Durch die zunehmende Vernetzung in der Automatisierungstechnik müssen sich Hersteller und Zulieferer dieses Industriezweigs verstärkt mit der industriellen Kommunikationstechnik beschäftigen. Produkte müssen über entsprechende Schnittstellen verfügen, damit sie einfach und schnell in existierende oder neu zu projektierende Systeme eingesetzt werden können. Die generellen Anforderungen an sichere, schnelle und verzögerungsfreie Übertragung in der Automatisierung haben aber zu einer Vielzahl von Feldbuslösungen geführt. Serielle Schnittstellen als auch die bei modernen Systemen immer häufiger eingesetzten Ethernet-basierten Schnittstellen sind in verschiedenen Varianten quasi-standardisiert. Selbst wenn man sich auf die am meisten verwendeten Feldbusstandards bei den Geräteanforderungen konzentriert, steht der Entwickler oft vor der Aufgabe vier bis fünf verschiedene Standards implementieren zu müssen. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass die meisten dieser Standards aufgrund der hohen Echtzeitanforderungen bisher oft nur mit zusätzlicher Hardware in Form von ASICs oder FPGAs implementiert werden können. Das erfordert dann entweder Lösungen mit vielen Varianten der Systemhardware oder ein modulares Konzept bestehend aus der System-Hardware und aufzusteckenden Interfacemodulen. Beides steigert die Kosten in nicht unerheblichem Maß und ist bei vielen einfachen und kostensensitiven Anwendungen kommerziell nur schwierig umzusetzen. Entwicklungsplattform vereint High-End-Prozessor mit Real-Time Ethernet Mit der Integrated Communication Engine (ICE) stellt Texas Instruments eine kostengünstige Entwicklungsplattform vor, die darauf abzielt, Multi-Protokoll fähige Schnittstellenmodule und Sensoren zu entwickeln (Bild 1). Das Modul verfügt über zwei RJ-45 Ethernet Schnittstellen, SPI, RS485 (PROFIBUS), CAN und UART. Optional kann eine parallele Schnittstelle über ein DPRAM implementiert werden. Neben einer 24V 8-Bit Eingangs- und 8-Bit Ausgangslogik steht noch ein Temperatursensor auf dem Modul bereit (Bild 2). Eine Verwendung als Sensorbaustein oder Interface-Gateway wird dann nur durch die jeweilige Applikations-Software festgelegt. Das gilt auch für das zum Einsatz kommende Real-Time Ethernet Protokoll. Durch Einspielen einer Firmware für das Kommunikationssubsystem wird der Feldbusstandard definiert. Dabei werden gängige Standards wie EtherCAT, PowerLink oder SERCOS III unterstützt. Anwender oder Partnerfirmen sind aber jederzeit in der Lage, eigene Protokolle auf sogenannten \’Programmable Real-time Units\‘ (PRU) zu implementieren. Ein PRU-Subsystem (PRUSS) besteht aus zwei PRUs und lokalen Peripherieeinheiten. Die Dokumentation zur PRU-Programmierung ist auf den entsprechenden Wiki-Informationsseiten im Internet zu finden [1]. Skalierbare Rechenleistung kombiniert mit industriellen Protokollen Das Herz des ICE bildet der Embedded-Prozessor AM3357 [2]. Dieser neue Baustein in 45nm Silizium-Technologie verfügt über einen 32-bit Cortex-A8 ARM-Prozessor. Auf diesem werden die Stacks der Protokolle sowie die eigentliche Applikation implementiert (Bild 3). Der Prozessor kommuniziert intern über Shared-RAM (200MHz Bus) und Interrupts mit dem PRUSS, auf dem die unteren Schichten der Real-Time Standards implementiert sind. Das PRUSS eignet sich mit seiner Architektur ganz besonders für die Abarbeitung von Real-time Daten im Mikrosekundenbereich. Es wird dabei jeweils das komplette PRUSS für ein bestimmtes Protokoll benötigt. Der ARM-Applikationsprozessor kann dagegen mit seinen maximalen Taktraten von 275-720MHz – je nach Bausteinvariante – für einen weiten Bereich von Applikationen eingesetzt werden. Dabei können verschiedene Betriebssysteme, wie Linux, Android oder WinCE zum Einsatz kommen, um Zugriff auf eine große Anzahl von fertiger Software zu erhalten. Wenn jedoch ausschließlich die schnelle Verarbeitung der Real-Time-Daten gefragt ist, kann man den ARM-Prozessor auch mit einem geeigneten Echtzeit-Betriebssystem nutzen. Dadurch ist die effektive Verarbeitung von Zykluszeiten der Kommunikationsschnittstelle bis in den 30µs