Dass die Kommunikation in der Büro- und der Automatisierungswelt gänzlich unterschiedlichen Prämissen folgt, ist heute ein allgemein akzeptiertes Faktum. Anwender, die sich bereits seit Längerem mit der industriellen Vernetzung beschäftigen, kennen auch die bekanntesten Merkmale, in denen sich Industrial-Ethernet-Netzkomponenten von ihren Office-Pendants unterscheiden. Typischerweise wird hier darauf verwiesen, dass Industrial-Ethernet-Komponenten für ihren Einsatzort einen erweiterten Temperaturbereich, Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Vibrationen, 24VDC-Spannungsversorgung usw. aufweisen und über ein kompaktes Gehäuse für die Hutschienenmontage verfügen müssen. Hinzu kommen diverse Maßnahmen oder Funktionen, die die Netzwerkverfügbarkeit zusätzlich erhöhen. Einsatzfelder fordern Vielfalt in Bauform und Funktionalität Neben diesen allgemein bekannten Eigenschaften bestehen je nach Einsatzfeld weitere Anforderungen an Industrial Ethernet. So benötigen spezielle Netzkomponenten in IP65-Aufbautechnik für den mitunter in der Fertigungsautomatisierung verwendeten schaltschranklosen Netzwerkaufbau ganz andere Eigenschaften als Industrial-Ethernet-Netzwerkkomponenten, die diese hohe Schutzart nicht erfüllen müssen. Ein Beispiel ist eine aufwändigere Gehäuse- und Anschlusstechnik. Deshalb sind diese Komponenten in der Fertigung teurer als funktional vergleichbare IP20-Geräte. Damit wird klar, dass sich diese Geräte nicht für einen universellen Einsatz eignen, sondern neben dem schaltschranklosen Aufbau allenfalls für Sonderanwendungen Verwendung finden, etwa in Applikationen mit erhöhten Vibrationen, wo eine robuste Anschlusstechnik wie M12-Steckverbinder ihre Vorteile ausspielen kann. Netzkomponenten für die Fabrikautomatisierung platziert man typischerweise in Schaltschränken, in denen auch Steuerungs- bzw. Antriebskomponenten verbaut werden. In zentral stehenden Schränken ergibt sich meist ein erhöhter Bedarf an anzuschließenden Automatisierungskomponenten, der durch Switches mit hoher Portdichte adressiert wird. Wegen des in diesen zentralen, 60 bis 80cm tiefen Schaltschränken verfügbaren Platzes können diesen Portbedarf sowohl hochportige Kompaktgeräte als auch die in jüngster Zeit zunehmend verwendeten Geräte mit der aus den Office-Netzen bekannten 19\“-Aufbautechnik decken. Beide Arten von Geräten ermöglichen dabei sowohl den Anschluss von vorne als auch die Netzwerkdiagnose mittels LEDs an der Gehäusefront. Beim Aufbau des Automatisierungsnetzwerkes sind auch die dezentralen, flachen Schaltkästen der I/O-Komponenten zu berücksichtigen, in denen trotz beengter Einbauverhältnisse der komfortable Geräteanschluss von vorne und die Vor-Ort-Netzwerkdiagnose verfügbar sein soll. Hierfür kommen entweder spezielle Switches in flacher Bauweise zum Einsatz oder I/O-Geräte mit bereits integrierter Switching-Funktionalität, sodass in diesem Falle auf separate Netzkomponenten verzichtet werden kann. Industrial Ethernet erschließt neue Marktsegmente Durch den Erfolg in der Fabrikautomation und weil die Geräte sowie die Softwarefunktionalität in diversen Normungsgremien ständig weiterentwickelt wurden, hat sich Industrial Ethernet mittlerweile auch für Anwendungen außerhalb der klassischen Fabrikautomation empfohlen, die im Folgenden beispielhaft erläutert werden. Ethernet-Netzwerke im öffentlichen Transport und Verkehr Seit mehreren Jahren werden Industrial-Ethernet-Netzwerke im Bereich \’Öffentlicher Transport und Verkehr\‘ verwendet. Dieser vielschichtige Bereich umfasst zum einen Anwendungen an Fahrzeugen wie Bussen, Zügen