Warum ergibt sich die Notwendigkeit für Kraftaufnehmer, Einzelfehler um 200ppm zu erreichen? Um dies zu verstehen, ist ein Blick auf die möglichen Fehlerquellen bei der Kraftmessung wichtig. Bei Kraftaufnehmern auf Basis von Dehnungsmessstreifen (DMS) unterscheidet man zwei mögliche Fehlergruppen: – Endwertbezogene Fehler: Fehler, die unab- hängig von der anliegenden Kraft ein bestimmtes Ausgangssignal erzeugen. – Istwertbezogene Fehler: Fehler, deren Größe der im Moment der Betrachtung anliegenden Kraft proportional sind. Der Temperatureinfluss auf den Nullpunkt, der sogenannte TKNull, ist ein Beispiel für einen endwertbezogenen Fehler. Diese Messungenauigkeit weist einen bestimmten Betrag auf, der nur von der Größe des Einzelfehlers abhängt, also unabhängig von der gemessenen Kraft ist. Bei Messungen im oberen Bereich des Sensors, also bei hohen Kräften, ist ein endwertbezogener Fehler unkritisch, da der relative Anteil aufgrund des hohen Ausgangssignals klein ist. Das Bild ändert sich, wenn mit dem gleichen Kraftaufnehmer eine kleine Kraft gemessen wird. In diesem Fall ist die Wirkung des Fehlereinflusses wesentlich größer, da der gleiche Fehlerbetrag relativ zum kleinen Ausgangssignal ins Verhältnis gesetzt wird. Neben dem TKNull ist auch der Linearitätsfehler auf den Endwert bezogen. Istwertbezogene Fehler wirken sich immer relative zur aktuell gemessenen Kraft aus. Bei der Messung kleiner Kräfte ist der Einfluss solcher Fehlergrößen also eher klein. Um eine vollständige Fehlerrechnung durchzuführen, ist es notwendig neben der Unterscheidung zwischen Endwert und Istwertbezug auch die Fehlerverteilung zu beachten. So gilt bei HBM für nahezu alle technischen Daten, dass die größte mögliche Messunsicherheit angegeben wird, was sich in der Messunsicherheitsbetrachtung positiv auswirkt. Tabelle 1 zeigt einen Vergleich zwischen einem herkömmlichen Aufnehmer und dem Kraftaufnehmer S2M. Aus Tabelle 1 ist ersichtlich, dass bei Messungen im Teillastbereich fast nur die endwertbezogenen Fehler Relevanz haben: Präzision im Bereich sehr guter Linearität und niedrigem Einfluss der Temperatur auf den Nullpunkt sind entscheidende Faktoren, die die kleinste noch mit einer gegeben Messunsicherheit nachweisbaren Kraft für einen spezifischen Aufnehmer bestimmen. Der Einsatz von hoch genauen Aufnehmern ermöglicht neue Anwendungen in der Kraftmesstechnik. So lassen sich Messketten für sehr hohe Überlasten auslegen, ohne dass die Aussagekraft der Ergebnisse leidet. Ein weiterer Vorteil: Der Kraftaufnehmer kann für viele verschiedene Messaufgaben flexibel eingesetzt werden. Auch kann bedenkenlos zu einer größeren Nennkraft gegriffen werden, wenn dynamische Eigenschaften gefordert sind, das heißt höhere Schwingbreite oder größere Steifigkeit. Diese mechanischen Parameter sind nennkraftabhängig. Kraftaufnehmer mit höherer Nennkraft weisen höhere Steifigkeiten und damit auch höhere Resonanzfrequenzen auf, und die relative Schwingbeanspruchung sinkt bei Einsatz eines größeren Modells. Dies zeigt: Hochgenaue Kraftaufnehmer sind nicht nur technologisch anspruchsvoll, sondern bieten auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Der Grund dafür liegt in einer Betrachtung der möglichen Fehlerquellen bei der Kraftmessung. Vorteile hochgenauer Kraftaufnehmer Moderne Kraftaufnehmer wie der S2M oder S9M erreichen höchste Genauigkeiten. Linearitätsfehler, relative