Bekannt ist Reis Robotics durch die Entwicklung und Herstellung von Industrierobotern und Robotersteuerungen und die Projektierung, Planung, Konstruktion und Fertigung schlüsselfertiger Automationssysteme. Das Unternehmen, das 2007 sein 50-jähriges Bestehen feierte, beschäftigt mehr als 750 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Vor allem wächst die Zahl der Ingenieure und Techniker, weniger stark die der Facharbeiter. 2006 wurde ein Umsatz von mehr als 100Mio. E erreicht. Rund 10% des Umsatzes werden jährlich in Forschung und Entwicklung investiert. Täglich wachsende Datenflut: Was könnte gespart werden? Die Frage nach dem Produktdatenmanagement beziehungsweise nach einer elektronischen Verwaltung der CAD-Daten kam Ende der 90er Jahre von jenen, die täglich mit der wachsenden Datenflut zu kämpfen hatten. Jörg Prockner, verantwortlich für die technische Dokumentation, schildert die Ausgangslage so: \“Im Zeichnungsarchiv, in der Verwaltungsebene haben wir hochgerechnet, wieviel Geld die Firma sparen könnte, wenn die riesigen Transparentbögen nicht mehr beschafft, mit Tusche bedruckt und in Archivräumen in Hängeschränken aufbewahrt werden müssten. Und wieviel Zeit zu sparen wäre, wenn die gesuchte Zeichnung quasi per Knopfdruck auf dem eigenen Bildschirm auftaucht, und niemand telefonieren, fragen, suchen und durchs Gelände laufen muss, um sie zu bekommen. Gegen diesen Aufwand rechnete sich die Investition in ein PDM-System sofort.\“ Der Hauptansatz zu diesem Zeitpunkt: Der Konstrukteur soll alle relevanten Daten zentral speichern und zentral auf sie zugreifen und seine Arbeit unmittelbar mit dem ERP-System verknüpfen können. Integrationsfähigkeit gefragt: Mehr Dokumente jeden Tag Die Wahl fiel 1998 vorausschauend auf ein System, das nicht nur mit den damals erzeugten AutoCAD-Zeichnungen umgehen konnte, sondern in der Lage war, beliebige Systeme zu integrieren: Pro.File von Procad in Karlsruhe. Das sollte sich schon bald als nützlich erweisen, denn 2003 wechselte die Konstruktion von 2D auf 3D, und das gleich mit mehreren Programmen. In der Auftragsentwicklung wurde Solid Edge eingeführt, in der Grundlagenentwicklung und für High-end-Aufgaben Unigraphics und zusätzlich Ansys für die Finite-Elemente-Berechnung. Darüber hinaus gibt es Catia für verschiedene Großprojekte zur Automatisierung in der Automobilindustrie. Ebenfalls integriert ist das ERP-System Sage Bäurer, mit dem bidirektional zahlreiche Daten abgeglichen werden. Die Arbeitsvorbereitung legt im ERP den Teilestamm fest, der dann von den Fachabteilungen im PDM-System mit Daten gefüllt wird. Schon mit dieser Installation war Reis Robotics zu Beginn des Jahrzehnts für ein mittelständisches Fertigungsunternehmen deutlich fortschrittlicher als der Durchschnitt. Dennoch, so Jörg Prockner, wurde das PDM etwa bis zum Jahr 2005 in der Hauptsache als CAD-Datenverwaltung eingesetzt. Im Hintergrund aber wurden mehr und mehr Dokumente aus unterschiedlichen Bereichen und Quellen in das System gebracht. Die Schnittstelle zum ERP funktionierte zunehmend besser. Und mit Siegfried Grellmann war im Jahr 2000 ein Systembetreuer für PDM und ERP an Bord gekommen. Auf einmal konnte man messen, wie die Akzeptanz des Systems wuchs. Von rund 60 Mitarbeitern, die bis dahin gleichzeitig pro Tag mit dem PDM arbeiteten, stieg die durchschnittliche Nutzung innerhalb relativ kurzer Zeit auf über 100. Je mehr Dokumente in derselben Quelle verfügbar sind, desto größer ist eben der Nutzen für die Mitarbeiter. Kundenanforderung \’all inclusive\‘ Kundenanforderungen standen bei dem nun in Angriff genommenen Großprojekt für die Reis GmbH im Vordergrund. Das Unternehmen stellt nicht nur Standardroboter her, die dann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Immer häufiger bestehen die Aufträge darin, als Generalunternehmer komplette Anlagen zur Automatisierung bestimmter Fertigungsschritte, insbesondere in der Automobilindustrie, zu bauen. Solche Anlagen bestehen aus den im eigenen Haus gefertigten Standardkomponenten, aber auch aus vielen Sonderteilen, die speziell für den jeweiligen Auftrag entwickelt werden müssen. Sie haben aber auch einen enormen Anteil an Zukaufteilen. Drehtische, Förderbänder und Transport- fahrzeuge ergänzen die Roboter zu der gelieferten Anlage. Und auch bei den zugekauften Elementen handelt es sich nur zum Teil um Standardkomponenten. Auch hier wird viel nur für den konkreten Auftrag gebaut. Das ist die Komplexität der Produktpalette, die von Jahr zu Jahr zunimmt. Zahlen will der Kunde erst, wenn alles dokumentiert ist Doch auch das Angebot wird zunehmend komplexer. Die Anlagen werden nicht nur gebaut und montiert. Von der Anforderungsanalyse und der Entwicklung und Inbetriebnahme über die Schulung der Mitarbeiter des Kunden bis hin zu Service und Wartung reicht das Portfolio, an dem die Dienstleistung einen immer größeren Anteil hat. Manchmal übernimmt Reis sogar die erste Produktionsphase mit der neuen Anlage im eigenen Haus. Dafür gibt es in Obernburg eine