Bereich möglich. Ein Betrieb des Bausteins in einem Quasi-Mikrocontroller Modus (ohne externes DRAM) reduziert in diesem Fall auch die externen Komponenten. Die intern verfügbaren 128kB RAM sind für einfache Sensoren oder Gateway-Funktionen oft ausreichend. Das PRUSS verfügt nochmals über einen eigenen internen Speicher für Programm und Daten. Komplette Programmierumgebung Die Softwareentwicklung für das ICE-Modul wird durch ein Industrial Automation Software-Development-Kit (IA-SDK) unterstützt. Im Gegensatz zum normalen SDK der AM335x Prozessorfamilie, das mit Linux Unterstützung aufwartet, wird bei der Industrial SDK Variante ein Sys/Bios 6 Real-Time Kernel gemeinsam mit Starterware verwendet. Sys/Bios ist ohne Lizenzkosten auf TI-Prozessoren einsetzbar. Starterware beinhaltet die Registerschnittstellen der AM335x Peripherieeinheiten als Softwarekomponenten. Viele Programmbeispiele zur Verwendung der Schnittstellen geben dem Programmierer einen schnellen Start bei der Entwicklung. Der PRUSS-Treiber für die industriellen Protokolle als auch die enthaltenen Protokollapplikationen basieren auf den Software Schnittstellen (API) von Starterware und Sys/Bios und können auch einfach an andere Betriebssysteme angepasst werden (Bild 3). Die eigentliche Programmentwicklung für das System wird mithilfe der Code-Composer Studio 5 Entwicklungsumgebung durchgeführt. Diese auf Eclipse basierende IDE enthält einen Compiler für den ARM-Prozessor und Emulationsfunktionen für den auf ICE integrierten USB-Debugger. Damit ist lediglich ein USB Kabel zur Emulation notwendig. Optional kann eine Standard-JTAG-Schnittstelle mit 20 Pins verwendet werden. EtherCAT Slave als Beispielanwendung Eine der IA-SDK Applikationen ist der EtherCAT Slave. Dieser enthält alle Komponenten, die für den einfachen Aufbau eines Digital-I/O-Slaves nötig sind. Angefangen mit der PRU-Firmware für EtherCat und einem Stack, basierend auf dem Beckhoff Slave Sample Code, wird eine Ansteuerung der Digital-I/Os des ICE mithilfe der Prozessdaten implementiert. Nach dem Einspielen der mitgelieferten XML Device Description des Slave in ein EtherCAT Master System (z.B. TwinCAT) und dem Verbinden des Moduls mit dem Master über ein Ethernet Kabel, können die Ausgänge direkt von der PLC gesteuert werden. Weitere Funktionen wie z.B. eine Zustandskontrolle des Slaves vom Master aus oder eine Verwendung von EtherCAT-Daten-Mailboxen werden von der Applikation gezeigt oder können einfach hinzu programmiert werden. Ausblick Das PRU-Subsystem (PRUSS) wurde in einer einfachen Form bereits in einem ARM9 basierten Baustein mit Erfolg verwendet [3]. Langfristig ist das PRUSS in seiner jetzigen oder erweiterten Form in weiteren Derivaten der verschiedenen Texas Instruments Prozessor-Familien geplant. Dabei reicht das Spektrum von Cortex-M basierten Mikroprozessoren über Cortex-A9 bis hin zu Multi-Core Versionen zukünftiger ARM-Architekturen. Damit erhält der Anwender eine langfristig verfügbare und flexible industrielle, in Standardprozessoren integrierte Kommunikationsschnittstelle zu bisher unerreichten Konditionen. Links: [1] processors.wiki.ti.com [2] www.ti.com [3] www.ti.com
Schnittstellenvielfalt einfach gelöst Mikroprozessor mit integrierten Schnittstellen
-
Akustische Bildgebungskamera Flir Si2-Pro
Akustische Bildgebung zur Leck- und Fehlererkennung
Mit der Si2-Pro erweitert Flir sein Portfolio akustischer Bildgebungskameras für industrielle Diagnoseaufgaben.
-
Physical AI live erleben: Beckhoff auf der HMI 2026
Die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und klassischer Maschinensteuerung als Basis für Physical AI stand im Mittelpunkt des Auftritts von Beckhoff auf der Hannover Messe 2026.
-
Ermöglicht zwei Synchronbewegungen
Antriebssystem für Logistik
Das Antriebssystem DualGear von Faulhaber wurde gezielt für Anwendungen in Förderbändern sowie in kompakten Radantrieben autonomer Logistiksysteme konzipiert.
-
Zukunftssichere Maschinenvisualisierung
Webbasiertes HMI
Weidmüller kombiniert die Touchpanelserie U-View Advanced V2 sowie das Web-HMI Procon-Web ES zu einer Bedienlösung.