Umkehrspanne und Temperatureinflüsse sind kleiner als 0,02% relativ zum Endwert. Solche Werte machen den Einsatz von Aufnehmern auch bei der Messung kleinerer Kräfte attraktiv. Der Kraftaufnehmer S9M bietet einen TKNull und eine Linearität von 200ppm relativ zum Endwert. Wird ein solcher Kraftaufnehmer bei 5% der Nennkraft eingesetzt, so liegt der Fehler, den Linearität bzw. der TKNull relativ zur anliegenden Kraft verursachen bei 0,1%. Somit können Messketten auch für hohe Überlasten ausgelegt werden, ohne größere Nachteile bei der Aussagekraft der Ergebnisse hinnehmen zu müssen. Bei größeren Nennkräften bieten sich die so genannten Pancakes wie die U10 an, die eine relative Umkehrspanne ab 300ppm relative zur Nennkraft aufweisen, und wegen Ihrer günstigen DMS-Anordnung einen TKNull von 150ppm/10K zeigen. Bild 2 zeigt ein weiteres Argument für eine präzise Kraftmessung: Auf der x-Achse ist eine zu messende Kraft aufgetragen, die zur Qualitätskontrolle dient. Auf der y-Achse wird die Anzahl der produzierten Bauteile gezeigt. Die Streuung der produzierten Teile verteilt sich nach der Gaußschen Glockenkurve. Auf den Diagrammen sind jeweils grüne Linien eingetragen, die die erlaubten Toleranzen zeigen, rechts und links dieser Grenzen ist in rot die Messunsicherheit der Kraftmesskette abzulesen. Zur Beurteilung des Prozesses ist es erforderlich, die Messgenauigkeit des Aufnehmers abzuschätzen. Um eine Gut-/Schlecht-Beurteilung durchzuführen, dürfen nur die Bauteile als OK gewertet werden, die innerhalb des Soll-Bereichs abzüglich der Messtoleranz liegen (in Bild 2 durch die blau schraffierte Linie symbolisiert). Die Anzahl der tolerierbaren Teile steigt an, wenn die Messgenauigkeit steigt. Anders ausgedrückt ist die Anzahl der zu verwerfenden Teile auch von der Messgenauigkeit der Kraftmesskette abhängig. Fazit Moderne Kraftaufnehmer wie der S2M, S9M oder U10M erreichen vor allem bei den endwertbezogenen Einflussgrößen auf die Mess-unsicherheit Genauigkeiten über den Klassenstandard hinaus. Durch die Möglichkeit, eine Messkette durch Betrieb im Teillastbereich einzusetzen, wird die Toleranz gegen Überlasten erhöht, was sich in einer verbesserte Zuverlässigkeit zeigt. Vor allem der minimale Einfluss der Temperatur auf den Nullpunkt erlaubt es, denselben Sensor für verschiedenen Messbereiche zu verwenden, sowie mit der hohen Präzision der Sensoren den Anteil der Gut-Teile in der Produktion zu erhöhen.
Hochgenau ist hocheffizient Genaue Kraftaufnehmer ermöglichen neue Anwendungsgebiete
-
Neue Vorstandsvorsitzende der ABB in Deutschland
Der ABB-Aufsichtsrat hat Rosa Meckseper (Bild) zur neuen Vorstandsvorsitzenden der ABB AG bestellt.
-
Elektroexporte: Deutlicher Anstieg im ersten Quartal um 10,3%
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im März erneut gestiegen: Mit 24,2Mrd.€ erzielten sie ein Plus von 10,3% gegenüber Vorjahr.
-
IBHsoftec erweitert sein Engineering-Tool um eine Assistenzfunktion
KI-Copilot für S5 und S7: Hilfe für die Wartung von Bestandsanlagen
In vielen Fabriken laufen ältere Maschinen mit S5- oder klassischen S7-Steuerungen nach wie vor zuverlässig. Das Problem liegt oft nicht in der Technik, sondern im fehlenden Knowhow: Dokumentationen…
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau im Inland schwach
Für den Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland war der April ein Monat mit gemischter Botschaft.
