Die Durchführung einer Risikobeurteilung ist in den Sicherheitsnormen festgelegt und erlangt über die EU-Richtlinien eine rechtliche Verpflichtung. Welche Norm zur Anwendung kommt, ist nicht vorgeschrieben. Jedoch erlangt die DIN EN ISO1349 eine wichtige Bedeutung, da sie im Anhang der EU-Richtlinie aufgeführt ist. Sie schreibt konkrete Vorgehensweisen für die Risikobeurteilung und die Reduzierung der Risiken vor. Das Ergebnis der Risikobeurteilung ist die Einstufung einer speziellen Gefährdungssituation, bevor eine Schutzmaßnahme angebracht bzw. angewandt wurde. Ausgehend vom ermittelten Risiko muss dieses so reduziert werden, dass ein zumindest akzeptables Restrisiko verbleibt. Die Differenz zwischen ermitteltem Risiko und reduziertem Risiko ist das verbleibende Restrisiko (Bild1). Die DIN EN ISO13849 löste mit dem 31.12.2011 nach zweijähriger Verlängerung die DIN EN954 ab. Es sind nun folgende vier Kenngrößen für die Sicherheitstechnik maßgeblich: – Sicherheitsstruktur – Ausfallrate der Bauteile – Diagnosedeckungsgrad – Vermeidung von Fehlern gemeinsamer Ursache Die im Maschinebau häufig auftretenden Bereiche wie PLd und e erfordern einigen Aufwand bei der Konstruktion und Installation sowie den Einsatz von \’guten\‘ Bauteilen, um die Anforderungen zu erfüllen. Die gesamtheitliche Betrachtung des Risiko-Managements, das die wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Abwägung beinhaltet, ist jedoch nicht außer Acht zu lassen. Es ist eine Sicherheitslösung zu finden, die den Rahmenbedingungen des Unternehmens bzw. des Produktes anzupassen ist. Einsatz von Bauteilen für Fehlerausschluss setzt Zertifikat voraus In der DIN EN ISO13849 gibt es nun die Möglichkeit, auf eine Vielzahl von Fehlerausschlüssen zurückzugreifen. Fehlerausschlüsse helfen, Strukturen zu vereinfachen und folglich dadurch Kosten zu reduzieren. Die besonderen Voraussetzungen für einen Fehlerausschluss sind aus der Norm zu entnehmen. In der Norm werden die unterschiedlichen Technologien wie Mechanik, Pneumatik, Hydraulik und Elektrik in den unterschiedlichen Anhängen behandelt. Werden Bauteile mit Fehlerausschluss verwendet und wird auf die Eigenschaft des Fehlerausschlusses zurückgegriffen, ist ein Zertifikat des Herstellers mit speziellem Nachweis erforderlich. In der DIN EN ISO13849-2 ist der Aufbau der Abschnitte der Anhänge A bis D abgebildet wie in Bild 2 zu sehen. Als Beispiel kann eine Ansteuerung eines Pneumatikzylinders herangezogen werden. Ausgehend von einer Risikobeurteilung, die eine Risikoreduzierung von PLr d ergab (PLr: Performance Level required), gibt es die Möglichkeit, eine zweikanalige Struktur zugrunde zu legen. Diese Struktur gab es auch bereits in der Vorgängernorm EN954. Die Zweikanaligkeit ist mit der Bezeichnung Kategorie 3 versehen. Einen PL von d könnte man auch mit einer Kategorie 2 (einkanalig) erreichen, jedoch würde man Bauteile mit sehr guten Ausfallraten benötigen und zusätzlich fiele ein Diagnosedeckungsgrad mit mindestens 90% an. Außerdem ist die einkanalige Umsetzung mit entsprechenden organisatorischen Maßnahmen verbunden, die sich nicht immer als praxistauglich darstellen. Unterschiedliche Sicherheitsstrukturen mit Fehlerausschluss Um nun den Vorteil von bestimmten Bauteilen und Teile der Sicherheitsstruktur mit Fehlerausschluss besser zu veranschaulichen, werden zwei unterschiedliche Strukturen gegenübergestellt, die