SPS: Können Sie ganz kurz einfach mal Amazone als Unternehmen vorstellen? Nagel: Amazone beschäftigt sich mit der Herstellung von Landmaschinen. Das heißt, wir bedienen alles, was wir \’von der Ernte bis zur Ernte\‘ nennen: Dazu gehört Bodenbearbeitung, Sätechnik, Pflanzenschutz- und Düngetechnik. Und wir haben auch einen Nischenbereich, die Kommunaltechnik. Insgesamt sind wir 1.600 Mitarbeiter in der Gruppe und haben im letzten Jahr einen Umsatz von 290Mio.E gemacht. Hauptsitz des Unternehmens ist Hasbergen-Gaste in der Nähe von Osnabrück. SPS: Wo sind die wichtigsten Märkte für Amazone? Nagel: Klassisch West-Europa, das bedeutet Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten, Dänemark. Aber wir haben auch einen sehr starken russischen Markt. SPS: Wir sprechen ja über Elektronik – interessant ist an dieser Stelle, wie sich der Anteil der Elektronik im Verhältnis zur Mechanik entwickelt. Nagel: Also grundsätzlich ist es so, dass Elektronik in allen Bereichen extrem viel stärker wird. Man muss da verschiedene Ausbaustufen betrachten; die klassische Einstiegsvariante, die bisher komplett mechanisch gelöst ist. Hier kommt es dazu, dass jetzt sehr viel elektrische Dosierantriebe und Ähnliches verwendet werden. Also einfache Elektronik hält da Einzug, was früher nicht der Fall war. Auf der anderen Seite die voll ausgestatteten Geräte, bei denen der Elektronikanteil deutlich steigt, weil auch der Automatisierungsgrad der Maschinen dramatisch nach oben geht. SPS: Das heißt, dass bei dem, was wir unter mobiler Automation verstehen, also bei Produkten wie Steuerungen, Bediengeräte und Sensorik, der Stellenwert deutlich steigt? Nagel: Der Stellenwert steigt wirklich deutlich. Wie gesagt, hauptsächlich weil mechanische Lösungen durch elektrische ersetzt werden und der Automatisierungsgrad nach oben geht. Es werden immer mehr bisher manuell durchgeführte Funktionen in der Maschine automatisiert, um letztendlich Komfort aber auch Leistungsfähigkeit der Maschinen zu steigern. SPS: Sehen Sie auch eine Entwicklung von der Hydraulik zur elektrischen Antriebstechnik? Nagel: Es gibt derzeit ja Diskussionen im Bereich der Landtechnik eine 400V- oder höhere Spannungsversorgung von Schleppern für Anbaugeräte zur Verfügung zu stellen. Wenn das erfolgt, gibt es dann natürlich durchaus Entwicklungsansätze. Ansonsten sind wir auf der 12V-Schiene, die wir derzeitig verfolgen, in den Leistungen begrenzt und deshalb sind einige Hydraulikantriebe für z.B. Gebläse und ähnliches natürlich die einzige Wahl. SPS: Das heißt, mittel- und langfristig sehen Sie durchaus die Entwicklung, dass die elektrische Antriebstechnik als solche mehr Gewicht bekommt in Ihren Maschinen? Nagel: Wir würden heute schon sehr viel mehr elektrische Antriebstechnik einsetzen, sind aber – wie gesagt – da in den Leistungen mehrfach begrenzt, da wir auf einem niedrigen Spannungsniveau sind. Wenn höhere Spannungen kommen, wird sich da definitiv etwas verändern. Wir haben auf der Agritechnica auch wieder eine vollelektrische Sämaschine ausgestattet, die einfach zeigt, was in dem Bereich möglich ist. SPS: Weil wir gerade bei der Messe sind, aus der Perspektive der Elektronik betrachtet, welche Neuigkeiten stellen Sie hier auf der Messe aus? Nagel: Wir haben natürlich einerseits im Bereich Bedienterminal einiges Neues. Da geht es darum, was kann eine Maschine automatisiert auf dem Feld tun; da geht es um positionsabhängige Dinge. Das heißt, ich kann via GPS meine Position auf dem Feld bestimmen und kann positionsspezifisch die Maschine optimal einsetzen. Ein bisschen mehr auf die Maschinen geschaut: Die elektrische Sämaschine hatte ich schon angesprochen als Zukunftsprodukt. Im Pflanzenschutzbereich haben wir eine vollelektrische Einzeldüsenschaltung ausgestellt, die Applikationsbereiche, also Geschwindigkeits- und Ausbringmengenbereiche, in denen ich mich bewegen kann, durch die automatisierte Umschaltung von Spritzdüsen dramatisch erweitert. SPS: Welche Rolle spielt für Sie der Isobus? Nagel: Dieser ist inzwischen wirkliche Kernkompetenz und auch ganz klare Ausrichtung geworden. Wir haben lange Zeit an der Stelle gesagt, Isobus muss erstmal sicher funktionieren, bevor wir da einsteigen. Inzwischen sind wir der Meinung, das