Wohin steuert die Automatisierung 2026?

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Bild: ©Blue Planet Studio/stock.adobe.com

Welche Erwartungen haben Sie für 2026, was den Markt für Automatisierungstechnik angeht?

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: Für 2026 sehe ich weiterhin einen herausfordernden Markt in Deutschland. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, erhoffte Impulse durch politische Veränderungen sind bislang ausgeblieben. Darüber hinaus schaffen Bürokratie sowie Überregulierung in Europa zusätzliche Hürden. Gleichzeitig müssen wir auf wachsende globale geopolitische Unsicherheiten reagieren. Dazu kann die Automatisierungstechnik einen erheblichen Beitrag leisten. Wir erleben zum einen eine große Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung. Der Schlüssel dabei ist eine konsequente Digitalisierung und Elektrifizierung der verschiedenen Energiesektoren wie Strom, Wärme oder Mobilität. Zum anderen müssen wir die Leistungsfähigkeit und Sicherheit unserer Anlagen erhöhen. Die Automatisierungstechnik liefert einen wichtigen Beitrag dazu, unsere Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zu steigern.

Dr. Wilhelm Nehring, Pepperl+Fuchs : Nach einem herausfordernden Jahr 2025 blicken wir vorsichtig optimistisch nach vorn und erwarten für 2026 ein moderates, belastbares Wachstum. Die Automatisierungsindustrie befindet sich im Wandel: Nicht mehr die reine Skalierung steht im Fokus, sondern die Qualität intelligenter, vernetzter und resilienter Systeme. Ein zentraler Treiber ist die Integration industrieller KI. Automatisierung entwickelt sich von starr programmierten Abläufen hin zu lernfähigen, adaptiven Systemen. Anwendungen wie Predictive Maintenance, KI-gestützte Qualitätskontrolle und adaptive Produktionsplanung werden bei uns zunehmend gelebte Praxis. Diese Entwicklung spiegelt sich in einer neuen technologischen Architektur wider: IIoT, Edge Computing und digitale Zwillinge ermöglichen die Datenverarbeitung nahe am Prozess, während MES, Scada, Robotik und modulare Automatisierung die notwendige Flexibilität schaffen. Gleichzeitig gewinnen resiliente Lieferketten, sichere OT-Netzwerke und energieeffiziente Produktionsmodelle vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und steigender Anforderungen an Cybersecurity und Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Für 2026 bin ich zuversichtlich: Die Automatisierungsbranche hat die Chance, Produktionsprozesse grundlegend zu transformieren – und damit die Industrie von morgen aktiv zu gestalten.

Susanne Kunschert, Pilz: Grundlage für die Automatisierung ist es, alle gesetzlichen und normativen Anforderungen an die Maschinensicherheit zu erfüllen. Aktuell steht der Markt rund ein Jahr vor dem Stichtag für die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 – der 20. Januar 2027. Die mit der MVO verbunden Anforderungen steigen spätestens mit deren Inkrafttreten und das nicht nur für die Safety, sondern besonders auch im Bereich der Security. 2026 ist für uns daher das ‚Jahr vor MVO und Cyber Resilience Act (CRA)‘: Wir beraten und unterstützen mit Blick auf die Maschinenverordnung. Beim Einstieg in die Industrial Security schulen wir vor dem Hintergrund unseres langjährigen Sicherheits-Knowhow in Trainings wie ‚Grundlagen Industrial Security‘ für Einsteiger oder die Schulung ‚Certified Expert for Security in Automation‘ (CESA).