-
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt Kosten – für innovative Lösungen und nachhaltige Produktionsprozesse.
-
Neue Steckverbindergröße
Spart bis zu 40% Bauraum
Mit der neuen Baugröße 4 erweitert Harting seine Steckverbinder-Baureihen Han-Eco, Han B und…
-
Anzeige
Vorsprung im Packaging
Automatisierungstechnik von Beckhoff ermöglicht die effiziente Entwicklung ressourcenschonender Verpackungsmaschinen, verkürzt Konstruktionszeiten und senkt…
-
Neues Modell von Voltcraft jetzt auf der Conrad Sourcing Platform erhältlich
Wärmebildkamera für präzise Thermografie
Mit der WB-430 erweitert Voltcraft sein Messtechnik-Portfolio um eine Wärmebildkamera für professionelle Prüf-…
-
Middleware zur Anbindung von Maschinen, Anlagen und IT-Systemen
Audit-Trail für regulierte Produktionsumgebungen
Mit Release 4.3 erweitert Kontron AIS seine Middleware FabEagle Connect um neue Funktionen…
-
CleverReader
Kompakter Codeleser für schnelle Anwendungen
Mit dem CleverReader von Pepperl+Fuchs steht ein stationärer 1D-/2D-Codeleser für zuverlässige Identifikationsaufgaben in…
-
TÜV Nord: Zertifizierung für sichere Entwicklungsprozesse
Bachmann Electronic erlangt IEC62443-4-1 – ML 3
Bachmann Electronic hat die Zertifizierung nach IEC62443-4-1 auf Maturity Level 3 erreicht.
-
Hochsicherer Entwicklungsprozess für Industrieprodukte:
Genua erhält IEC-62443-4-1-Zertifikat
IT-Sicherheitshersteller Genua wurde nach IEC62443-4-1 zertifiziert.
-
Color Camera für hochpräzise RGB-Druckmarkenerkennung
Closed-Loop-Vision für ausschussfreie Druckproduktion
B&R erweitert sein Vision-Portfolio um eine neue Color Camera zur hochpräzisen RGB-Druckmarkenerkennung.
-
Nur ein Drittel fühlt sich gut auf den CRA vorbereitet
Laut aktueller Umfrage des AMA Verbands ist die Vorbereitung der Unternehmen auf den…
-
78,6% durch Iran-Krieg verunsichert
Die Unsicherheit unter den Unternehmen in Deutschland hat in den vergangenen Wochen deutlich…
-
Robuste Connectivity als Rückgrat der hypervernetzten Produktion
Netzwerke für Digitalisierung in rauer Umgebung
R&M entwickelt durchgängige Infrastrukturlösungen für industrielle Datennetze – von der Feldebene bis zur…
-
Hannover Messe mit Besucherrückgang zu 2025
110.000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt nahmen an der weltweit führenden Messe…
-
NewGen Multitouch-HMIs
Volle Visualisierungspower
Mit der NewGen-Serie bietet Sigmatek leistungsfähige Web-Panels für anspruchsvolle Visualisierungsaufgaben.
-
Embedded-Modul
Multiprotokoll-Modul für cybersichere industrielle Kommunikation
Hilscher stellt mit dem comX 90 ein neues Embedded-Modul für industrielle Kommunikationsschnittstellen vor.
-
Habia stellt Führung neu auf
Habia gibt zwei bedeutende Veränderungen in der Unternehmensführung bekannt: Zum 1. April übernimmt…
-
Sieb & Meyer erweitert Fertigungskapazitäten in Lüneburg
Im zweiten Quartal verlagert Sieb & Meyer Teile seiner mechanischen Fertigung in eine…
-
Lapp: zwischen globalen Kundenerwartungen und lokaler Flexibilität
Lapp positioniert sich zwischen zwei Logiken: international einheitliche Standards auf der einen und…
-
Eigene Sensortechnik schützt die Produktion vor ungeplanten Stillständen
Moneo macht Maintenance smart
Wer Sensoren und Automatisierungskomponenten für die Industrie fertigt, muss in der eigenen Produktion…
-
FMEA trifft künstliche Intelligenz
Für präzise, konsistente und nachhaltige Analysen
Die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) gehört seit Jahrzehnten zum Kern des präventiven Qualitätsmanagements.…
das könnte sie auch interessieren
-
Sensorlose Sicherheitsfunktionen für die Antriebstechnik
Werkzeugmaschinen & Co sicher betreiben – ohne Drehzahlgeber
-
Für kleinere bis mittlere Anlagenbauer
Drahtkonfektionier-Vollautomat
-
Energie- und Auslastungsmonitoring
Strommesseinheit
-
Für den Schaltschrankbau
Robuste Schaltnetzteile
















