Denn der Blick auf den Total-Cost-of-Ownership-Effekt gehört ausdrücklich dazu. Ein kleinerer Schaltschrank ist nur ein Teil der Rechnung; dazu kommen Klimatisierung, Wartung, Energiebedarf und Platzkosten. In großen Produktionshallen kann der Verzicht auf eine zusätzliche Schaltschrankebene schnell Millionenbeträge beim Bau und im Betrieb sparen. Der hardwareseitige Aufpreis dezentraler Systeme relativiert sich damit, sobald die Maschine als Gesamtsystem betrachtet wird. Genau diese Argumentation will man in Kirchheim mit Fakten, Modellen und realen Umbauten untermauern.

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Bild: TeDo Verlag GmbH

Software statt Angst

Die Gespräche in Kirchheim machen deutlich, dass Murrelektronik den Wandel zur dezentralen Automatisierung nicht als reines Technologie-, sondern auch als Akzeptanzthema begreift. Viele Kunden bringen Skepsis mit: wegen neuer Programmierumgebungen, wegen Safety-Fragen, wegen möglicher Mehrkosten oder schlicht wegen der Angst, bewährte Prozesse aufzugeben. Deshalb arbeitet man mit abgestuften Modellen – vom Training über Teilprogrammierung bis zur kompletten Automatisierung als Dienstleistung.

Besonders wichtig sind dabei fertige Libraries und Bausteine. Wer etwa aus der Siemens-Welt kommt, soll nicht auf einmal vor einem unüberschaubaren Codesys-Ökosystem stehen. Die Software muss helfen, nicht abschrecken. Murrelektronik setzt deshalb auf parametrierbare Bausteine, die die Hürde senken, ohne die Tiefe der Lösung zu verlieren. Auch bei IO-Link oder anderen Partnerprodukten geht es darum, Herstellerlogik zu abstrahieren und dem Anwender eine einheitliche Oberfläche zu geben.

„Wir haben unterschiedliche Bausteine in der Software. Im Expert Level kann man jedes einzelne Bit setzen. Bei den Basic-Bausteinen heißt es jedoch parametrieren statt programmieren. Nach ein paar Konfigurationsklicks läuft die Anlage meist schon“, erläutert Knoop. Genau dieser Schieberegler-Ansatz ermögliche es, Kunden dort abzuholen, wo sie stehen – ob als erfahrene Programmierer oder als Umsteiger, die sich erst in der neuen Welt zurechtfinden müssen.

Diagnose, Service, Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt des Standorts ist die Veranschaulichung der Diagnosemöglichkeiten die Vario-X bietet. LED-Ringe an Motoren, Zustandsanzeigen rundum, digitale Rückmeldungen über Cloud, HMI oder Servicezugang: All das dient dazu, Fehler schneller einzugrenzen und Inbetriebnahme wie Betrieb überschaubarer zu machen. Gerade bei komplexen Zellen mit vielen Antrieben hilft eine von allen Seiten sichtbare Anzeige mehr als eine schlecht zugängliche LED an einer ungünstigen Stelle. Das ist kein spektakuläres Detail, aber ein typisches Beispiel für den praktischen Nutzen des Systems.

Hinzu kommt die Offenheit für unterschiedliche Kommunikationswelten. Ethercat, Profinet, Ethernet/IP oder andere Feldbusse lassen sich softwareseitig umschalten, ohne die Hardware zu tauschen. Für den internationalen Maschinenbau ist das ein starkes Argument, weil sich Anlagen so mit derselben Plattform in verschiedenen Märkten einsetzen lassen. Im Zusammenspiel mit virtueller Inbetriebnahme, Condition Monitoring und Fernwartung entsteht daraus ein Baukasten, der den Standort in Kirchheim weit über den Charakter eines Technologievorführraums hinaushebt.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Ortes, an dem nicht bloß Komponenten gezeigt, sondern Denkweisen verschoben werden. Kirchheim steht damit für einen sehr praktischen Anspruch: Automatisierung soll einfacher, transparenter und näher an der Maschine werden. Und genau das ist hier nicht nur zu sehen, sondern im besten Sinne zu erleben.

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