"KI wird zum 
Enabler der 
softwaredefinierten Fabrik."
Christian Wolf
 Turck
„KI wird zum Enabler der softwaredefinierten Fabrik.“ – Christian Wolf, Turck

Christian Wolf, Turck: Nach einer Phase der Stagnation konnten wir 2025 wieder zweistellig wachsen und erwarten für 2026 eine weitere Erholung der Märkte. Analysten prognostizieren für die industrielle Automatisierung ein weltweites Marktvolumen von über 230 Milliarden US-Dollar – getragen von Effizienzdruck, Fachkräftemangel und Digitalisierung. Besonders Robotik-nahe Technologien profitieren davon, vor allem in kapitalintensiven Branchen wie Automotive, Pharma, Logistik, der Halbleiterindustrie sowie Food & Beverage. So blicken wir zwar verhalten, aber berechtigt optimistisch auf 2026. Unternehmen investieren wieder verstärkt in durchgängige Datenflüsse, skalierbare Produktionssysteme sowie Lösungen, die Flexibilität und Effizienz steigern. Der Bedarf an robusten, dezentralen Automatisierungskomponenten wächst, da Produktions- und Logistikprozesse modularer und skalierbarer werden. KI-gestützte Systeme gewinnen weiter an Reife und werden zunehmend Standard in Sensorik, Vision und Qualitätssicherung.

Dr. Timo Berger, Weidmüller: Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft. Automatisierung bleibt einer der zentralen Hebel, um die globalen Megatrends wie Elektrifizierung und Digitalisierung sowie die Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion weiter zu treiben. Sie ermöglicht nicht nur effizientere Prozesse, sondern schafft auch die technologische Grundlage für resiliente Produktions- und Versorgungsstrukturen. Besonders vielversprechend entwickeln sich Branchen wie die Energietechnik und der Bereich Data Center, die aufgrund wachsender Nachfrage nach erneuerbaren Energien, intelligenter Netzinfrastruktur und leistungsfähiger IT-Infrastrukturen, ein dynamisches Marktwachstum erwarten lassen. Gleichzeitig sendet der Abschluss des Jahres 2025 ein klares Signal: Die positive Tendenz stärkt unser Vertrauen in die kommenden Entwicklungen und bestätigt, dass wir strategisch richtig aufgestellt sind.

Wie reagieren Sie mit Blick auf das Angebot Ihres Unternehmens darauf? Welche strategischen Maßnahmen/Vorgehensweisen leiten Sie daraus ab?

"Qualität schlägt Skalierung - bei vernetzter Automatisierung." Dr. Wilhelm Nehring Pepperl+Fuchs SE"Qualität schlägt Skalierung - bei vernetzter Automatisierung." Dr. Wilhelm Nehring Pepperl+Fuchs SE
„Qualität schlägt Skalierung –
bei vernetzter
Automatisierung.“ –
Dr. Wilhelm Nehring,
Pepperl+Fuchs SE

Dr. Wilhelm Nehring, Pepperl+Fuchs: Unser Fokus liegt auf Innovation und Weiterentwicklung: Unsere Sensoren werden noch intelligenter und übernehmen zunehmend die Vorverarbeitung von Daten. Automatisierungslösungen, die sich flexibel an reale Produktionsbedingungen anpassen, reagieren automatisch auf Schwankungen, Engpässe oder veränderte Anforderungen – und sichern so Effizienz, Produktqualität und den kontinuierlichen Betrieb. Software-Lösungen liefern detailgenaue Analysen und ermöglichen vorausschauende Entscheidungen. Digital Twins bilden Produktionsprozesse realitätsnah ab, verknüpfen Simulation, Monitoring und Prognosen und unterstützen Anwender dabei, Optimierungen in Echtzeit umzusetzen. Gleichzeitig entwickeln wir modulare Automatisierungslösungen weiter, um Flexibilität und Skalierbarkeit zu erhöhen. Kurz: Wir sind der Enabler, wenn es darum geht, Prozesse und Anwendungen zu digitalisieren, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Wertschöpfung zu optimieren.

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: Wir setzen weiterhin auf die konsequente Entwicklung offener, interoperabler Automatisierungslösungen. Dabei investieren wir in digitale Plattformen und bauen Partnerschaften aus. Es braucht eine intensivere Zusammenarbeit, um zukünftig wettbewerbsfähig zu sein. Ich bin überzeugt, dass unsere Industrie sehr leistungsfähig ist, wenn wir unser Knowhow zusammenbringen. Themen wie Energieversorgung, Anlagensicherheit und Prozessoptimierung müssen intelligent vernetzt werden. Wir schaffen ganzheitliche Lösungen, mit denen Firmen ihre Wertschöpfung effizienter, resilienter und nachhaltiger gestalten können. Und wir geben damit Antworten auf zentrale Herausforderungen, wie beispielsweise den Fachkräftemangel und steigende Kosten.