separate Halle. Einen Monat oder noch länger wird das Unternehmen damit quasi auch zum Auftragsproduzenten des Kunden. Nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen zwingen bei solcher Komplexität zu besonders sorgfältigem Umgang mit der technischen Dokumentation. Vor allem der Auftraggeber möchte mit der Inbetriebnahme eine möglichst vollständige Beschreibung aller Komponenten haben. Und der Wunsch wird gelegentlich durchaus mit erheblichem Nachdruck versehen. Z.B. durch Einbehaltung von Restzahlungen, bis alles komplett dokumentiert ist. Immer häufiger kam der Wunsch zur Sprache, zusätzlich zu einer ganzen Serie von Ordnern mit Papierdokumenten – die freilich weiterhin notwendig sind – die Betriebsanleitung in elektronischer Form zu bekommen. Auf CD statt in Stapeln von Ordnern Für die Verantwortlichen in Obernburg ergaben sich noch eine Reihe weiterer guter Gründe, die Erstellung der Dokumentation zu automatisieren. Der Aufwand für ihre Verwaltung stieg nämlich unaufhörlich an. Nicht nur durch die Komplexität der Anlagen, sondern beispielsweise auch durch die Notwendigkeit, die Betriebsanleitungen in bis zu 16 verschiedenen Sprachen vorzuhalten. Diese Gesamtanforderungen, einschließlich des besonderen Aufwands für punktuelle Aktualisierungen aufgrund von Änderungen oder Reparaturen, waren mit konventionellen Methoden immer weniger zu handhaben. Eine Vielzahl der Datenquellen, die zu berücksichtigen sind, findet sich mittlerweile in den PDM-Strukturen verknüpft. Für eine vollständige und automatische Dokumentationserstellung müssen allerdings sämtliche Dokumente an dieser Stelle zur Verfügung stehen – und da gibt es noch ein wenig zu tun. Automatisiert dokumentieren: Kann das ein PDM? Viele Dokumente entstehen in einem Office-System oder im Intranet. Manche werden manuell erstellt und müssen erst eingescannt werden, bevor sie elektronisch zu verwenden sind. Schritt für Schritt wird daran gearbeitet, auch diese restlichen Dokumente zentral zu verwalten. Als noch größere Herausforderung stellte sich allerdings die Frage dar, ob und wie PDM zur Automatisierung der Ausgabe der Dokumentationen genutzt werden kann oder ob vielleicht für diesen Spezialzweck zusätzlich ein technisches Redaktionssystem angeschafft werden muss. Reis entschied sich für die Lösung von Procad, die Ende 2007 produktiv geschaltet wurde. Im PDM-System existiert nun für jedes Projekt eine hierarchische Dokumentenstruktur. An oberster Stelle steht das Gesamtprojekt als Teilestamm, der sich auf der nächsten Ebene in mehrere Kommissionsnummern, beispielsweise für mehrere Roboterstationen, gliedert. Zu jedem Roboter gehören jeweils Baukästen für Elektrik, Hydraulik und Pneumatik sowie Mechanikkomponenten, die wiederum in Hauptbaukästen, z.B. Schaltschränke, zergliedert sind. Darunter finden sich schließlich die Einzelteile und alle relevanten Dokumente wie Schaltpläne oder Maßblätter. Insgesamt wird nicht jedes Konstruktionsdetail – etwa eine Schweißnaht – dargestellt, sondern der sogenannte A-Plan, das ist der Aufstellungsplan für die Einrichtung der Anlage beim Kunden. Die erforderlichen Dokumente müssen in allen für das jeweilige Projekt in Frage kommenden Sprachen gespeichert sein. Nützliche Nebeneffekte: Produktdaten für unterwegs Für die automatische Zusammenstellung der Dokumentation wurde unter Einsatz des BizTalk Servers ein Konfigurator programmiert, der aus dem PDM-System je nach eingegebenen Parametern die gewünschten Dokumente in der gewählten Sprache einsammelt. Gesteuert wird er durch einen Workflow-Wechsel in den Status \’Automatisierte Dokumentationsausgabe\‘. Dabei wird unterschieden, ob es sich um eine Lieferdokumentation handelt, die nicht unbedingt vollständig sein muss, oder um die Enddokumentation. Siegfried Grellmann: \“Ob alle benötigten Dokumente zusammengestellt werden können, erkennt der Konfigurator an ihrem Status. Nicht freigegebene führen zu einer Fehlermeldung. Am Ende gibt das System eine Liste heraus mit allen noch fehlenden Dokumenten. Auch das Anstoßen der erforderlichen Freigaben kann dann automatisch per E-Mail erfolgen.\“ Ist alles vollständig, wandern die Dokumente in Pro.File Pocket, das ursprünglich für die lokale Nutzung von Produktdaten außerhalb jedes Netzzugriffs, beispielsweise auf Großbaustellen, entwickelt wurde. Jetzt ist der Anlagenbetrieb beim Kunden das Ziel. Auch bei der Dokumentation gilt: Sollte, wie bei einer der letzten Überschwemmungskatastrophen, eine Dokumentation beim Kunden unbrauchbar werden, lässt sie sich mit der neuen Methode automatisch in genau demselben Zustand wiederherstellen. Sie hat ja eine Versionsnummer, auf die Verlass ist. Ein ausgesprochen nützlicher Nebeneffekt der automatisierten Dokumentation ist die Tatsache, dass auch der Service-Ingenieur die komplette Betriebsanleitung auf dem Notebook mitnehmen kann, wenn er zum Kunden geht. Und zwar ohne lange zu suchen.
Aufwand gegen Investition: Betriebsanleitung auf dem Notebook
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