Worin unterscheidet sich Microglyph von anderen Codes? A. Enzinger: Ein wesentlicher Unterschied ist das völlig andere Grundprinzip. Anders als bei den bekannten Codes werden Binärdaten nicht in einem Punkt- oder Flächenraster mit einem deutlichen hell/dunkel-Kontrast dargestellt, sondern die Information steckt in der Ausrichtung winziger geneigter Linien, den \’Glyphs\‘. So wird zur Darstellung nur sehr wenig Kontrast benötigt. Der Code wird für das Auge unsichtbar in Grafiken oder Bilder integriert und kann völlig frei geformt werden. Hervorzuheben ist die große Robustheit und die Eignung für gewölbte und gekrümmte Oberflächen. Welche Anwendungsbereiche gibt es? A. Enzinger: In der Regel werden Microglyph Codes zur Prozesssteuerung eingesetzt und um die Rückverfolgbarkeit von Produkten oder Bauteilen zu gewährleisten, um sie somit auch vor Fälschungen zu schützen. Man kann derzeit zwei Hauptanwendungsbereiche nennen: Der Bereich des Direct-Part-Marking (DPM) und der Bereich Packaging. Beim DPM werden in der Regel Industrielaser eingesetzt um Teile und Produkte dauerhaft und robust zu markieren. Wobei sich prinzipiell die unterschiedlichsten Materialien eignen. Beispiele sind alle Arten von Metallen oder Kunststoffen, Holz, Keramik oder Glas. Dabei sind die Robustheit der Codes, sowie die freie Formbarkeit von besonderer Bedeutung. Die Verpackungsindustrie setzt Microglyph ein, um Codes fast unsichtbar für den Konsumenten in Verpackungsdesigns zu integrieren. Dabei werden die Codes meist gedruckt, in der Regel mit Massendruckverfahren wie Tiefdruck, Offsetdruck oder Flexodruck. Wie robust sind die Codes? A. Enzinger: Microglyphs sind generell sehr unempfindlich gegenüber schwierigen Bedingungen, wie sie in Produktionsumgebungen häufig anzutreffen sind. Die Codes benötigen beispielsweise zum Auslesen keine einheitlichen, definierten Beleuchtungsverhältnisse. Zur erfolgreichen Decodierung genügt im Prinzip ein Kontrastverhältnis von weniger als 1%, das mit dem freien Auge nicht mehr wahrnehmbar ist. Die Robustheit der Codes gegenüber tatsächlichen Beschädigungen wird vom Anwender über die frei wählbare Redundanz festgelegt. Ein stark zerstörter Code, bei dem bis zu 90% Codefläche fehlen, ist bei entsprechender Redundanz dennoch zuverlässig lesbar. Die Codes sind nicht auf Synchronisationsmuster oder Quiet-Zones angewiesen. Das führt dazu, dass keine \’hot spots\‘ entstehen, die besonders sensibel auf Zerstörungen reagieren. Die Codes werden für Direct-Part-Marking Anwendungen daher meist bei erschwerten Bedingungen eingesetzt, z.B. wenn starke Verschmutzungen durch Öl oder Staub auftreten oder Beschädigungen durch abrasive oder thermische Einflüsse zu erwarten sind. Sie eignen sich besonders gut für viele schwer markierbare Materialien wie Reifengummi oder Kunststoffe, bei denen eine Lasermarkierung nur kaum sichtbare Kontraste erzeugen kann, aber auch für spiegelnde, gewölbte Metalloberflächen. Welche Bedeutung hat die freie Formbarkeit in der Praxis? A. Enzinger: Die Markierung von Bauteilen zur Produktionssteuerung und Rückverfolgung hat in vielen Industriezweigen inzwischen eine sehr große Bedeutung. Bei den Automobilzulieferern z.B. sind oft kleine, besonders hochwertige Bauteile anzutreffen, die aber keine ausreichenden rechteckigen Flächen für herkömmliche Matrixcodes aufweisen. Sehr häufig finden sich dort gedrehte, zylinderförmige Teile, wobei lediglich eine schmale, ringförmige Oberfläche auf der Stirnseite zur Markierung zur Verfügung steht. Microglyph Codes können nahezu jede beliebige Form annehmen – z.B. Ringe, schmale