Susanne Kunschert, Pilz: Die MVO verlangt zukünftig, Sicherheitsfunktionen gegen Korrumpierung zu schützen. Sie macht damit Vorgaben für Industrial Security. Pilz als Marktteilnehmer ist selbst vom CRA betroffen. Um die geforderte Security in unseren Produkten umzusetzen, haben wir bereits vor einigen Jahren einen zertifizierten securen Entwicklungsprozess eingeführt. Unser Produktportfolio haben wir umfangreich und für jedes Produkt bewertet: Inwieweit ist es durch den CRA betroffen? Müssen wir Anpassungen vornehmen? Denn Gesetze und Normen sind ein Schlüssel für einen funktionierenden Markt. Daher bieten wir Maschinenherstellern und -betreibern mit unserer Myzel Lifecycle Platform ein neues Software-as-a-Service-Angebot, das bei der Einhaltung von Gesetzen und Sicherheitsanforderungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg unterstützt. Sie vereint das Management von Maschinen sowie Personal und managt Safety, Security und Compliance gleichermaßen.

Christian Wolf, Turck: Die Nachfrage nach flexibler Automatisierung, IIoT-Lösungen, Edge-Intelligenz und KI-fähigen Systemen steigt. Für Anbieter wie Turck, die von Sensorik über KI-Kameras und Edge-Gateways bis in die Cloud liefern können, ergeben sich daraus gute Marktchancen. Wir richten unser Portfolio weiter auf integrierte, datengetriebene Automatisierung aus. Dazu bauen wir unser IIoT- und Edge-Portfolio aus, stärken unsere KI-basierten Bildverarbeitungslösungen und fokussieren auf skalierbare, dezentrale Architekturkonzepte. Unsere Strategie setzt auf robuste Hardware in IP67 für dezentrale Intelligenz, kombiniert mit leistungsfähiger Software. Zudem investieren wir in Standardisierung, einfache Integration und nutzerfreundliche Engineering-Tools wie die Turck Automation Suite TAS, um unseren Kunden schnellere Inbetriebnahme und mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Dr. Timo Berger, Weidmüller: Unsere Strategie basiert auf der konsequenten Nutzung offener Plattformen. Sie ermöglichen uns, branchen- und kundenspezifische Anforderungen schnell, flexibel und zukunftssicher zu integrieren. Offene Ökosysteme bilden dabei das technologische Fundament: Für uns bedeutet das, auf offene Standards, transparente Schnittstellen und moderne Technologien zu setzen sowie Kooperationen und Partnerschaften gezielt auszubauen. Dieses Verständnis von Offenheit schafft nicht nur Interoperabilität, sondern fördert auch Innovation und verkürzt Entwicklungszyklen. Gleichzeitig erweitern wir unser Produktportfolio systematisch um Funktionen in den Bereichen Security und künstliche Intelligenz – zwei Themen, die die Industrie dieses Jahr ganz besonders bewegen werden. Ob beim Schutz vernetzter Produktionsumgebungen oder bei der Integration intelligenter Entscheidungslogiken: Wir verfolgen auch hier den Ansatz, auf offenen Plattformen aufzubauen, um eine maximale Integrationsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Dadurch schaffen wir Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Systeme einfügen und neue Anwendungsfälle schnell realisierbar machen.

Welche Termine stehen für Sie 2026 im Fokus?

Dr. Wilhelm Nehring, Pepperl+Fuchs: Im Jahr 2026 stehen für uns zentrale Leitmessen und Branchentreffen im Fokus, darunter die Hannover Messe sowie die SPS. Weitere wichtige Termine sind die Achema, die Logimat und die Namur-Hauptsitzung, bei der Pepperl+Fuchs als Hauptsponsor auftritt. Ergänzt wird unser Messekalender durch eigene Technologieformate wie den Ethernet-APL Tech Talk an unserem Standort Mannheim sowie internationale Plattformen wie den Mobile World Congress in Barcelona und die PMR Expo in Köln.

