SPS: Geht der Trend zur webbasierten Visualisierung über Browserpanel, und die Visualisierung wandert in die Steuerung? Berz: Dies ist nur ein Zwischenschritt, weil die umfassende Lösung auf dem Markt bisher weitgehend gefehlt hat. Die Visualisierung über Browser ist eine notwendige und wichtige Funktion für den Fernzugriff. Die Visualisierung vor Ort stellt aber sehr hohe Ansprüche. Der Bediener ist es zu Recht gewohnt, Daten mit einer Aktualisierungsrate im Bereich von Millisekunden zu betrachten sowie eine direkte Reaktion auf seinen Tastendruck zu bekommen. Viele Anbieter bewegen sich aber von diesem Anspruch weg, nur um den Aspekt der universellen Bedienbarkeit mit Browsern abdecken zu können. Der Webserver gehört aber in das Visualisierungsgerät und nicht in die Steuerung, genauso wie der Browser nicht in das Bediengerät gehört, sondern nur für den Fernzugriff verwendet werden sollte. Nur so ist vor Ort der Bedienkomfort gesichert, die Bedienbarkeit aus der Ferne ohne spezielle Hard- und Software gegeben und die Leistungsfähigkeit der Anlage jederzeit sichergestellt. SPS: Moderne Steuerungen haben immer mehr Ressourcen frei, sodass für umfangreiche Visualisierungsaufgaben genug Performance vorhanden ist. Haben reine Bediengeräte nicht bald ausgedient? Berz: An der klassischen Teilung zwischen Steuerungstechnik und Visualisierung ist nicht zu rütteln. Die Steuerung sollte man zu Recht nicht mit Webapplikationen und Visualisierung belasten. Die Performance der heutigen Steuerungen mag ausreichend sein, jedoch bleibt sie eine risikoreiche Unbekannte. Außerdem lehren uns Stuxnet und andere, dass wir das Internet möglichst aus dem direkten Prozess heraushalten sollten. Wer möchte denn auf seiner SPS schon gerne noch eine Firewall und ein Antivirenprogramm laufen haben, welches sich womöglich noch ständig automatisch aktualisiert und dennoch immer etwas weniger aktuell ist als die Viren? Müssen wir ein Mehr an Performance denn grundsätzlich mit einem Mehr an ungewünschten oder sogar ungewollten Tasks aufwiegen? Die derzeitigen auf dem Markt erhältlichen, in die Steuerung integrierten, Visualisierungen bieten außerdem nur reine Basisfunktionalität und kaum Zusatznutzen. Die Zusatzfunktionen werden dann oftmals wiederum mit externen Geräten oder über komplizierte Umwege implementiert. Also werden weitere Komponenten eingesetzt, anstatt den ganzen Komplex direkt mit dem Gerät zu erledigen, das hierfür am besten in Frage kommt. SPS: Also einen Industrie-PC mit Scada-Paket anstelle von klassischen Bediengeräten, um die komplette Funktionalität des Datenmanagements abbilden zu können? Berz: Auf keinen Fall! Auch aus diesem Bereich sollten wir die Viren- und Spyware-anfällige Computerwelt so weit wie möglich heraushalten. Anstatt das bewährte Konzept von der einfachen, auf den Prozess abgestimmten, lokalen Bedienung, die nach wie vor noch ein kleines Textdisplay sein könnte, durch einen überdimensionierten Panel-PC zu ersetzen, sollte man ein Bediengerät wählen, welches die lokale Bedienung ideal abdeckt und darüber hinaus weitere Aufgaben übernimmt. Dieses Gerät fungiert dann als Schnittstelle zur IT-Welt und übergibt dieser die gewünschten Daten in entsprechend aufbereitetem Format und erlaubt gegebenenfalls den Fernzugriff – z.B. auf die Visualisierung. SPS: Wie sieht das Bediengerät der Zukunft Ihrer Meinung nach also aus? Berz: Neben der