Alles Ansichtssache

Politiker können es wohl am besten. Sie schaffen es immer wieder, eindeutig durch Zahlen belegbare Niederlagen und Verluste verbal in einen Sieg zu verwandeln. So geschehen auch bei den letzten Nationalratswahlen: Da fanden die \’Roten\‘ trotz historisch größter Wahlschlappe seit 1945 dennoch einen Grund zum Jubeln. Jenen nämlich, dass sie im direkten Duell mit der ÖVP die Nase vorne behalten konnten. Ein ähnlich konträres Bild zeigte sich bei der diesjährigen vienna-tec. Befragte man die Aussteller zu ihren Eindrücken über die Messe, war von \“Super, kein Vergleich mit der Erstveranstaltung\“ bis zu \“Absolut enttäuschend, das war ziemlich sicher mein letzter Auftritt hier\“ alles drin. Wie gibt es das? Zwei dermaßen unterschiedliche Äußerungen über dieselbe Veranstaltung. Wer lügt jetzt? Keiner. Es kommt, wie immer im Leben, nur auf die jeweilige Betrachtungsweise an. Beim Eintritt in die Halle D beispielsweise dachte ich selbst: \’Oje, die armen Aussteller, die hinter dem äußerst dominanten Siemens-Stand verschwinden.\‘ Und musste dann erfahren, dass dieser prominente Nachbar trotz seines mächtigen, alles andere vorerst einmal in den Hintergrund drängenden Erscheinungsbildes für so manch einen durchaus von Nutzen war. Hatte sich ein Besucher nämlich erst einmal in die Stand-Gassen hinter Siemens \’verirrt\‘, blieb er dort zumeist sehr ausgiebig und lange hängen. Ein anerkanntes Zugpferd in seiner unmittelbaren Umgebung birgt halt beides – das Risiko, als Kleiner neben dem Großen unterzugehen, aber auch eine gewaltige Chance, nämlich die Sogwirkung des Branchen-Riesen für sich zu nutzen. Einer, für den die diesjährige vienna-tec trotz eines, was den Standplatz betrifft, \’Windschatten-Daseins\‘ hinter Siemens bestens lief, war Armin Pehlivan. Der Geschäftsführer von Beckhoff Österreich baut aber bereits seit Jahren nicht nur auf seine Produkte, sondern vor allem auf ein engagiertes Mitarbeiter-Team. Sein Geheimrezept: Man muss die eigene Mannschaft mit netten gesellschaftlichen Aktivitäten bei Laune halten und ihnen nicht unbedingt auf die Nase binden, wenn die Messe tatsächlich einmal schlecht läuft. Denn wie heißt es so schön: Nur ein motivierter Verkäufer ist ein guter Verkäufer. Und die eigene Stimmung färbt schneller auf die Umwelt ab als einem selbst manchmal lieb ist. Also machen wir lieber das Beste draus! (Sandra Winter)