partnerschaft war die Entwicklung von nutzerfreundlichen Inhalten für ein Bedienterminal mit Amazone spezifischer Funktionalität. Dieses neue Terminal mit dem Namen Amap Isobus wurde auf der Agritechnica gezeigt. WTK-Elektronik hat diverse Isobus-kompatible Produkte vorgestellt. Beispielsweise das Terminal field-operator 450 mit einem 12\”-TFT-Dualtouch-Farbdisplay. Es verfügt mit seinem Isobus Task Controller und GPS-Signaldecoder über Precision-Farming-Funktionalität. Die neue Isobus-Steuerung ist für elektromotorisch angetriebene Einzelkornsämaschinen mit bis zu 24 Reihen konzipiert. Weitere Anbieter aus dem Bereich Mobile Automation, wie Eckelmann, ifm, Inter Control, Mobil Elektronik und Jetter, waren auch auf der Agritechnica vertreten, hatten aber keine Presseneuheiten. Wobei aufgefallen ist, dass bei der Jetter AG zum ersten Mal die elektrische Antriebstechnik für die Mobile Automation ausgestellt wurde. (mbw)