Drehflügelmesser für exakte Füllstanderfassung im Rauchgasbunker Optimale Rauchgasreinigung in Müllverbrennungsanlage

Europa produziert jährlich 1,8Mrd. Tonnen Abfall, von dem trotz eingeführter Recycling-Aktivitäten Tonnen an Restmüll übrigbleiben. Diese scheinbar wertlosen Reste bilden als wertvoller Brennstoff die Grundlage zur Energieerzeugung. Das hat auch das niederländisch-deutsche Unternehmen EVI Abfallverwertung B.V. & Co. KG nahe Coevorden und Emlichheim/Laar erkannt. An seinem Standort betreibt das Unternehmen eine hochmoderne Müllverbrennungsanlage: die \’Europark Verbrennings Installatie\‘ (EVI). Insgesamt 365.000Mg/a an Gewerbe- und Haushaltsmüll verbrennt die gesamte Anlage und erreicht damit eine elektrische Leistung von 46MVAel beziehungsweise eine thermische Leistung von 2 x 76MWth. Einzigartig an EVI ist die grenzüberschreitende Lage. Während die Verbrennungsanlage auf deutschem Gebiet steht, wird auf niederländischem Territorium mit der Turbine und dem Generator Elektrizität erzeugt. Die Müllverbrennungsanlage produziert im Verbrennungsprozess Dampf, der als thermische Energie über einen Turbinenrotor an einen 70 Megawatt-Generator geleitet wird. Im Generator wird die Rotorenergie in elektrischen Strom mit einer Spannung von 10.000V umgewandelt. Insgesamt deckt die Anlage mit der hergestellten Energie 0,4% des gesamten niederländischen Strombedarfs. Rauchgasreinigungsanlage entfernt Schadstoffe Der wichtigste Teil nach der Energieerzeugung ist für den Betrieb eines solchen Unternehmens die Rauchgasreinigungsanlage (RRA). Hiermit werden Schadstoffe, die bei der Müllverbrennung entstehen, aus dem Rauchgas entfernt. Schwefeldioxid, Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle werden im Reinigungsvorgang durch Additive wie Natriumbikarbonat und Hochofenkoks absorbiert und damit neutralisiert. Anschließend wird das Rauchgas in eine Kammer durch Schlauchfilter geleitet, an denen die festen staubförmigen Partikel als Filterkuchen haften bleiben. Von Zeit zu Zeit wird mit Druckluft dieser Filterkuchen von den Schläuchen gereinigt. Im Filterbunker gibt es zwei Optionen: Im Normalfall wird das Material mittels einer Regelklappe dem Absorber erneut zugeführt, da die Additive mehrmals im Filtervorgang genutzt werden können. Sammelt sich im Bunker jedoch zu viel Filtermaterial an, leitet eine Zellenradschleuse bestimmte Mengen direkt an die Produktsilos weiter. Für die Ermittlung des Füllstands im Bunker nutzte EVI bisher die kapazitive Messtechnik. Als Problem für diese Technik zeigte sich u.a. der Unterdruck, der im Auffangbunker herrscht. Das Material aus der Rauchgasreinigung ist extrem fein – es fließt förmlich, besonders im warmen Zustand und neigt daher leicht, entgegen der Vermutung, zu ungleicher Verteilung. Die Rauchgasasche verhält sich somit ähnlich wie Mehl. Geringe Mengen sind leicht und wirbeln stark auf. Große Mengen hingegen werden träge und setzen sich ab. Es entstehen Aufschüttungen, zwischen denen sich Krater und Leerräume bilden. Geschieht dies direkt am kapazitiven Sensor, entstehen Fehlsignale. Durch diese Fehlmessungen konnte der genaue Füllstand im Filterbunker nicht ermittelt werden. Drehflügelanzeiger als Voll- und Leermelder Diese Erfahrungen lassen erkennen, dass unterschiedliche Eigenschaften der Schüttgüter und schwierige Einsatzbedingungen die Auswahl der optimalen Messtechnik bestimmen und eine große Herausforderung für das Fachpersonal darstellen. Reibungslose Abläufe bei der Förderung, Lagerung und Weiterverarbeitung von Schüttgütern sind deshalb nur mit entsprechend angepasster Messtechnik möglich. Die MBA Instruments GmbH aus Quickborn kombiniert bei der Herstellung von Füllstandanzeigern für Schüttgut robuste und zuverlässige Mechanik mit moderner Elektronik. Für die speziellen Anforderungen in der Messung der Rauchgasrückstände hat EVI eine Lösung gesucht, die trotz des feinen Guts zuverlässig den Füllstand anzeigt, und entschied sich für den Drehflügelanzeiger MBA 200 von MBA Instruments. Hauptvorteil dieses Drehflügelanzeigers ist die Einsatzmöglichkeit als Voll- und Leermelder in fast allen Schüttgütern. Als Vollmelder verhindert das Gerät das Überlaufen des Bunkers auch dann, wenn Störungen wie Spannungsausfall oder Drahtbruch in der Zuleitung auftreten. Mit der Laufüberwachung wird die Rotation der Welle direkt gemessen: Wenn sich die Welle nicht mehr dreht und gleichzeitig keine Vollmeldung ansteht, dann wird eine Störung am Gerät angezeigt und gleichzeitig ein Voll-Signal erzeugt, das die weitere Befüllung des Silos stoppt und so eine Überfüllung des Silos oder Bunkers verhindert. Eine grüne Betriebskontrollleuchte zeigt die Funktion des MBA 200 permanent an. Mit Varianten, die speziell für explosionsgefährdete Bereiche, Temperaturen bis 800°C, erhöhtem Druck und mit der Vielfalt unterschiedlicher starrer und flexibler Wellen ausgelegt sind, ist der MBA 200 praktisch für jedes Schüttgut geeignet. Das Gerät besitzt einen großen Klemmenraum für den Anschluss der Kabel und einen drehbaren Gerätekopf zur exakten Ausrichtung nach der Montage. Entsprechend der speziellen Prozessbedingungen hat EVI den MBA 200 für höhere Temperaturen bis 200°C gewählt. Je nach Material lassen sich unterschiedliche Wellen und Flügel nutzen. \“Da es sich bei dem Material in der Verbrennungsinstallation um extrem feines Pulver handelt, hat EVI sich für den einseitigen Flügel entschieden\“, erklärt Hans-Heinrich Westphal, Geschäftsführer der MBA Instruments und ergänzt: \“Bei waagerechtem Einbau entsteht so eine größere Kraftübertragung beim Schaltvorgang für das Signal, wenn der Flügel in das feine Pulver eintaucht.\“ Wirtschaftliche Vorteile