Wer dieser Tage in Beijing landet, für den beginnt eine Zeitreise der besonderen Art, eine Zeitreise im Sekundentakt. Hier der überbordende Luxus von heute mit neonbunten Konsumtempeln, dort die rückständig bittere Armut von gestern mit provisorischen Hütten aus Pappkartons auf Lehmböden. Achtlos läuft der Yuppie im Armani-Outfit, das Highend-Notebook lässig unterm Arm, an dem zerlumpten Fahrradreifenflicker vorbei, dessen komplette \’Werkstatt\‘ in eine verwitterte Holzkiste passt. Zwei Epochen leben in Beijing nebeneinander; ohne sich zu berühren, so scheint es. Getrennt einzig durch eine unsichtbare Mauer, die nicht aus Steinen, sondern aus Bildung besteht. Wo beim letzten Besuch noch alte Barackenviertel verfielen, ragen beim nächsten womöglich schon Wolkenkratzer in den smogverhangenen Himmel. Wo vor kurzem noch Hunderttausende von Fahrrädern über breite, aber ramponierte Straßen hoppelten, cruisen jetzt bereits über drei Millionen Autos auf immer neuen City-Ringen. Das Tempo, mit dem das Gestern vom Heute und Morgen verdrängt wird, ist wirklich atemberaubend. Und es erhöht sich Tag für Tag. Konfizius sagt: \“Macht sie wohlhabend – und unterrichtet sie!\“ So verfemt die Lehren des Konfuzius in Maos Zeiten auch gewesen sein mögen – inzwischen stehen sie wieder hoch im Kurs. Zum Beispiel der Rat des alten Meisters, wie man denn die Menschenmassen auf einem gut besuchten Markt am besten in den Griff bekommt: \“Macht sie wohlhabend – und unterrichtet sie\“, empfahl er kurz und bündig. Eine Sentenz, die sich seine Nachfahren in der jüngeren Vergangenheit ganz offensichtlich mehr zu Herzen nahmen als je zuvor. Mit wirtschaftlichen Wachstumsraten von durchschnittlich rund 9% in den vergangenen 20 Jahren hat sich das bevölkerungsreichste Land der Erde eine völlig neue Position im Weltgeschehen erobert. Wann hätte je so viel Kapital in so kurzer Zeit die Fronten gewechselt? Rund 700Mrd. US-Dollar hat der Westen bereits im fernen Osten investiert, seit die Chinesische Mauer zumindest für Geld und Know-how durchlässig geworden ist; allein 60 davon in den letzten beiden Jahren. Auch in Sachen Bildung bahnt sich die Weltrevolution längst an. Vieles spricht dafür, dass der technologische Vorsprung des Westens nicht mehr allzu lange Bestand haben wird: In China und Indien verlassen derzeit Jahr für Jahr fast eine halbe Million Naturwissenschaftler und Ingenieure die Universitäten – ungefähr sieben Mal so viele wie beispielsweise in den USA. 2008 wird diese Schere nach Ansicht von Experten noch weiter auseinander klaffen. Schon heute ist China weltweit die Nummer eins in der Herstellung verschiedenster Produkte – von Schuhen bis zu Klimaanlagen. Vor kurzem löste China auch in der Automobilproduktion den Erzrivalen Japan auf Platz zwei der Weltrangliste ab. Und sogar den größten Börsengang der Welt erlebten eben nicht die Finanzgurus an der Wallstreet, sondern ihre Kollegen in Hongkong und Shanghai. Kein Wunder also, dass die Global Player allesamt wie gebannt gen Osten blicken – mit einem Auge auf der Suche nach neuen Märkten, mit dem anderen nach kostengünstigen Fertigungsstandorten. Entsprechend rasant steigt denn auch die Nachfrage nach geeigneten Produktionsanlagen auf der nach oben offenen China-Skala. Vor allem Automatisierungssysteme haben gigantische Marktchancen, allerdings aus völlig anderen Gründen als in den meisten Teilen der Welt: Personalersparnis und Arbeitszeitverkürzungen haben derzeit im Land des Drachen noch keine hohe Priorität – wenn Maschinen dort mit modernster Technologie ausgestattet werden, geht es in erster Linie um Fehlervermeidung sowie um kostenoptimierte, reproduzierbare Fertigungsprozesse (siehe Kasten \’Die drei Säulen des AS-Interface-Erfolgs in China\‘). Und letztlich auch um Image: Denn der Hinweis \’Made in China\‘ soll möglichst dieselbe Karriere machen wie einst das gute alte \’Made in Germany\‘ – von der Warnung vor Billigprodukten zum international anerkannten Gütesiegel. Die Zukunft spricht AS-i – auch in Asien Was die Gesamtkonzeption ihrer