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
Erfolgreiche Premiere von Eplan Next2026
Eplan Next2026 – das waren zwei Tage geballter Informationen rund um das Thema…
-
Energieführung für Industrieroboter
Freitragende Energiekette für 600°-Robotikbewegungen
Mit einer neuen freitragenden Variante der Twisterchain präsentiert Igus eine Energieführung für kompakte…
-
Philip Harting erneut in engeren ZVEI-Vorstand gewählt
Philip Harting bleibt Teil des engeren Vorstands des ZVEI.
-
Künstliche Intelligenz
KI-Agent unterstützt weltweiten technischen Service
Mit dem KI-Agenten ‚Karl‘ erweitert Neugart sein digitales Serviceangebot um einen weltweit verfügbaren…
-
Zentrale Überwachung von Profibus- und Profinet-Netzwerken in einer einzigen Anwendung
Monitoringlösung unterstützt jetzt auch Profinet
Mit PlantPerfect Monitor 2.00 erweitert Softing Industrial Automation seine Monitoringlösung um Profinet-Unterstützung.
-
Eplan
Smart Sourcing verbindet Elektrokonstruktion und Beschaffung
Mit Eplan Smart Sourcing stellt Eplan eine neue Software zur intelligenten Verknüpfung von…
-
Messtechnikzubehör
DataTec erweitert Portfolio um Signalzugriffs- und Verbindungslösungen
DataTec baut sein Angebot im Bereich Messtechnikzubehör aus und vertreibt künftig im DACH-Raum…
-
Führungswechsel bei der OI4 Alliance
Die Open Industry 4.0 Alliance stellt seine Führung um: Ab Juli übernimmt Michael…
-
Produktion in den energieintensiven Industriezweigen um 1,2% gestiegen
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen…
-
Jedes zwölfte Unternehmen sieht wirtschaftliche Existenz bedroht
8,1% der Unternehmen in Deutschland sehen den eigenen Fortbestand gefährdet.
-
Messgerät
Kalibrator und Präzisionsmultimeter in einem Gerät
Mit der neuen Metracal CM Serie kombiniert Gossen Metrawatt Kalibrator und Präzisionsmultimeter in…
-
Sensorbasierte Echtzeitüberwachung des Schmierungszustands
Das Lager wird zum Sensor
Lagerschäden werden mit klassischer Sensortechnologie typischerweise erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium erkannt,…
-
Nachgefragt: Wie weit die Industrie bei Umsetzung, Security und Compliance ist – Teil 1
Maschinenverordnung 2027: Die Zeit läuft
Der Countdown läuft: Am 20. Januar 2027 wird die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 verbindlich. Doch…
-
Platzsparende Antriebstechnik für die Verpackungsindustrie
Effizient, robust und kompakt
In der Lebensmittel- und Getränkeproduktion ist der Platz meist begrenzt. Daher ist bei…
-
Workshop ebnet produzierenden Unternehmen den Weg zur Smart Factory
KI in der Praxis
Smart Manufacturing verlangt nach konkreten Projekten. Ein Workshop zeigt praxisnahe Wege zur Smart…
-
Bomag standardisiert die Elektrokonstruktion von mobilen Arbeitsmaschinen
Der Kabelbaum als digitaler Zwilling
Kabelbäume zählen zu den aufwendigsten Baugruppen mobiler Maschinen – und entstehen in vielen…
-
Modulare I/O-Systeme werden zur Architektur hinter moderner Produktion
Vom Anschlusspunkt zur Dateninfrastruktur
Industrielle Steuerungssysteme werden nicht mehr durch zentralisierte Logik und starre Architekturen bestimmt, sondern…
das könnte sie auch interessieren
-
Rovema macht mit ctrlX Automation seine Maschinen zukunftssicher
Technologisch flexibel und strategisch unabhängig
-
Kompakte S7-Steuerung mit Touchpanel
Die Jedermanns-SPS
-
Webbasiertes Engineering-Tool als Designer für die schaltschranklose Automatisierung
„Wir vereinfachen die Umsetzung drastisch“
-
Integrierte Kompaktantriebe ermöglichen schaltschranklose Maschinen
Es geht auch ohne Einspeisemodul
















