
Rund 80 Teilnehmer waren zum 2. Fachkongress Losgröße 1 und Mass Customization ins ostwestfälische Marienfeld gekommen, um sich einen aktuellen Überblick zu Möglichkeiten und Methoden der industriellen aber auch gleichzeitig individualisierten Produktion zu verschaffen. Die Moderation der Veranstaltung übernahm, wie bei der Premiere im vergangenen Jahr Prof. Roman Dumitrescu, Direktor des Fraunhofer IEM und Geschäftsführer im it´s OWL Clustermanagement. Er startete seinen einleitenden Vortrag mit der oft etwas unterschätzten Industrieregion Ostwestfalen und zeigte deren Stärken eindrucksvoll auf: „75 Prozent der weltweit verbauten Verbindungstechnik werden hier in der Region gefertigt.“ Es folgte ein Überblick über die Tätigkeiten und Ziele des Clusters, Referenzprojekte mit großen OEMs der Region wie Miele, DMG Mori oder Claas sowie aktuelle Trends. Seine These zur aktuellen Position auf der Roadmap – intelligente technische Systeme werden zunehmend Realität – untermauerte er mit Anwendungsbeispielen aus dem Bereich Landwirtschaft 4.0.

Ganzheitliche Unternehmensstrategie
Die Keynote des Kongresses übernahm Dr. Hans Schumacher mit einem Vortrag zum ganzheitlichen Komplexitätsmanagement für Lackierroboter. Der Vorstand der Dürr Systems AG veranschaulichte die Strategie im Unternehmen u.a. am modularen Farbwechselsystem MCC, das es – integriert im Roboterarm oder auch als Stand-alone-Lösung – theoretisch in 22.000 möglichen Varianten gibt. Bei Dürr sind alle Aspekte des Komplexitätsmanagements in einem Baukasten als Teil der Produktentwicklung zusammengefasst. Zentrale Botschaft aus der Keynote: Losgröße 1 muss vom Management gefordert, gefördert und gelebt werden, damit sie im Unternehmen ihre Wirkung entfalten kann. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein

Komplexität beherrschbar machen
Als nächster Referent stellte Dr. Jochen Müller die Abteilung Complexity Management bei John Deere vor. Dabei erlaubte der Manager tiefe Einblicke und zeigte auf, welchen Herausforderungen sich der Landmaschinenhersteller durch die steigende Komplexität im weltweiten Konzernverbund stellen muss. Sein Credo: Das richtige Gleichgewicht zwischen Innovation und Standardisierung spielt für eine erfolgreiche Produktentwicklung die entscheidende Rolle. Wie sein Vorredner auch, betonte er zudem die Relevanz eines komplett strukturierten und modularen Systembaukasten, um die Variantenvielfalt und das dahinter stehende Teileuniversum überhaupt beherrschbar zu machen. „Im Schnitt bauen wir nur alle sieben Jahre die gleiche Maschine“, verdeutlichte Müller die Herausforderung.

Maßanfertigung auf Knopfdruck
Jörg Paulus, Geschäftsführer bei Fraba, gab Einblick in die außergewöhnliche Produktionsphilosophie des Unternehmens, das in seiner polnischen Fabrik ausschließlich kundenspezifisch ausgelegte Drehgeber und Neigungssensoren herstellt. Kernelement ist eine umfangreiche Cloud-basierte Softwareumgebung, die über einen Produktkonfigurator rund eine Million realisierbarer Drehgebervarianten anbietet. Dabei werden dem Anwender in Echtzeit auch Lieferzeit und Preis angezeigt. Aufträge gehen von dort direkt in die Fertigung, wo angelernte Produktionsmitarbeiter die Encoder dann per Tablet und visueller Anleitung Schritt für Schritt zusammenbauen – als einzige manuelle Tätigkeit in einem ansonsten vollständig automatisierten Prozess. MK|Ware schafft Transparenz in der Fertigung: Maschinenzustände, Auftragsdaten und Rückmeldungen stehen in Echtzeit bereit. ‣ weiterlesen
Shopfloor-Daten sinnvoll nutzen



















