HMI-Retrofitting für Werkzeugmaschinen

Im Laufe eines Maschinenlebens erblicken mehrere CPU-Generationen das Licht der Welt und werden wieder abgekündigt. Trotz Langzeitverfügbarkeit gelingt es daher nicht immer, im Falle eines Defekts Ersatz für den Panel-PC zu beschaffen. Hierfür bietet die MSC Tuttlingen GmbH ein individuelles Retrofitting-Programm an. Mehr als zehn Jahre Standzeit für eine Werkzeugmaschine sind keine Seltenheit. Infolge betriebsbedingter Beanspruchung und rauer Umgebungseinflüsse unterliegen einzelne Komponenten einer natürlichen Alterung bis hin zum Defekt. Der Tausch einer einzelnen Komponente ist oft zu zeitaufwendig (z.B. Festplattenausbau) oder unmöglich (z.B. abgekündigtes Netzteil). Nur der Wechsel des kompletten Panels hält den Maschinenstillstand so gering wie möglich. Gleichzeitig ist die Gefahr von Ausfällen ebenfalls gealterter Einzelteile gebannt. Verglichen mit den Aufwendungen für einzelne Systemkomponenten entstehen beim Kompletttausch hohe Kosten. Diese werden aber unmittelbar kompensiert, insbesondere durch den geringen Maschinenstillstand, den Wegfall von Einlernzeiten für den Bediener und die geringeren Betriebskosten. Voraussetzung hierfür ist die mechanische Kompatibilität. Hierzu werden Frontplatte, Einbaumechanik und Gehäuseabmessungen auf die Gegebenheiten angepasst. Der Service-Mitarbeiter vor Ort muss nur das alte Panel demontieren, das neue einbauen und an Profibus und Versorgungsspannung anschließen. Das Retrofit-Panel basiert auf einem kompakten Singleboard-Computer mit angepasster, mechanischer Aufnahme. Die Baugruppe stellt alle notwendigen Funktionen bereit, z.B. den adaptierten Tastaturcontroller für die kompatible CNC-Tastatur. Die angepasste Gehäusemechanik wird von der IP65-geschützten Frontplatte ergänzt. Sie verfügt über eine tropenfeste Folientastatur, die den Einsatz in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit ermöglicht. Aufgrund des gewohnten \’Look and Feel\‘ kann ein Bediener nach dem Panel-Tausch ohne zusätzliche Einlernphase weiterarbeiten. In einem konkreten Fall wurden weit über zehn Jahre alte Bedienfelder ersetzt. Im Vergleich zu damals sind CPU- und Chipsatzleistung stark angestiegen – bei verringerter Stromaufnahme. Lag die Verlustleistung der schwächeren CPU im Vorgänger-Panel noch bei bis zu 25W, konnte das Retrofit-Panel mit einer lüfterlosen ULV-CPU (Ultra Low Voltage) mit 5,5W Verlustleistung (TDP) ausgestattet werden. Ein weiterer Vorteil, der im Retrofit-Panel genutzt wurde, ist der Einsatz moderner Solid State Disks (SSDs) mit entsprechender Kapazität. So konnte das Retrofit-Panel ohne rotierende Verschleißteile ausgelegt werden. Daraus ergibt sich eine geringere Stromaufnahme des Gesamtsystems, weniger Wärmeentwicklung und eine höhere Lebensdauer. Neben der mechanischen ist die softwareseitige Kompatibilität für den Anwender ein entscheidendes Kriterium, falls er die bisherige Visualisierungssoftware weiter einsetzen will. Hierfür werden DOS- und Windows-3.11-Unterstüzung mit entsprechenden Treiberanpassungen vorausgesetzt. Somit ist HMI-Retrofitting von Werkzeugmaschinen eine Möglichkeit, das Bedien- und Visualisierungssystem ohne lange Stillstandzeiten auf den aktuellen technischen Stand zu bringen.