klassischen Visualisierungsaufgabe mit all ihren Facetten ist zum einen eine erweiterte Konnektivität ein ganz wesentlicher Aspekt. Im Kommunikationszeitalter wollen wir doch alle verfügbaren Daten von überall und jederzeit einsehen können. Dazu brauchen wir nicht nur genug Schnittstellen, um die Daten zu sammeln, sondern auch verschiedene Möglichkeiten, die Daten weiterzuleiten. Darüber hinaus müssen die Geräte die gesammelten Daten nicht nur visualisieren, sondern auch mitschreiben können. Eine integrierte Datenlogger-Funktion ist daher das zweite entscheidende Merkmal. Als Drittes wird kein Bediengerät ohne Fernzugang über Webtechnologie auskommen. Webserver, FTP-Server, E-Mail- und SMS-Funktion sind bei Bediengeräten bald genauso Standard wie das ABS beim Auto – wobei natürlich auch die entsprechenden Sicherheitsstandards zu berücksichtigen sind. Da sämtliche Funktionen außerdem ineinander übergreifen, ist es umso wichtiger, diese Aufgaben von einer einzigen, zentralen Einheit erledigen zu lassen. So gehören Fernzugriff und Konnektivität eng zusammen, da sie über den Fernzugang auch gerne auf sämtliche Komponenten zugreifen, und hierfür nicht weitere Geräte einsetzen möchten. Auch sollten die Datenlogs z.B. einfach über Webserver oder FTP-Server abrufbar sein. Kurz: Von vorne bleibt es das klassische Bediengerät – robust, langlebig, zuverlässig – aber die Rückseite gibt den Blick auf viele Schnittstellen und auf Speichermedien frei. Außerdem sollte es idealerweise ein \’fensterloses\‘ Betriebssystem beinhalten. SPS: Und Red Lion hat solche Geräte im Programm? Red Lion bietet diese Funktionalitäten schon seit vielen Jahren in seinen Bediengeräten als Standard. Als wir im Jahre 2003 unsere Software Crimson 2.0 auf den Markt gebracht haben, gehörten die Gateway-Funktionalität, der Datenlogger sowie der Webserver schon zu den elementaren Bestandteilen. Heute, acht Jahre danach, hat sich die Software natürlich enorm weiterentwickelt; aber immer noch kreist alles um die wesentlichen Funktionen Visualisierung, Protokollwandlung/Gateway, Datenlogger sowie Fernzugriff/Webserver. Für den lokalen Bediener ist es immer ein \’ganz gewöhnliches\‘ Bediengerät mit den entsprechend schnellen Reaktionszeiten und der Sicherheit vor Abstürzen und Viren durch das proprietäre Betriebssystem von Red Lion. Aber im Hintergrund laufen unbemerkt eine Vielzahl von Prozessen ab, die der Bediener nicht in diesem Gerät vermuten würde, die aber bei nüchterner Betrachtung ganz logisch dorthin gehören und eben nicht in die Prozesssteuerung. Und dies gilt für das 3,8\“-Textdisplay mit Tastatur bis zum 15\“-Touchscreen, oder eben – falls vor Ort gar keine Bedienung erforderlich ist – ganz ohne lokale Bedienoberfläche. SPS: Ein Bediengerät ohne Display? Was macht das für einen Sinn? Berz: Das macht dann Sinn, wenn man das Bediengerät als Datenmanagement-Zentrale betrachtet. Der Zusatznutzen dieses Gerätes ist so enorm, dass der Zusatznutzen für sich genommen ausreicht. Es gibt zahlreiche Beispiele für Anlagen, die im Grunde nie lokal bedient werden, aber bei denen neben der Bedienung aus der Ferne auch viele andere Funktionen des HMIs wie z.B. Alarmierung und Datenaufzeichnung wichtig sind. Hierfür steht unsere Data Station Plus.
Visualisierung in der Post-Stuxnet-Ära Interview mit Andreas Berz von Red Lion Controls Inc.
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