"Automatisierung stärkt Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit." Ulrich Leidecker Phoenix Contact
„Automatisierung stärkt Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.“ –
Ulrich Leidecker,
Phoenix Contact

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: An dieser Stelle gibt es zunächst wenig Überraschungen: Die Hannover Messe und die SPS werden zentrale Messen bleiben, auf denen wir unsere Produkte und Lösungen präsentieren. Beide Veranstaltungen erleben wir als führende Plattformen für den Austausch über neueste Trends, Innovationen und Lösungen in unserer Industrie. Besonders wichtig ist uns der Dialog mit unseren Kunden und Partnern, denn hier entwickeln sich Kooperationen und werden fortgeschrieben. Gleiches gilt für die Light + Building im Bereich Gebäude, die Smarter E rund um die Themen Energie und Elektromobilität sowie die Electronica als Weltleitmesse für die Elektronik. Besucherinnen und Besucher werden erleben, wie sich mit unseren Komponenten und Systemen eine energie- und ressourceneffizientere Welt im Sinne integrierter Energielösungen umsetzen lässt.

Susanne Kunschert, Pilz: Für 2026 haben wir die Hannover Messe fest im Kalender vermerkt: Denn sie adressiert als Schaufenster der Industrie eine breitere Öffentlichkeit – dort treffen wir über unsere internationalen Kunden hinaus auch Entscheider aus Politik und Forschungseinrichtungen sowie unsere Partner. Daneben ist die SPS für uns auch 2026 eine zentrale Plattform, um neue Produktentwicklungen für die sichere Automatisierung vorzustellen. Auf Branchenmessen und regionalen Fachmessen präsentieren wir unser passendes Portfolio: Im Mai auf der Interpack und im September auf der InnoTrans. Hier stellen wir unsere Automatisierungslösungen für diese Industriezweige in den Mittelpunkt. Und auf der regionalen Messereihe All About Automation 2026 haben wir Automatisierungslösungen inklusive Safety und Security für alle Industriebereiche und Branchen im Gepäck.

Christian Wolf, Turck: Die wichtigsten Meilensteine für Turck sind auch 2026 die Logimat und die SPS – zwei Leitmessen, auf denen wir unser umfassendes Angebot für Produktion und Logistik präsentieren. Ein Höhepunkt wird unser großes Rollenbahn-Exponat sein, an dem wir einen Großteil des Turck-Lösungsportfolios im Praxiseinsatz zeigen: von Sensorik und Feldbustechnik über IP67-Steuerungen bis hin zur neuen KI-Kamera TIV und der Cloud-Anbindung. Darüber hinaus gewinnen für uns auch regionale Formate wie die Meorga oder die All About Automation weiter an Bedeutung. Sie ermöglichen den direkten Austausch mit Anwendern und liefern wertvolle Einblicke in konkrete Praxisanforderungen.

Dr. Timo Berger, Weidmüller: Für uns stehen 2026 vor allem die fachspezifischen Messen im Fokus – allen voran die SPS, die für uns traditionell einer der wichtigsten Treffpunkte der Automatisierungsbranche ist. Sie bietet die ideale Plattform, um Innovationen vorzustellen, den Austausch mit Kunden zu vertiefen und kommende Entwicklungen frühzeitig einzuordnen. Darüber hinaus planen wir die Teilnahme an weiteren Leitveranstaltungen wie Light + Building, Intersolar Europe und WindEnergy. Ergänzt wird das Jahr durch Formate wie die All About Automation, Eworld, Electronica und die Eisenwarenmesse, auf denen wir mit unterschiedlichen Kundengruppen in Dialog treten. Unser Anspruch bleibt unverändert: Wir sind da, wo unsere Kunden sind – persönlich und nahbar.