die Voraussetzung eines PL von d erfüllen. Im ersten Beispiel geht die Gefahr von einem Pneumatikzylinder aus, der einen Arbeitshub ausübt. Beim Eingreifen in den Gefahrenbereich (z.B. bei Fehlerbehebung oder Wartung) darf sich der Pneumatikzylinder nicht bewegen und muss die erreichte Position beibehalten. Dieses gilt auch bei einem eventuellen Stromausfall oder einem Versagen der Druckluftversorgung. Betrachtet wird die Aktuatorseite mit der zweikanaligen Struktur mit dem 5/3-Wegeventil und dem 5/2-Wegeventil, das über eine Pilotleitung ein Sperrventil ansteuert. Über einen Druckschalter an der Pilotleitung wird die Diagnose sichergestellt. Die Umsetzung sieht ist Bild 3 zu entnehmen. Die Sicherheitsfunktion kann einfacher ausgeführt werden, indem man sich den Fehlerausschluss von Wegeventilen zunutze macht. Die Fehlerausschlüsse des Nichtschaltens und der Ausschluss der selbsttätigen Veränderung der Ausgangsschaltstellung (ohne Eingangssignal) sind hier anzuwenden (Herstellerzertifikat notwendig). Durch den Einsatz einer sichereren Steuerung wird auch der \’Stuck-at-Fehler\‘ ausgeschlossen. Eine Diagnose des Wegeventils ist hier nicht erforderlich, da ein Nichtfunktionieren ausgeschlossen wird. Für die Berechnung kann man hier einen DC von 100% annehmen (Bild 4). Da bei diesem Aufbau das Sperrventil direkt auf den Hubzylinder wirkt, ist auf einen Fehlerausschluss gegen Leckage zu achten, der ebenfalls in der Norm beschrieben wird. Auch bei der Verdrahtung von der Sicherheitssteuerung zum Magnetventil ist auf den normativen Hinweis einzugehen. Die Vereinfachung des Aufbaus ist eindeutig ersichtlich. Man benötigt weniger Bauteile und die Verschaltung wird erheblich einfacher. Durch die Ausnutzung des Fehlerausschlusses beim Aktuator, wie in diesem Beispiel beschrieben, werden drei der vier sicherheitsrelevanten Kenngrößen beeinflusst: – Sicherheitsstruktur: die Kategorie 3 Struktur auf eine Kategorie 2 Struktur reduziert – Ausfallrate der Bauteile: muss für beide Varianten angemessen sein – Diagnosedeckungsgrad: kann bei einem Feh- lerausschluss mit 100% angenommen wer- den, ohne eine Diagnose tatsächlich durch- zuführen – Vermeidung von Fehlern gemeinsamer Ursache: ist bei einer Einkanaligkeit nicht relevant und daher auch nicht zu berücksichtigen In einem zweiten Beispiel wird der Vorteil eines Fehlerausschlusses in Bezug auf die Sicherheitskenngröße des Diagnosedeckungsgrades ersichtlich. In einer zweikanaligen Struktur (Kategorie 3) werden z.B. zwei Schütze als Aktuator in Serie geschaltet. Verfügen diese Schütze nur über den Schließerkontakt, ist eine Diagnose kaum möglich und der DC muss ohne besondere Maßnahmen mit 0% angenommen werden. Die Sicherheitsfunktion durch die in Serie geschalteten Schütze klappt auch noch, wenn eines der beiden durch einen Defekt geschlossen bleibt. Jedoch ohne Rücklesung in die sichere Logik kann nicht festgestellt werden, welches der beiden Schütze defekt ist und ob überhaupt ein Defekt vorliegt. Verändert man nun die Schaltung dahingehend, dass der Schließer über einen zwangsgeführten Öffner überwacht wird, verbessert sich der DC-Wert erheblich. Bleibt der Schließer durch ein Kontaktversagen geschlossen, so ist der Öffner stets geöffnet. Dieser Zustand kann über die Rücklesung durch den Testkanal mit der Steuerung diagnostiziert werden. Bei zwangsgeführten Schützen wird ein Fehler der