Streifen, beliebige Polygone – die sich an die Geometrie der Bauteile exakt anpassen lässt (Bild 1). Ein weiterer Aspekt der freien Formbarkeit ist die Möglichkeit, die Codes in Logos oder Symbole zu integrieren. So lassen sich Bauteile mit einem Firmensignet versehen, das gleichzeitig als unauffälliger, getarnter Code fungiert. Sie haben die Stirnseite zylinderförmiger Bauteile angesprochen. Lassen sich die Codes auch auf einer gewölbten Mantelfläche aufbringen? A. Enzinger: Microglyph eignen sich in der Tat besonders gut für gewölbte, z.B. auch sphärisch gekrümmte, also kugelförmige Oberflächen. Dort treten im Prinzip perspektivische Verzerrungen auf. Das können aber auch Verzerrungen sein, die durch starke Umformung der Bauteile während des Fertigungsprozesses entstehen. Welche Vorteile ergeben sich im Bereich Packaging? A. Enzinger: Neben den bereits angesprochenen Eigenschaften, ist der Microglyph für die Verpackungsindustrie von besonderem Interesse, weil er sich selbst an prominenter Stelle auf Verpackungen unterbringen lässt ohne vom Konsumenten wahrgenommen zu werden (Bild 3). Die Codes sind für das freie Auge praktisch unsichtbar wenn sie in Bilder oder Hintergrundgrafiken integriert werden. Im Supermarkt sind sie wahrscheinlich bereits auf Markenartikel gestoßen, die auf der Präsentationsfläche mit Microglyph Codes markiert sind. Als Konsument werden sie sie dennoch nicht bemerkt haben. Was war die bisher außergewöhnlichste Anwendung? A. Enzinger: Im Bereich Direct-Part-Marking wurde bei einem Automobilzulieferer eine Anwendung mit hochwertigen Teilen aus Sintermetall realisiert. Die nur ca. 5mm großen Teile, bieten eine relativ kleine ringförmige Fläche und werden sofort nach dem Drucksinterprozess mit speziell geformten Microglyph Codes markiert. Die Lesesysteme identifizieren jedes individuelle Teil und steuern und überwachen dann die folgenden Fertigungsschritte. Im weiteren Verlauf schrumpfen die Teile jedoch u.a. durch thermische Härtungsprozesse um ca. 30%, wobei sie sich zusätzlich auch stark verfärben. Die Codes bleiben dabei vollständig lesbar und sorgen für einen prozesssicheren Ablauf. Mithilfe der Microglyph Codes wurde im Bereich Packaging bei einen großen weltweiten Markenartikler ein einzigartiger Verpackungsprozess realisiert. Bei der Produktion von jährlich knapp eine Milliarde Artikeln mit vielen verschiedenen Ausprägungen in Form von Sorten und Länderclustern, steuern Microglyph-Lesesysteme die Verpackungs- und Palettierungsanlagen. Außerdem sind sie für die Qualitätssicherung verantwortlich. Die Systeme überwachen beispielsweise die Sortenreinheit und Vollständigkeit in den Umverpackungen und stellen die exakte Position der Packmittel sicher. Was sind Ihre Ziele für die Zukunft? A. Enzinger: Microglyph ist seit ca. sieben Jahren im weltweiten Auto-ID Markt erfolgreich tätig. In Fachkreisen hat sich der Code inzwischen als Geheimtipp für besonders anspruchsvolle Anwendungen etabliert. Für die Realisierung und die Umsetzung beim Anwender, arbeiten wir mit einem bewährten Netzwerk von Hardware- und Integrationspartnern zusammen. Dieses Netzwerk, zu dem auch namhafte Hersteller von Laser- und Lesegeräten gehören, werden wir in Zukunft weiter ausbauen. Den Status als Geheimtipp wollen wir durchaus weiter pflegen. Dennoch ist es unser Ziel, gemeinsam mit unseren Partnern, gezielt und offensiv vor allem Anwender anzusprechen, die Ihre Auto-ID Projekte mit herkömmlichen Matrixcodes nicht erfolgreich umsetzen können.
Was ist ein Microglyph?
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