"Offene Plattformen sind der Schlüssel für industrielle Innovation." Dr. Timo Berger Weidmüller
„Offene Plattformen sind der Schlüssel
für industrielle
Innovation.“ –
Dr. Timo Berger,
Weidmüller

Wie heißt die Technologie des Jahres aus Ihrer Sicht 2026, und warum?

Carsten Crowley-Nicol, Pepperl+Fuchs: In der industriellen Sensorik wird integrierte Datenintelligenz im Fokus stehen: aus reinen Messwertlieferanten entwickeln Sensoren sich zum datenvorverarbeitendem System. ‚AI at the Edge‘ ist ebenfalls ein wichtiger Trend. Hier werden KI-Modelle direkt am Endgerät oder in nächster Nähe zur Datenquelle ausgeführt. Die Folge: Plausibilisierung, Klassifikation und Anomalie-Erkennung, zudem wird die Genauigkeit erhöht und Systeme widerstandsfähiger gemacht.

Irene Dicke, Pepperl+Fuchs: Für die Prozessindustrie sehen wir Ethernet-APL und I/O Link als die wichtigsten Trendtechnologien, denn beide sichern die Digitalisierung bis in die Feldebene und bilden die Basis für weitere smarte, IIoT-fähige Anwendungen im Green- und Brownfield.

Sascha Lekic, Pepperl+Fuchs: Smartphones und Tablets werden durch KI zum zentralen Bindeglied zwischen Mensch, Cloud und Maschine: Sie bündeln Daten, stellen KI-Ergebnisse kontextbezogen dar und ermöglichen eine schnelle, intuitive Interaktion – und entwickeln sich so zu intelligenten Assistenten im Arbeitsalltag.

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: Für mich ist die industrielle KI die Technologie des Jahres. Denn KI-Anwendungen ermöglichen in Anlagen- und Produktionsprozessen eine vorausschauende Wartung, optimierte Energieflüsse und datenbasierte Entscheidungen. Sie sorgen für hohe Produktivität und Resilienz und geben damit die Antwort, wie wir weltweit wettbewerbsfähig bleiben können. Daher ist es für mich auch eine Frage des Fortbestands unserer Industrie, wie gut wir KI für uns nutzen. Wir sind führend, wenn es um OT-Domainwissen geht. Es muss uns gelingen, diesen Knowhow-Vorsprung technologieführend in industrielle KI-Lösungen zu überführen. Beispielsweise macht unsere KI-Lösung MLnext industrielle Applikationen leistungsfähiger und effizienter. Sie detektiert z.B. eine Anomalie oder ungewöhnliche Maschinenzustände frühzeitig und verhindert dadurch teure Ausfälle. Hiermit lässt sich die Produktivität nachweislich deutlich erhöhen.

Susanne Kunschert, Pilz: Wir sehen, dass heute Maschinenhersteller bzw. deren Kunden immer mehr nach hochautomatisierten Maschinen und Anlagen verlangen, die zugunsten steigender Produktivität noch schneller entwickelt, aufgebaut und in Betrieb genommen werden können. Dafür müssen Anwender ihre Maschinen über die Safety und Security hinaus auch bei Themen wie der Vernetzung von Sensoren und Steuerungen optimieren. Wir setzen hier auf IO-Link Safety: Unser komplettes System aus zertifiziertem IO-Link Safety Master PDP67 sowie IO-Link-Safety-Slaves sorgt als sichere Variante des Kommunikationsprotokolls IO-Link für eine einfach handhabbare und wirtschaftliche Verkabelung. Damit ermöglichen wir ein leistungsfähigeres Datenmanagement. Wir sagen, dass die Datenkommunikation als Teil einer gelungenen Transformation gleichermaßen Safety wie auch Standardkommunikation umsetzen können muss.