Zwangsführung ausgeschlossen. In Bild 5 ist auf der linken Seite eine Serienschaltung von zwei Schließerkontakten mit getrennten Schützen dargestellt. Diese Schaltung erfüllt die Kriterien nach Kategorie 3. Wegen des Fehlens einer Diagnose wird allerdings nur ein PL-Wert von c erreicht. Im rechten Teil der Abbildung erfüllt ein einzelnes Schütz dieselbe Funktion. Wenn das Schütz sich in der Ruhestellung befindet und die Rücklesung einen offenen Schließerkontakt signalisiert, kann das Schütz ohne externe Erregung nicht einschalten (Zertifikat des Herstellers ist notwendig). Die rechte Schaltung erfüllt damit sogar die Anforderungen nach PLd (Achtung: Schaltung ist für eine Abschaltung im Notfall eventuell ungeeignet). Fazit Der Vorteil der neuen Norm ist der größere Handlungs- und Umsetzungsspielraum, der firmenpolitisch und ökonomisch ausgenutzt werden kann. Es ist damit möglich, die Umsetzung der Sicherheitsfunktionen den Strukturen der Maschine und den einzelnen Anwendungen anzupassen. Die Norm bietet praxistauglichen Spielraum und zusätzliches Potenzial, wenn Fehlerausschlüsse angewendet werden.
Neue Maschinenrichtlinie: Sichere Maschinen durch den Einsatz von Fehlerausschlüssen
-
Erfolgreiches Omlox-Plugfest
Auf dem Omlox-Plugfest prüften 21 Experten aus neun Unternehmen zwölf verschiedene Omlox-Komponenten, darunter UWB-Infrastruktur, Ortungstags, ergänzende Positionierungstechnologien, Omlox-Hubs und industrielle Softwareanwendungen.
-
Energy-Monitoring für nachhaltige Umgebungen
Plug&Play-Energieüberwachung
Facility-Management-Systeme (FMS) ermöglichen die Echtzeitmessung/-überwachung des Energieverbrauchs für die Kostenoptimierung. Sie unterstützen erweiterte Diagnosen und ermöglichen schnelle Reaktionen auf Änderungen und betriebliche Anforderungen. Aber: Bestehende FMS-Lösungen sind nicht…
-
Philip Harting verstärkt VDMA-Hauptvorstand
Der VDMA hat Philip Harting in den Hauptvorstand aufgenommen.
-
Schwere Industriesteckverbinder bei der Montage und Inbetriebnahme
Schneller verbunden, schneller produktiv
Mit welchen Herausforderungen sieht sich der Maschinen und Anlagenbau konfrontiert und welchen Beitrag können Steckverbinder bei der Lösung leisten? Einfache, standardisierte und möglichst automatisierbare Verbindungsprozesse werden zum entscheidenden…
-
Antriebstechnik
Hybridleitungen reduzieren Aufwand, Kosten und Störanfälligkeit
Antriebssysteme sollen heute kompakt, leistungsfähig und zuverlässig sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verkabelung, Montage und Betriebssicherheit. Hybridleitungen bündeln Energie- und Datenübertragung in einem Kabel, reduzieren den Aufwand…
-
DataTec verzeichnet 9% mehr Aufträge
DataTec hat das Geschäftsjahr 2025/2026 in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich abgeschlossen.
-
NIS-2 in fünf Schritten strukturiert und pragmatisch umsetzen
So gelingt das Setup
Cyberangriffe auf industrielle Systeme sind längst keine Ausnahme mehr. Produktionsanlagen, Steuerungen und vernetzte…
-
Design, Produktsuche und Beschaffung auf einer Plattform
Nachschlagewerk für Automatisierer
Wer als Maschinen- oder Anlagenbauer schnell die richtigen Komponenten finden, Schaltpläne skizzieren und…
-
Elektroexporte wachsen etwas langsamer
Mit Warenlieferungen im Wert von 20,7Mrd.€ verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie auch…
-
Virtuelle SPS: Reif für die Praxis?