oder Schiffen, zum anderen Anwendungen zur Steuerung oder Überwachung von Fahrwegen wie Schienen, Straßen und besonders Tunnels. Spezielle Anforderungen in diesem Bereich sind beispielsweise erhöhte Vibrationsfestigkeit oder die Möglichkeit, große Strecken zu überbrücken. Einzug in Energieschaltanlagen aufgrund der Norm IEC61850-3 Mit Verabschiedung der Norm IEC61850-3 hat Industrial Ethernet Einzug in die Automatisierung von Energieschaltanlagen gefunden. Im Wesentlichen fordert diese Norm Eigenschaften, die Industrial-Ethernet-Switches bereits vorweisen. In einigen entscheidenden Punkten geht sie doch weit über die bekannten Anforderungen hinaus. Dazu zählt insbesondere die hohe Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), die Industrial-Ethernet-Switches in einem einfachen Kunststoffgehäuse nicht erfüllen können. Zudem lässt sich beim heutigen Stand der Technik die in diesem Bereich notwendige hochgenaue Uhrzeitsynchronisation (sogenannte 1-Step-Zeitsynchronisationsverfahren) nicht alleine durch Softwaremechanismen (gemäß IEEE1588) erreichen, es bedarf geeigneter Hardwareunterstützung. Die Anforderungen an die Spannungsversorgung weichen bei den Switches für die Energieautomatisierung ebenfalls häufig von der bekannten 24VDC-Versorgung der konventionellen Industrial-Ethernet-Switches ab. Zum einen sind wegen der höheren Verfügbarkeitsanforderungen in der Energieautomatisierung zwei getrennte Netzteile notwendig – die konventionellen Switches kommen dagegen in der Regel mit zwei getrennten Einspeisungen auf ein Netzteil aus. Als Einspeisespannungen sind zum anderen in der Energieautomatisierung neben 24VDC- auch Weitbereichsnetzteile mit Spannungsversorgungen von 100 bis 240VAC/60 bis 250VDC gefordert. Das sind also Netzteile, die über einen weiten nominalen Bereich sowohl mit Gleich- als auch mit Wechselspannung betrieben werden können, je nachdem welche Spannung gerade in der Schaltanlage zur Verfügung steht. Hier gibt es internationale Unterschiede zwischen den Ländern. Kontrovers diskutiert: Einsatz in der Gebäudeautomatisierung Die Verwendung von Industrial-Ethernet-Netzwerken in der Gebäudeautomatisierung wird kontrovers diskutiert. Eine Fraktion spricht sich dafür aus, das schon vorhandene IT-Netzwerk auch für die Datenübertragung der Gebäudeautomatisierung zu verwenden, um die Kosten für eine separate Infrastruktur zu sparen. Die andere Fraktion hält dagegen, dass sicherheitsrelevante Kommunikation wie z.B. Zugangserfassung oder auch Feuermelder nicht den dynamischen Verhältnissen des IT-Netzes unterworfen sein sollte. Switches in diesem Umfeld haben bei Gehäuseform, Portausprägung und Softwarefunktionalität wieder ganz spezifische Anforderungen zu erfüllen, gleichzeitig ist in diesem Bereich ein niedriges Preisniveau zu erwarten. Viele Komponenten zur Gebäudeautomatisierung (Sensoren, Aktuatoren) sind noch nicht mit Ethernet-Anschluss verfügbar. Daher ist es fraglich, ob dieser Markt bei der angesprochenen Preissensibilität attraktiv genug ist, damit mehrere Hersteller entsprechende Netzkomponenten anbieten werden. Industrial Ethernet-Switches in explosionsgefährdeten Bereichen Für die Verwendung von Industrial-Ethernet-Switches in Ex-Zonen, den explosionsgefährdeten Bereichen der Prozessautomatisierung, muss komplett umgedacht werden, denn in diesen Bereichen gilt es, Funkenbildung unter allen Umständen zu verhindern. Zunächst ist festzulegen, in welcher Ex-Atmosphäre der Switch installiert wird (gas- oder staubbelastete Umgebung), ob der Switch als eigensicheres Gerät oder in erhöhter Sicherheit (Ex