SPS: Herr Brill, wie entwickelt sich die FDT-Technologie? Brill: Es gibt derzeit den Entwurf einer neuen Spezifikation – FDT 2.0 -, der unseren Mitgliedern seit der Hannover Messe vorliegt. Auf dieser Basis wird es jetzt noch einmal eine Überarbeitung geben, in der die Änderungswünsche der Mitglieder der FDT Group berücksichtigt werden. Die endgültige Veröffentlichung erfolgt gegen Ende des Jahres. Das ist der derzeitige Zeitplan zur neuen Spezifikation. SPS: Was wird neu sein bei FDT 2.0? Brill: Die erste und wichtige Erweiterung oder Erneuerung ist der Umstieg auf eine neue Basistechnologie, also auf .NET. Bisher basierte FDT ja bekanntlich auf den Windows-COM-Mechanismen sowie XML. Die Version 2 wird komplett auf .NET basieren. Die zweite Veränderung ist eine wesentliche Verbesserung in der Performance, gerade was die Handhabung von Instanzdaten von DTMs angeht. Bisher musste immer ein kompletter Datensatz von Instanzdaten geladen und gespeichert werden. In der neuen Version können wir auch Teile – ganz minimale Teile – laden und speichern, sodass FDT hier deutlich schneller wird. Die Anzahl der Interfaces wurde reduziert und das Objekt-Modell entsprechend vereinfacht. Es gibt keine direkte Kommunikation mehr zwischen DTMs, also zwischen der Business Logic beispielsweise von einem DTM und dem grafischen User Interface. Die gesamte Kommunikation läuft jetzt immer über das Framework, sodass man nun die Möglichkeit hat, die Applikation auf unterschiedliche Systeme zu verteilen. So kann beispielsweise die Bedienung auf einem kleinen Gerät laufen, während die Business Logic eines DTM auf dem Server liegt. Der DTM merkt davon nichts. SPS: Werden die Anbieter den neuen Standard gut annehmen, insbesondere bei den Frameworks? Brill: Das ist absehbar. Die FDT Group schlägt bei der FDT 2.0-Einführung einen neuen Weg ein: Wir haben nicht nur eine neue Spezifikation, sondern werden auch sogenannte Common Components definieren bzw. entwickeln – sowohl für die Frames als auch für die DTM Seite. Auf der Frame Seite werden wir die Container Komponente von M&M Software als Common Components der FDT Group zertifizieren, weil diese Komponente heute schon bei über 20 Firmen in mehr als 20 Frames im Einsatz ist. Diese Komponente ist bereits als Prototyp verfügbar und bietet die Möglichkeit, sowohl FDT 1.2- als auch FDT 2.0-DTMs in einer Mixed Topology laufen zu lassen. Auf der DTM Seite hat die FDT Group mit 20 Mitgliedern ein Entwicklungsprojekt gestartet, mit dem Ziel eine Basiskomponente für FDT 2.0-DTMs zu entwickeln, die dann als Basis für alle gerätespezifischen DTMs, als auch für Gateway- oder Kommunikations-DTM dienen wird. Dieser Basis-DTM kapselt die wesentlichen Funktionalitäten der FDT 2.0-Spezifikation, sodass man von Anfang an eine wesentlich höhere Interoperabilität erreicht als mit FDT 1.2, als jeder alles parallel selbst entwickelt hat. SPS: Heißt das, dass jeder Hersteller diese Komponenten nutzen muss? Brill: Man muss nicht, jeder kann auch ohne die Komponenten eigene Anwendungen oder DTMs entwickeln. Wir als Firmengemeinschaft können unseren Mitgliedern nicht vorschreiben, was sie wie entwickeln sollen. Den Nicht-Mitgliedern erst recht nicht. Die Zertifizierung für Produkte, die unsere Common Components verwenden, wird allerdings viel einfacher sein, während die Zertifizierung für Produkte, die diese Komponenten nicht verwenden, zeitaufwändiger und damit auch teurer wird. SPS: Was ist aus Ihrer Sicht die bedeutendste Verbesserung für Endanwender? Brill: Wesentlich für Endanwender ist die merklich bessere Performance und eine sehr viel bessere Interoperabilität. FDT 2.0 ist ausgereifter als vor zehn Jahren, als man mit FDT begonnen hat. Die Interoperabilität ist ja der Kern für unsere Anwender, die wird von Anfang an auf einem wesentlich höheren Niveau liegen. SPS: Ist FDT 2.0 der Ansatz, um auch in der Fertigungsautomatisierung eine größere Verbreitung zu erlangen? Brill: In der Prozess-Automatisierung, hier kommt FDT ja her, hat man vor über zehn Jahren damit begonnen, diese Entwicklung zu starten. In der Fabrik-Automatisierung hinken wir um einige Jahre hinterher, die Technologie ist hier noch nicht so bekannt, wie es in der Prozessautomatisierung der Fall ist. Deswegen haben wir auch in der FDT Group eine eigene Marketinggruppe gegründet, um Fabrikautomatisierung mit FDT zu forcieren. Ein Ansatzpunkt sind die Hersteller von Antrieben, die FDT für ihre Konfiguratoren einsetzen könnten. Wir sind dabei, Firmen anzusprechen. Schneider Electric hat als erstes Unternehmen ein FDT-basierendes Tool für die Antriebskonfiguration entwickelt. Der Vorteil ist, dass man nur einmal einen DTM entwickelt, der in allen entsprechenden FDT-Systemen ohne Adaption einsetzbar ist, d.h. man spart eine Menge Entwicklungszeit auch als Hersteller, wenn man diesen Standard nutzt.
Neue Spezifikation von FDT 2.0 Schneller, interoperabler und komplett auf Basis von .NET
Die FDT Group hat ihren Mitgliedern im März dieses Jahres den Draft der neuen FDT-Spezifikation 2.0 präsentiert. Diese können nun letzte Änderungswünsche einbringen, sodass voraussichtlich im Oktober die freigegebene Spezifikation vorliegen sollte. Seit kurzem ist das Papier auf Nachfrage auf für Nichtmitglieder verfügbar. Mit Dipl.-Ing. Manfred Brill, Mitglied des Executive Comittee, sprachen wir über die Verbesserungen, die die neue Version für Hersteller und Anwender bringen wird.
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