Christian Wolf, Turck: Aus unserer Sicht ist 2026 eindeutig die künstliche Intelligenz die prägende Technologie der industriellen Automatisierung. KI entwickelt sich vom Trend zum echten Enabler und wird Geschäftsprozesse und die Industrie perspektivisch signifikant und nachhaltig verändern. Wir bewegen uns mit großen Schritten auf die Software defined Factory zu, in der intelligente Algorithmen und datenbasierte Entscheidungen die Produktion, Wartung und Qualitätssicherung revolutionieren. KI ermöglicht nicht nur neue Automatisierungsgrade, sondern schafft die Grundlage für flexible, selbstoptimierende und vernetzte Fertigungsumgebungen. Ein Beispiel ist unsere AI-Kamera TIV. Sie lernt aus wenigen Bildern, erkennt Muster und Unterschiede selbstständig und macht Prüfprozesse flexibler, schneller und zuverlässiger. Das spart Zeit, reduziert Fehler und eröffnet neue Wege für Qualitätssicherung und Automatisierung – direkt an der Linie, ohne aufwendige Programmierung.

Dr. Timo Berger, Weidmüller: Vielleicht keine Technologie in dem Sinne – doch der Trend des Jahres heißt für uns Offenheit. Sie ist der Treiber für Zusammenarbeit und ermöglicht die Integration neuer Technologien, auch im Hinblick auf KI. Diese wird in nahezu allen Bereichen zum Treiber für Effizienz, neue Funktionalitäten und Geschäftsmodelle. Ihre volle Wirkung entfaltet sie jedoch erst dann, wenn sie auf offenen Plattformen und offenen Standards trifft, die schnelle Integration, Skalierbarkeit und Interoperabilität ermöglichen. Gleichzeitig bleibt Security ein zentraler Trend: Mit zunehmender Vernetzung steigen die Anforderungen an den Schutz industrieller Systeme weiter an. Auch hier werden wir gemeinsam mit unseren Partnern Produkte und Lösungen für unsere Kunden entwickeln.

Welche weiteren Top-Trends werden aus Ihrer Sicht die Automatisierungstechnik im Jahr 2026 prägen?

Irene Dicke, Carsten Crowley-Nicol, Pepperl+Fuchs: Aus unserer Sicht vernetzen sich Automatisierungstechnologien der Zukunft immer stärker, unterstützt durch Sensorik und industrielle Kommunikation. IO-Link und Industrial Ethernet etablieren sich als Standard mit einer durchgängigen, herstellerübergreifenden Kommunikation, während Sensorik digitaler wird: Virtuelle Sensoren und intelligente Software-Funktionen erweitern die Möglichkeiten, ohne zusätzliche Hardware. Auch Condition Monitoring ist künftig Standard – Zustandsdaten fließen nahtlos in jede Lösung ein. Sicherheit bleibt ein zentraler Fokus: Cybersecurity auf Sensorebene schützt Geräte nach dem Prinzip Security-by-Design. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit wichtiger: längere Lebenszyklen, reduzierte Materialvielfalt und geringerer Energieverbrauch machen Sensorik effizienter und ressourcenschonender. Plug&Produce ermöglicht eine schnellere Systemintegration bei gleichzeitiger Transparenz über den gesamten Lebenszyklus.

Sascha Lekic, Pepperl+Fuchs: Im Hinblick auf Mobile Communication sind das 5G-Campusnetze, die eine hoch performante, sichere und latenzarme industrielle Vernetzung ermöglichen, sowie IT-Security zum Schutz kritischer Infrastrukturen, mobiler Endgeräte und Cloud-Daten vor Angriffen.

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: Die Elektrifizierung der Welt schreitet weiter voran. Nachhaltigkeit, aber vor allem Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit von fossilen Energien aus autokratischen Systemen sind dafür die größten Treiber. Brückentechnologien wie Carbon Capture oder Batteriegroßspeicher helfen dabei, zur Versorgungssicherheit beizutragen und Klimaziele zu erreichen. Unsere Stromnetze brauchen intelligente Lösungen, um regenerativ erzeugte Energie netzkonform einzuspeisen. Die Digitalisierung in allen Ausprägungen leistet einen wesentlichen Beitrag, dass unterschiedliche Systeme nahtlos miteinander kommunizieren und so zu effizienteren Prozessen führen. Industrial Security bleibt in diesem Zusammenhang unerlässlich, damit vernetzte Anlagen und die kritische Infrastruktur geschützt und Betriebsabläufe stabil gehalten werden. Der für mich wichtigste Trend sind jedoch weitere Technologiepartnerschaften, denn nur gemeinsam schaffen wir es, die Herausforderungen der Welt zu meistern.