Lange galt die virtuelle SPS als Zukunftsvision. Inzwischen sehen viele Hersteller sie als…
-
IIoT und Cloud-Visualisierung
Sensordaten sicher erfassen und weltweit visualisieren
Edge Computing und Cloud-Technologien verändern den Umgang mit Produktionsdaten. Maschinen- und Sensordaten lassen…
-
Interview auf dem Eplan Next26
Wie KI, Daten und Plattformen die Elektrokonstruktion verändern
Auf dem Event Eplan Next26 in München standen die Zukunft des Engineerings, künstliche…
-
Stromversorgung außerhalb des Schaltschranks
Netzteilreihe mit Schutzart IP67
Mit der neuen Netzteilreihe S8NR bringt Omron robuste Netzteile mit Schutzart IP67 auf…
-
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich ins VDI-Präsidium gewählt
Prof. Dr.-Ing. Volker Stich wurde mit Wirkung zum 1. Juli in das Präsidium…
-
Intelligentes Transportsystem sorgt für mehr Flexibilität beim Labeling
Digitaldruck in sechs Freiheitsgraden
Herkömmliche Druckverfahren mit Kunststoff- und Papieretiketten sind mit langen Rüstzeiten, häufigen manuellen Eingriffen…
-
Ansatz für nachhaltige Produktentwicklung
Neue Kategorie der Weltdarstellung
Die 3D Univ+rses sind eine neue Kategorie der Weltdarstellung, entwickelt von Dassault Systèmes.…
-
Hochmanövrierfähige Fahrzeugplattform mit Hebeeinrichtung
Omnidirektional
Weiterentwicklungen in der Handhabungs- und Montagetechnik steigern den Grad der automatisierten Produktion. Effiziente…
-
Schwarz Digits eröffnet neuen Campus
Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, hat ihren neuen Campus…
-
Update-Management für vernetzte Maschinen
Aus Pflicht wird Potenzial
Vernetzte Maschinen müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg aktualisiert werden und Hersteller müssen…
-
Geräteschutz und digitale Transparenz verbinden
IIoT-Framework
Mit dem IIoT-Framework Caparoc erweitert Phoenix Contact die Kommunikationsmöglichkeiten des gleichnamigen Geräteschutzschalter-Systems um…
-
Für den Maschinen- und Anlagenbau
Robuste Wellschläuche
In der automatisierten Fertigung müssen Kabelschutzschläuche von Maschinen, Bearbeitungszentren und CNC-Anlagen vielfach hohe…
-
Für effizienteres Kabelmanagement Mehrfachdurchführungen
Mit den robusten Kabeldurchführungen der Serie MCE Pro und dem modularen System MCE…
-
Cybus beruft Stefan Schwab zum Co-CEO
Cybus hat Stefan Schwab mit Wirkung zum 1. Juli zum Co-CEO berufen.
-
Spatenstich für Hummel-Werkserweiterung
Mit einem symbolischen Spatenstich hat Hummel das offizielle Startsignal für die geplante Werkserweiterung…
-
Mit 3 Metern Reichweite
Kompakte Ultraschallsensoren
Mit den Ultraschallsensoren U1KM in Miniaturbauform erweitert Wenglor sein Portfolio um eine Lösung…
das könnte sie auch interessieren
-
-
-
Edge, Cloud und Cybersecurity in der Praxis
IIoT im Realitätscheck: Warum Vernetzung heute anders gedacht wird als 2020
-
Funktionale Sicherheit
SIL3 auf dem Touchscreen: Wie sichere HMIs die Bedienung neu denken
















