Die SPS wird zunehmend internationaler – und damit meine ich nicht nur die Besucher und Aussteller in Nürnberg, sondern die Messeauftritte weltweit. Welche strategischen Ziele verfolgt ihr dabei?
Martin Roschkowski: Wir wollen das Thema Automatisierung global unter einer starken und wiedererkennbaren Marke – der SPS Smart Production Solutions – bündeln. Durch ein weltumspannendes, zusammenhängendes Netzwerk von Veranstaltungen wollen wir das Thema vorantreiben und Anwender, Anbieter sowie Experten miteinander vernetzen.
Sylke Schulz-Metzner: Wir sind Teil der Messe Frankfurt, die schon früh eine klare Internationalisierungsstrategie verfolgt hat. Dieses etablierte internationale Netzwerk nutzen wir, um die Marke SPS und damit die Automatisierung global voranzutreiben.
Dass eine Automatisierungsmesse auch international erfolgreich sein kann, beweist ihr bereits seit vielen Jahren – mit der SPS in China und Italien.
Schulz-Metzner: Genau. In Guangzhou sind wir bereits 2010 gestartet – damals noch unter dem Namen SPS Industrial Automation Fair (SIAF). Im März dieses Jahres informierten sich 40.026 Fachbesucher – so viele wie noch nie – bei 424 Ausstellern auf einer Fläche von 28.500m² über die neuesten Produkte und Lösungen der SPS Smart Production Solutions Guangzhou. 2011 folgte dann die erste SPS Italia in Parma – und die ist seither noch stärker gewachsen. Auf 68.000m² präsentierten 2025 780 Aussteller über 37.000 Fachbesuchern ihre Entwicklungen in KI, Robotik, Digitalisierung und nachhaltiger Produktion. Die Anmeldezahlen für die diesjährige Veranstaltung vom 26. bis 28. Mai 2026 deuten auf eine erneut erfolgreiche Messe hin.
Und jetzt wollt ihr die SPS auch in den USA etablieren.
Roschkowski: Genau. Die Platzierung einer Messe in einem neuen Markt kostet viel Kraft und Energie – aber wir sehen in diesen Märkten enormes Potenzial für die Automatisierung, und das Partnernetzwerk der Messe Frankfurt ebnet uns dabei den Weg. Im September 2024 sind wir in den USA zunächst nicht als eigenständige Messe gestartet, sondern als spezialisierter Bereich „Automation Sector powered by SPS“ im Rahmen der IMTS (International Manufacturing Technology Show) in Chicago. Die erste eigenständige SPS in Atlanta folgte dann vom 16. bis 18. September 2025 – mit 112 Ausstellern und 2.134 Besuchern.
Schulz-Metzner: Diesen Rhythmus wollen wir beibehalten. Vom 14. bis 19. September 2026 ist die SPS als „Automation Sector accelerated by SPS“ wieder Teil der IMTS in Chicago, bevor sie vom 14. bis 16. September 2027 erneut eigenständig in Atlanta auftritt.
Welche Pläne habt ihr für die ASEAN-Region?
Schulz-Metzner: Mit unseren SPS Stages bringen wir 2026 und 2027 frischen Wind in die Automatisierungswelt – in Kuala Lumpur, Hanoi und Bangkok. Das Stage-Format verbindet Ausstellungsfläche und Bühne: Aussteller aus der Automatisierungstechnik können sich auf etablierten Messen prägnant präsentieren und so neue Märkte erschließen.