Susanne Kunschert, Pilz: Auch 2026 highlighten wir Automatisierungslösungen mit Safety und Security, die den digitalen Wandel mitgestalten. Unsere digitale Myzel Lifecycle Platform unterstützt Produktions- und Sicherheitsverantwortliche dabei, ihre Maschinen zu jeder Zeit safe, secure, effizient und normenkonform zu betreiben. KI-gestützte Funktionen, wie die Analyse von Maschinenbildern zur Bewertung eines Sicherheitsrisikos, ermöglichen eine effiziente Umsetzung.

"Safety und Security wachsen 2026 endgültig zusammen." Susanne Kunschert Pilz
„Safety und Security wachsen
2026 endgültig
zusammen.“ –
Susanne Kunschert,
Pilz

Christian Wolf, Turck: Neben KI sehen wir weitere Trends: die fortschreitende digitale Transformation der Industrie und eine deutliche Bewegung hin zur Software-defined Factory. Datengetriebene Automationslösungen optimieren Produktions- und Logistikprozesse, indem sie Echtzeitinformationen nutzen, um Qualität, Verfügbarkeit und Effizienz messbar zu steigern. Parallel dazu setzt sich die dezentrale Automatisierung weiter durch: Intelligenz wandert an die Maschine – näher an den Prozess, näher an die Entscheidung. All diese Entwicklungen verfolgen ein gemeinsames Ziel: höhere Flexibilität, kürzere Engineering- und Umrüstzeiten sowie eine deutlich effizientere Nutzung von Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Smarte Daten rücken stärker in den Mittelpunkt, weil sie die Grundlage für bessere Entscheidungen und stabilere Prozesse bilden. Mit unserem IIoT-Ökosystem TAS unterstützen wir Anwender auf dem Weg zur intelligenten, softwaregesteuerten Fabrik. Damit wird es möglich, den gesamten Maschinenlebenszyklus digital und transparent zu gestalten – von der ersten Idee über Engineering und Inbetriebnahme bis hin zum weltweiten Service.

Dr. Timo Berger, Weidmüller: Wie eingangs erwähnt: Industrial Security bleibt ein zentrales Thema – und mit Blick auf den CRA treten wir 2026/2027 in die entscheidende Phase ein. In dieser Zeit wird die Industrie noch einmal intensiv daran arbeiten, die gesetzlichen Anforderungen vollständig zu erfüllen. Parallel dazu gewinnen branchenspezifische Entwicklungen in der Energietechnik weiter an Bedeutung. Die globale Elektrifizierung, die fortschreitende Dekarbonisierung und die umfassende Digitalisierung verändern den Energiesektor tiefgreifend. Sie schaffen neue Anforderungen an Leistungsfähigkeit, Flexibilität, Dezentralisierung und intelligente Steuerung. Diese Entwicklungen zeigen deutlich, dass Lösungen gefragt sind, die eine nachhaltige, sichere und zukunftsfähige Energieversorgung ermöglichen – ein wesentlicher Baustein für die Welt von morgen.

Dr. Wilhelm Nehring
CEO
Pepperl+Fuchs

Irene Dicke
Vice President Strategic Product Management – Industrial Communication
Pepperl+Fuchs

Carsten Crowley-Nicol
Vice President Strategic Product Management – Industrial Sensors
Pepperl+Fuchs

Sascha Lekic
Vice President Strategic Product Management
Mobile Communication & HMI
Pepperl+Fuchs

Ulrich Leidecker
Chief Operating Officer
Mitglied und Sprecher der Geschäftsführung
Phoenix Contact Group

Susanne Kunschert
Managing Partner
Pilz

Christian Wolf
Geschäftsführer
Turck

Dr. Timo Berger
Chief Technology Officer
Weidmüller