e) gebaut wird. Darüber hinaus sind Zündschutzart, Explosionsgruppe und Temperaturklasse zu beachten. Weiterhin müssen auch die Spannungsversorgung und die Anschlusstechnik dem Installationsort und der Konstruktionsart des Switches genügen. Viele Netzkomponenten erfüllen heute die Anforderungen für den Betrieb in der Ex-Zone 2. Für dies Ex-Zone geeignete Endgeräte können direkt an diese Netzkomponenten angeschlossen werden. Sind die Endgeräte allerdings in der Ex-Zone 1 installiert, muss die in der Ex-Zone 2 installierte Netzkomponente die Funktion einer Barriere aufweisen und die Signalpegel der in die Ex-Zone 1 hineinragenden Netzwerkleitungen begrenzen. Aufgrund der skizzierten Randbedingungen bietet der Markt heute keine leistungsfähigen Switches (z.B. managebar, hohe Softwarefunktionalität, Übertragung hoher Datenraten) für Ex-Zone 1. Für Anwendungen in Ex-Zone 1 werden die für Ex-Zone 2 verwendbaren Netzkomponenten üblicherweise in ein zusätzliches Gehäuse verkapselt und so der vorgeschriebene Explosionsschutz sichergestellt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ein einziges, universell verwendbares Industrial Ethernet nicht gibt. Zu unterschiedlich und kostenrelevant sind die geforderten Hardware- und Software-Features sowie die erforderlichen Zulassungen für die diversen Applikationen. Selbst unter maximaler Nutzung von Synergien kann es den idealen, universellen Industrial-Ethernet-Switch und damit das universelle Industrial-Ethernet-Netzwerk nicht geben. Konsequenterweise ist das Gerätespektrum bei Industrial Ethernet wesentlich vielfältiger als in der homogenen Bürowelt mit den bekannten Geräten für den 19\“-Datenschrank. Im Portfolio der Produktfamilie Scalance X von Siemens finden Anwender Industrial-Ethernet-Switches für verschiedene Anwendungen – sowohl Einsteigerprodukte als auch hochfunktionelle Switches. Zur Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Switches sowie bei der Konfiguration der modularen Varianten steht ein Auswahltool zur Verfügung, das Switch Selection Tool. Hannover Messe 2011 / Halle 9, Stand A72
Industrial Ethernet: Ein universelles Netzwerk für die industrielle Kommunikation?
-
-
Skalierbare IPC-Plattform
Spectra bietet mit der MD-3000-Serie von Cincoze eine modulare Embedded-Computer-Plattform an, die speziell für Machine-Vision-Anwendungen ausgelegt ist.
-
Retrofit für die Industrie 4.0
So lassen sich alte Steuerungen wirtschaftlich OPC-UA-fähig machen
Viele Produktionsanlagen arbeiten noch mit Steuerungen, die seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten. Für Industrie-4.0-Anwendungen müssen diese Systeme jedoch zunehmend in moderne Datenarchitekturen eingebunden werden. Retrofit-Lösungen ermöglichen es,…
-
KI perfektioniert Phishing-Angriffe – von personalisierten Mails bis zu Voice Cloning
Wenn Maschinen Vertrauen imitieren
Die KI generiert nicht nur immer neue Hacker-Tools, sondern verbessert die Glaubwürdigkeit von Phishing Mails durch perfide Tricks. Doch auch die Gegenseite rüstet sich mit KI-Tools gegen digitale…
-
Interview: Wie neue EU-Regularien Maschinenbauer zu sicheren Kommunikationsarchitekturen zwingen
„Cybersecurity ist heute keine Option mehr“
Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem Cyber Resilience Act steigt der Druck auf Maschinenbauer und Gerätehersteller, Cybersecurity systematisch in ihre Produkte zu integrieren. Gleichzeitig eröffnet eine sichere Kommunikationsinfrastruktur…
-
ABB Robotics ernennt neuen Cluster-Manager für DACH-Region
ABB Robotics hat Marc-Oliver Nandy zum Cluster-Manager für die DACH-Region ernannt.