Roschkowski: Die SPS Stage Bangkok fand Anfang März 2026 zum zweiten Mal als Teil der Automation Thailand statt – und war ein voller Erfolg. Sie deckt fünf zentrale Bereiche ab: Industrieautomation, Robotik, Inspektions- und Messtechnik, Digitale Fabrik sowie Lager- und Logistikautomation. Vom 13. bis 15. Mai findet die SPS Stage Kuala Lumpur erstmals im Rahmen der Intelligent Manufacturing statt – einer konferenzgeprägten Veranstaltung für Unternehmen, die den digitalen Wandel in der Fertigung aktiv gestalten wollen. Die SPS Stage Vietnam wird vom 9. bis 12. September 2026 erstmals Teil der SecuTech Vietnam in Hanoi sein. Die führenden B2B-Plattform für Sicherheit, Brandschutz sowie intelligente Fabrik- und Gebäudetechnik, verknüpft die aktuellen Themen KI-, IoT- und IKT-gesteuerte Technologien nahtlos mit lösungsbasierter Integration.
Warum wurden diese drei Märkte ausgewählt?
Roschkowski: Unsere Kollegen der Messe Frankfurt veranstalten dort bereits diese Messen, und die Automatisierungstechnik war in den vergangenen Jahren ein sehr erfolgreicher Teil des jeweiligen Fachprogramms. Deshalb wollen wir der Automatisierung mit dem Stage-Konzept einen größeren Rahmen bieten – explizit nicht als eigenständige Messe, aber unter einer etablierten Marke und mit einem erfahrenen Team.
Schulz-Metzner: Dabei kopieren wir nicht einfach das Konzept aus Nürnberg oder Parma. Wir schauen genau, wie sich der jeweilige Markt entwickelt und was er braucht. Häufig steht die Wissensvermittlung noch stärker im Vordergrund als die Ausstellung selbst. Wobei sich in Bangkok gezeigt hat, dass das Thema Industrial AI dort genauso gefragt ist wie bei uns – die Unternehmen sind manchmal sogar offener und gehen Themen schneller an als wir es aus Europa kennen. Auf dem Gebiet der Automatisierung ist die ASEAN-Region vielleicht noch einige Schritte hinter uns, aber sie will und muss schnell aufholen, weil Automatisierung der entscheidende Hebel für Produktivitätssteigerungen ist.
Werden neben dem stärkeren Fokus auf Wissensvermittlung auch Inhalte und Schwerpunkte an regionale Besonderheiten angepasst?
Schulz-Metzner: In neuen, sich entwickelnden Märkten können wir nicht so trennscharf vorgehen wie in Deutschland – wo wir beispielsweise die Robotik bewusst aus der SPS heraushalten. In Märkten, die die Industrialisierung vorantreiben wollen, gehen Robotik und Automation Hand in Hand. Und Robotik bedeutet dort oft etwas anderes als bei uns.
Wie können deutsche Unternehmen konkret von euren internationalen Auftritten profitieren?
Roschkowski: Indem wir die SPS und ihre weltweiten Schwesterveranstaltungen bündeln und die globale Automatisierungswelt in einem Hub vereinen, können Aussteller unter einer bekannten Marke und mit renommierten Partnern neue Märkte betreten – oder ihren Bekanntheitsgrad dort steigern, wo sie bereits mit einer Niederlassung vertreten sind. Gerade für die vielen KMU, die nicht überall präsent sind, ist das attraktiv: Sie können sich quasi im Windschatten der SPS weltweit präsentieren – mit vertrauten Ansprechpartnern und dem Qualitätsversprechen einer SPS.
Schulz-Metzner: Mit unserer Erfahrung sorgen wir dafür, dass unsere Kunden bei der Vorbereitung umfassend unterstützt werden. Wir helfen ihnen, die richtigen Formate zu finden, und unsere Kollegen vor Ort liefern den Service, den sie von der SPS in Nürnberg gewohnt sind. Darüber hinaus sprechen wir im Vorfeld über kulturelle Gegebenheiten und Verhaltensweisen – denn im amerikanischen, aber vor allem im asiatischen Raum braucht es oft mehr Fingerspitzengefühl als in Deutschland, wo wir direkter und fordernder kommunizieren. Wir verstehen uns deshalb als echter Partner für unsere Aussteller – in Nürnberg, Italien, den USA, Thailand, Vietnam, Malaysia und wo es uns sonst noch hin verschlagen wird.



