Produktionsanlagen betrifft, haben die chinesischen Anwender allerdings im Moment noch ein Problem: Anders als in Europa und den USA, wo sich auf dem zweiten und dritten Level der Automatisierungspyramide inzwischen Standards etabliert haben, ist in Asien noch völlig offen, welche Systeme sich auf der Leitebene am Ende durchsetzen werden. Mit der Rodung ihrer aufwändigen Verdrahtung können die fernöstlichen Unternehmen freilich trotzdem schon einmal beginnen: Denn mit AS-Interface steht an der Basis der Automation ein System zur Verfügung, das nicht zuletzt wegen seiner Teamplayer-Qualitäten als Nummer eins in der Welt gilt. Weil sich das Aktor-Sensor-Interface bekanntlich mit allen gängigen Systemen der nachgeordneten Ebenen gleichermaßen gut versteht, ist klar: Die Zukunft spricht AS-i – auch in Asien. Seine Pole Position im Rennen der Automatisierungssys-teme in China verdankt AS-Interface freilich noch einer ganzen Reihe weiterer Gründe. Z.B. der Tatsache, dass AS-i in vollem Umfang den gültigen chinesischen Normen entspricht. Auch die frühe Gründung einer eigenen Organisation in Beijing machte sich bezahlt – und zwar ganz konkret in den Auftragsbüchern der Mitgliedsunternehmen: So sind Anwendungen mit AS-Interface bereits in zahlreichen Anlagen der Automobil- und Tabakindustrie sowie im Bereich der Hafen- und Transporttechnik zu finden. AS-i am Flughafen Peking: Ein Herz für den Drachen Eine besonders spektakuläre AS-Interface-Applikation wird beispielsweise im Sommer 2008 dabei helfen, den olympischen Besucherandrang auf dem Beijing Capital International Airport zu bewältigen: Im Innersten des neu gebauten Terminals, dessen Architektur dem Drachen aus der chinesischen Mythologie nachempfunden ist, arbeitet eine der größten und schnellsten Gepäckbeförderungsanlagen der Welt – auf Basis von AS-Interface. Bis zu 19.000 Gepäckstücke lassen sich hier Stunde für Stunde sortieren und transportieren. Eine Leistung, die die jährlichen Kapazitäten des Flughafens dramatisch erhöht: auf 500.000 Flugzeuge, 1,8Mio. Tonnen Fracht und 60Mio. Passagiere. Herzstück der insgesamt etwa 70km Fördertechnik umfassenden Anlage ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, auf der die Koffer und Taschen mit 40km/h unterwegs sind: vom Kopf des Drachen, in dem sich die Eingangshalle mit 330 Check-In-Schaltern befindet, durch einen rund 2,5km langen Tunnel im Rumpf bis zum hinteren Teil des Ungeheuers, in dem das internationale Terminal untergebracht ist. Nicht mehr als 25 Minuten brauchen die Gepäckstücke vom Check-In in den Laderaum des am weitesten entfernt geparkten Flugzeugs. Damit sie bei dem Tempo nicht vom Band fallen, verfrachtet sie das System nach dem Eincheck-en auf kleine, mit RFID-Chips versehene Kastenwagen. Die Daten des jeweiligen Passagiers und den entsprechenden Zielflughafen bekommen die Chips in Bruchteilen von Sekunden per Funk einprogrammiert. Das technologische Rückgrat des Drachen besteht aus rund 9.000 Antriebseinheiten, die über IT- und Automatisierungssysteme miteinander verbunden sind und vor Ort über dezentrale Peripherie angesteuert werden. Dass dabei auf der Aktor-Sensor-Ebene AS-Interface zum Einsatz kommt, dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Neben der hohen Robustheit gegen äußere Einflüsse und der beinahe schon sprichwörtlichen Effizienz in der Installation geht es bei Airportanwendungen nicht zuletzt auch um die einfache Bedienbarkeit: So braucht der Instandhalter in Peking künftig nur sein Handgerät oder einen Laptop an die Diagnosebuchse eines Motorstarters anzuschließen – und schon kann er auf einen Blick sämtliche AS-i Slaves auslesen, die an einem Strang hängen. Kasten 1: Die drei Säulen des AS-i Erfolgs in China Dr. Thomas Sebastiany, Leiter der Technischen Kommission der Herstellervereinigung AS-International und damit gewissermaßen oberster \’Gralshüter\‘ des Systems, über die wichtigsten Vorteile von AS-Interface aus der Sicht chinesischer Anwender
AS-Interface in China: Ready for take-off
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