tut er in gewissen Bereichen. Man muss aber sehr genau unterscheiden, was man damit machen will. Also will ich nur meine Maschine bedienen, Teilbreiten schalten, Dokumentation betreiben oder weitere in der Norm spezifizierte Funktionen nutzen. Auf diesen ersten Leveln sind wir inzwischen der Meinung, dass das sehr gut funktioniert. Wir sind dabei, das gesamte Produktprogramm auf Isobus umzustellen. Wir haben den Pflanzenschutz und die Düngetechnik fertig, Sätechnik wird folgen. SPS: Wie viel bzw. was entwickeln Sie im eigenen Haus an Elektronik und was kaufen Sie dazu? Es gibt da ja unterschiedliche Philosophien: Die einen kaufen komplett zu, die anderen haben eine Entwicklungsabteilung, die alles selbst entwickelt. Nagel: Das hat sich bei uns in den letzten Jahren folgendermaßen entwickelt. Wir haben lange Zeit Elektronik als Komplettsysteme gekauft, sprich Hardware, Software, Sensorik, Aktorik. Als Elektronik ein immer wichtigerer Bestandteil der Maschine wurde, haben wir uns entschieden, diese Kompetenz ins Haus zu holen. Wir sind dann in dieses ganze Thema von der Systemseite eingestiegen. Das heißt, wir haben von einer Systemwarte aus Prototypenentwicklung ganz stark vorangetrieben, um sie in unser Haus zu holen. Wir setzen hier auf Echtzeitsysteme, mit denen wir Prototypenentwicklung machen. Vor zwei Jahren haben wir die Entscheidung getroffen, auch für einige Maschinenprodukte die Softwareentwicklung im Haus zu machen. Wir werden aber nach wie vor Hardwareprodukte, also Steuergeräte, entweder mit Partnern entwickeln oder Standardgeräte hinzukaufen. SPS: Welche Anforderungen stellen Sie an einen Partner, z.B. aus dem Bereich der Mobilelektronik? Nagel: Da muss man differenzieren. Wenn man Komplettsysteme zukauft, ist ein landtechnischer Hintergrund für den Partner extrem wichtig. Da haben sich in der Vergangenheit am Markt landtechnisch geprägte Elektronikunternehmen entwickelt. Wenn man sich jetzt mehr dieser Softwareschiene widmet, und wir auch sagen das System-Know-how liegt sowieso bei uns im Hause, liegt ganz klar die Fokussierung auf gesicherten Softwareentwicklungsprozessen. Das hat auch etwas mit der Qualität der Software zu tun. Es war bis vor einigen Jahren so, dass es immer eine mechanische Rückfallebene gab, in der die Maschine immer noch weiter betrieben werden konnte, falls ein elektrisches System ausgefallen ist. Es ist definitiv so, dass wir Systeme am Markt haben, bei denen es so ist, wenn Elektroniken dort ausfallen, dass diese nicht mehr betreibbar sind. Das erfordert natürlich eine völlig neue Qualitätsanforderung an die Robustheit der Elektronik. SPS: In welcher Programmiersprache programmieren Sie die Controller? Nagel: Wir programmieren die in C. Das ist auch ein bisschen historisch gewachsen. Wir haben, als wir den Schritt gegangen sind, die Eigenentwicklung zu machen, kurz CoDeSys betrachtet. An der Stelle haben wir uns dann aber für die C-Schiene entschieden, weil wir letztendlich denken, dass das für die Komplexität der Geräte wie wir sie haben, und die Anwendungsfälle, der für uns beste Kompromiss ist. SPS: Eine letzte Frage bezüglich der Zukunft: Wenn Sie versuchen, fünf Jahre in die Zukunft zu schauen, wo sehen Sie da den Einsatz der mobilen Automation im landwirtschaftlichen Bereich verglichen mit heute? Nagel: Da gibt es auch wieder aus meiner Sicht mehrere Bereiche. Betrachten wir einmal den Terminalbereich an dieser Stelle. Das ganze Thema Dokumentation, Auftragsverwaltung, Auftragsverfolgung wird viel mehr an Bedeutung gewinnen. Wenn wir die Maschinenseite betrachten: Die 400V-Technik wird aus meiner Sicht komplett neue Maschinenkonzepte ermöglichen. Derzeit sind die Maschinen einfach sehr dadurch getrieben, dass sie zentrale Einleitungspunkte für Energie haben und dann logischerweise auch dadurch die Platzierung der Aggregate entsprechend vorgegeben ist. Da erlaubt man mit einer solchen Elektrifizierung einfach einen ganz neuen Freiheitsgrad und die Regelbarkeit von ähnlichen Antrieben ist automatisch besser. Das heißt, es wird da für viele Anwendungen, bei denen man hochpräzise Regelungen braucht, einen deutlichen Applikationsgewinn geben. Vielen Dank für das Gespräch.
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