Roboter werden sensibler, die Menschen auch

Er ist nachgiebig, besitzt Feingefühl und steht auf eigenen Beinen. Die Rede ist hier allerdings nicht von einem besonders netten Menschen, sondern von einem Roboter, der je nach Aufgabenstellung seine pneumatischen Muskeln spielen lässt. Romo, eine Entwicklung der Linzer FerRobotics Compliant Robot Technology GmbH, profitiert von einer ausgefeilten Technologie, mit der er seine Umgebung genau erspüren kann. Wie weit kann ich gehen? Wo liegen die Grenzen? Das sind Fragen, die er sich beispielsweise beim Stapeln von Teilen stellt. Er weiß, wann es richtig ist, loszulassen, weil er die Teile bereits auf Anschlag in die Maschine reingelegt hat. So manch ein Mensch könnte sich von diesen Fähigkeiten Romos ein paar Scheiben abschneiden. Denn es stellt sich immer öfter die Frage: Wie sieht es mit unserem Feingefühl aus? Bleibt uns dieses – falls überhaupt vorhanden – auch in Konfliktsituationen noch erhalten? Wissen wir, wann welches Verhalten angebracht ist? Wir sollten es wissen. Denn trotz aller Automatisierung bleibt der Mensch laut Georg Sommer, Leiter des Entwicklungsteams des Bachelor-Studiums High Tech Manufacturing an der FH Campus Wien, das flexibelste Werkzeug in einer Fertigungshalle. Und von einem Techniker wird heutzutage zunehmend verlangt, dass er nicht nur fachlich, sondern auch menschlich seinen Mann steht. Er sollte nämlich mit Maschinen und Anlagen sowie mit Kollegen und Kunden bestens klar kommen. Früher konnte er vielleicht noch in einem stillen Kämmerlein oder in der Fertigungshalle ein relativ abgeschiedenes Dasein fristen. Heute ist er großteils in Netzwerke und soziale Systeme eingebunden. Aber die traurige Wahrheit ist: Obwohl wir es eigentlich von klein auf lernen, können wir es in manchen Situationen trotzdem nicht – kommunizieren und mit anderen auf produktive Art und Weise interagieren. Höchste Zeit also unsere Soft-Skills zu trainieren, sonst werden wir in dieser Hinsicht am Ende noch von feinfühligen Robotern überrundet. (Sandra Winter)