-
Für sichere Maschinennetzwerke
Industrial Security-Gateway und Maschinenfirewall
Sichere Maschinennetzwerke werden mit den aktuellen Vorgaben der Europäischen Maschinenverordnung und der IEC62443…
-
Für die DACH-Region
Schneider Electric: Neuer Vice President Secure Power
Schneider Electric hat Marco Geiser zum neuen Vice President Secure Power DACH ernannt.
-
Yaskawa strukturiert Führungsspitze in Europa um
Yaskawa hat eine Neustrukturierung der Geschäftsführung in seiner europäischen Zentrale vorgenommen.
-
Lebensmittelkonformer Oberflächenschutz
Aluminium-Antriebe
Mit NXD Tuph von Nord Drivesystems können Anwender auch in hygienesensiblen Applikationen von…
-
Für datenintensive Industrieumgebungen
1HE-Rack-PC
Für PXI-Testsysteme, Echtzeitanwendungen und die Industrieautomation sind hohe Datenraten, geringe Latenzen und flexible…
-
Spürbarer Dämpfer in den Bestellungen
Maschinenbau-Auftragseingang im Februar
Der Auftragseingang im Maschinenbau ist im Februar abermals gesunken und die Stimmung der…
-
Feldbuskoppler
Feldbus und Anzeige konsequent integriert
In Profinet-basierten Anlagen übernimmt das PN220 von Motrona die Funktion eines Feldbuskopplers und…
-
Seit März
Hannover Messe erhält eigenen Geschäftsbereich
Zum 1. März hat die Deutsche Messe einen eigenständigen Geschäftsbereich eingerichtet, der sich…
-
Ifo-Konjunkturumfrage
Unternehmen planen mit höheren Preisen
Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen mit höheren Preisen.
-
Ann Fairchild neue CEO
Siemens USA unter neuer Leitung
Siemens hat Ann Fairchild zur neuen Geschäftsführerin von Siemens USA ernannt.
-
IO-Link Safety: Sicherheit vernetzt im Feld
Die Automation ändert sich rasant – sicherheitstechnische Anforderungen ebenso. Mit IO-Link Safety entsteht…
-
Mit integrierter Sicherheitstechnik
MDR-Controller für die Intralogistik
Die IP54-geschützten MDR-Controller EP741x von Beckhoff sind je nach Bedarf mit und ohne…
-
Professor Dr. Jörn Müller-Quade
Wibu-Systems beruft Kryptografie-Experten in Aufsichtsrat
Wibu-Systems hat Professor Dr. Jörn Müller-Quade in den Aufsichtsrat berufen.
-
IFR stellt Preisträgerinnen vor
Women in Robotics 2026
Um Frauen in der Robotikbranche mehr Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen, hat die…
-
Gemeinsam zum vollständig integrierten Automatisierungs-Stack
Salz Automation und Tele vereinbaren Partnerschaft
Salz Automation und Tele Haase Steuergeräte gehen in ihrer Partnerschaft einen entscheidenden Schritt…
-
3D-Druck
Harting eröffnet Zentrum für 3D-Druck
Harting hat in seinem Werk Rahden ein „Center of Competence Additive Manufacturing“ eröffnet.
-
Mikko Soirola
Neuer CEO für Elisa Industriq
Mikko Soirola startet als neuer CEO bei Elisa Industriq.
-
Drehkreuz in Südamerika
Wika eröffnet neues Werk in Brasilien
Wika hat Mitte März ein neues Werk am Standort Boituva in Brasilien eröffnet.
das könnte sie auch interessieren
-
Warum KI im Mittelstand einen neuen Ansatz braucht
Vom Hype zur Wirkung
-
Klaus Conrad – Unternehmer, Visionär, Möglichmacher
90 Jahre Pioniergeist
-
Miniatur-Sensoren realisieren hohe Reichweiten
So weit, so klein
-
Dank Binnenmarkt
Deutsche Elektroexporte mit Plus auch zum Jahresbeginn
















