Wenn Aufgaben anstehen, die ein kleines und kostengünstiges Gerät verlangen kommen oft Smart-Relais, Steuerrelais bzw. Logikmodule wie Logo!, easy oder Millenium 3 zum Einsatz. Doch nach den Aussagen der Hersteller sind diese Geräte mit Hinweis auf die einfache Programmierung (man sollte hier eigentlich gar nicht von Programmierung sprechen) nur für einfache Aufgaben vorgesehen. Eine Alternative für viele unterschiedliche Applikationsgebiete liegt in Steuerungssystemen wie Controllino. Sie können überall dort verwendet werden, wo die praktischen Anforderungen die Welt des Funktions- und Kontaktplans übersteigen oder die Programmierer die Denkweisen der grafischen Logik nicht akzeptieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das sogenannte Zeichnen entsprechender Pläne für Kleinsteuerungen sehr unübersichtlich, zeitintensiv und frustrierend sein kann. Bisherige Steuerungen werden vom Anwender oft als Zwangsjacke empfunden. Die Programmiersprachen der Kleinsteuerungen sind für einen Informatiker nicht effizient und werden nur ungern eingesetzt.
Neue Perspektiven
Trotz des Trends zu eigenen Funktionsbausteinen, geschrieben in einer Hochsprache, haben die Automatisierungsanbieter noch kein Angebot erarbeitet, das im untersten Preissegment der Kleinsteuerungen PC-Funktionalität bietet. Hier eröffnen Lösungen auf der Basis des Arduino bzw. Raspberry PI neue Perspektiven. Doch in dieser Welt war die Hardware bislang meist mehr auf Entwickler, Bastler oder Testinstitute abgestimmt. Nicht so die neue Kleinsteuerungsfamilie Controllino. Sie bietet auf Basis von Arduino industrieübliche Gehäuseform, Anschlusstechnik und Spannungsbereiche, einschließlich analogen Eingängen und Pulsweitenmodulation (PWM). Das macht das Gerät kompatibel zu einer kaum überschaubaren Vielzahl von Sensoren, Aktoren, Kamerasystemen oder Displays.
Flexible Programmierung
Grundsätzlich können Controllino-Steuerungen mit den entsprechenden Werkzeugen wie ein Arduino programmiert werden. Dazu ist im Internet eine kostenlose Entwicklungsumgebung bzw. Integrated Development Environment (IDE) erhältlich. Als Programmiersprache kann ebenso Processing verwendet werden, das an Java angelehnt wurde und sich auch zum Erlernen von Hochsprachen gut eignet. Zudem lässt sich Controllino ebenso in C programmieren. Wer auf einen grafischen Editor wie Funktionsplan zurückgreifen will, hat auch diese Möglichkeit. Zur SPS IPC Drives 2015 zeigt das Unternehmen Logi.cals auf seinem Messestand eine entsprechende Entwicklungsoberfläche für eine grafische Programmieroberfläche des Controllino. Parallel werden auf der SPS-Messe weitere, interessante Lösungsansätze anderer Anbieter grafischer Programmiersoftware erwartet. Mit einer offenen Plattform wie Arduino bzw. Controllino können nun Software-Unternehmen aktiv an der Entwicklung von Editoren zur Automatisierung mitarbeiten. Die Steuerung bestimmt nicht mehr die Programmiersprache und deren Möglichkeiten.
Raspberry PI kontra Arduino
Beide Systeme scheinen gegeneinander zu stehen, doch sie ergänzen sich eher. Der Raspberry PI stellt einen vollständigen Micro-PC dar, mit Office-Programmen, einer integrierten Programmierumgebung und zahlreichen Ergänzungsmodulen sowie E/A-Karten (PIFace). Der Arduino ist ein Mikroprozessorsystem, dass bereits in der Basisausführung analoge E/As besitzt und sehr schnell in der Abarbeitung des Programms ist. Welches Konzept sich besser eignet, entscheidet die Applikation. Zur Zeit werden meist noch typische Home-Applikationen beschrieben und durchgeführt. Das Potenzial ist aber wesentlich größer. Gerade dort wo es um Regelungen oder Web-Anwendungen geht, ist die Flexibilität von Controllino vorteilhaft. Elektrounternehmen, die bereits Kamerassysteme, Ethernet und PC-Architekturen integrieren, haben nun die Möglichkeit zu Datenverarbeitung, Archivierung, Steuerung und Regelung ohne Systembruch. Eine weitere Anwendergruppe liegt z.B. in Herstellern von Spezialsteuerungen, die auf fertige Teillösungen aufsetzen und gleichzeitig keine Einschränkungen akzeptieren können.
















